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Nachbarn ohne Vorurteile

14.06.2012 | 11:00 Uhr
Nachbarn ohne Vorurteile
Irmgard Blecking (70) hat von ihrem Balkon aus einen guten Blick auf den zentralen Hof des neuen Wohnquartiers am Mattlerbusch.

Oberhausen.  Neuen Siedlung für Junge und Alte mit und ohne Behinderung am Mattlerbusch

Ein Prunkstück für rund 7,8 Millionen Euro hat der Sterkrader Verein für körper- und mehrfachbehinderte Menschen Alsbachtal e.V. errichtet, eine moderne, schicke und vor allem inklusive und generationsübergreifende Wohnsiedlung für insgesamt 85 Menschen mit und ohne Behinderung. Schade nur: Sie steht in Duisburg.

Die engagierte Behinderteneinrichtung hat ihren Sitz am Naherholungsgebiet Alsbachtal – direkt neben der brachliegenden Fläche, auf der bis 2009 das beliebte Sterkrader Freibad „Alsbachtal“ zu finden war. Nach dem Abriss des Bads ist über die Vermarktung des Geländes ein politischer Streit entbrannt. Noch immer liegt die Entwicklung des Areals auf Eis.

Am Revierpark Mattlerbusch hat der Alsbachtal-Verein nun also gebaut, in bester Lage: ruhig, grün und nah am Versorgungszentrum in Holten. „Die Stadt Duisburg ist uns bei der Grundstückssuche sehr entgegen gekommen“, sagt Josef Wörmann, Geschäftsführer des Vereins. Die Wohnungen waren heiß geehrt – schon lange vor Baubeginn 2010 waren sie vermietet. Am Freitag wird das Alsbachtal-Quartier nach nur 19 Monaten Bauzeit eröffnet.

Mitarbeiter und Ehrenamtliche gesucht

Die vier Siedlungshäuser werden unterschiedlich genutzt. Im Ambulant Betreuten Wohnen leben 14 Menschen mit Behinderung in Wohngemeinschaften oder allein, 24 weitere werden in Apartments rund um die Uhr betreut. Dazu hat sich der Verein das Netz „Heilpädagogische Hilfen“ (HPH) Niederrhein des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) als Partner und Mieter ins Boot geholt. Der HPH wird ein Heilpädagogisches Zentrum eröffnen, in dem therapeutische Kurse angeboten werden. 20 Mitarbeiter sowie zehn vom Alsbachtal kümmern sich um die Anwohner – weitere Stellen im Team sind noch zu besetzen, auch Ehrenamtliche werden gesucht.

Rund 50 der Anwohner haben keine Behinderung. Auch ihre Wohnungen sind barrierefrei, an ein Pflegedienstangebot angeschlossen und als sozialer Wohnungsbau (bis auf vier Penthouse-Wohnungen) spottbillig. Treffpunkt in der Siedlung soll ein Café werden, in dem Kochkurse und Freizeitaktivitäten angeboten werden. „Wir wollen das Zusammenleben organisieren“, sagt Wörmann. HPH-Regionalleiterin Brigitte Balzer ergänzt: „Berührungsängste werden so abgebaut und es entstehen Kontakte, die nicht selten ein Handicap ausgleichen können.“

6,63 Millionen aus Mitteln der Wohnungsbauförderung

Zu 85 Prozent finanzierte der Verein das Projekt aus Wohnbauförderungsmitteln. Beim Bau wurde auf moderne energetische Standards geachtet: Beheizt wird das Quartier mit Abwärme aus einer Kläranlage, die Häuser sind mit Photovoltaikanlagen ausgestattet.

Kurt und Irmgard Blecking sind schon 2011 in die Siedlung gezogen. 47 Jahre haben sie in Holten gelebt, hatten einen großen, aber pflegeintensiven Garten. „Wir wollten für später vorsorgen“, erklärt der 73-jährige Kurt Blecking den Umzug. Dass sie in der Siedlung mit Menschen leben, die eine Behinderung haben, findet er gut. „Wir helfen uns hier alle gegenseitig. Ich bin froh, dass dieses Miteinander so möglich ist.“ Nur ein Wermutstropfen bleibt, gesteht das Paar augenzwinkernd: Weil die Siedlung auf Duisburger Gebiet liegt, mussten sie sich ummelden. Irmgard Blecking: „Wir fühlen uns aber weiterhin als Oberhausener.“

Sommerfest zur Eröffnung

NRW-Wirtschaftsminister Harry Voigtsberger (SPD) weiht das neue Wohnquartier am morgigen Freitag, 15. Juni, ein. Ab 12.30 Uhr begrüßt Josef Wörmann seine Gäste, Bürgermeister Klaus-Dieter Bross (CDU) wird erwartet.

Am Samstag sind Oberhausener und Duisburger zum traditionellen Sommerfest des Alsbachtal-Vereins eingeladen, das diesmal von 12 bis 19 Uhr am neuen Viertel (Könzgensplatz, Zugang über Mattlerstraße) stattfindet.

Stephanie Weltmann


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