Das aktuelle Wetter Oberhausen 11°C
Unser Norden

Kein Glockenturm ohne Bürger

28.06.2012 | 15:10 Uhr
Kein Glockenturm ohne Bürger
„Omnes Sancti Apostoli“ heißt die Inschrift der zweitschwersten Glocke von St. Barbara. Sie hat einen Durchmesser von über einem Meter.Foto: Lars Fröhlich

Oberhausen. Jahrelang sammelten die Mitglieder von St. Barbara in Königshardt Gelder für ein eigenes Kirchengeläut. Nun feiert die Gemeinde das Glockenjubiläum.

Nein, die Kirchenglocken der katholischen Gemeinde St. Barbara stehen eben nicht nur für die fortschreitende Tageszeit, die sie Stunde für Stunde angeben. Die fünf Glocken, macht Prälat Emil Breithecker deutlich, sie seien Ausdruck des Zusammenhalts unter den Gemeindemitgliedern. „Ohne ihr Engagement hätte St. Barbara heute keinen Glockenturm.“

25 Jahre ist es her, dass der Glockenturm und das fünfstimmige Geläut in Königshardt eingeweiht wurden. Möglich war das nur, weil die Königshardter über acht Jahre Spenden gesammelt und sich zudem auch noch ehrenamtlich am Bau beteiligt hatten. Ein Einsatz, der besonders heute, in Zeiten knapper Kirchenkassen zunehmend wichtig werde, wie Gemeindereferent Berthold Rzymski anerkennt. Mit einem großen Jubiläumsfest im September soll das Engagement nun Würdigung finden.

Ein Beutel voller Kleingeld

Schon der Neubau der Barbara-Kirche in den 70er Jahren war maßgeblich mit Hilfe des Kirchbauvereins finanziert worden, zu dem sich engagierte Katholiken zusammengeschlossen hatten. Für den Glockenturm reichten die Gelder damals allerdings nicht aus. Vorerst nicht, wie sich Prälat Breithecker erinnert: „Als ich 1979 nach St. Barbara kam, überreichte man mir einen Beutel voll Kleingeld. Ich hatte keine Ahnung, wofür, bis mir erklärt wurde: ‘Das ist für den Glockenturm.’“

Nicht nur Bürger sammelten Gelder, auch die Schausteller der traditionellen Wottelkirmes in Königshardt beteiligten sich. In den alteingesessenen Gaststätten Luft und Köbes standen Spendendosen – kein Gast sei am Wirt vorbeigekommen, ohne um Unterstützung gebeten worden zu sein, erinnert sich Breithecker.

Rund die Hälfte der sechsstelligen Baukosten trugen die Gemeindemitglieder zusammen – neben Turm wurden auch der Pfarrsaal und die Küche erweitert, eine barrierefreie Toilette und eine Bücherei eingerichtet. 22 Meter ragt der Turmbau heute über dem Stadtteil, schmale Holzstufen führen hinauf zu den fünf Bronzeglocken. Zwischen 1,3 Tonnen und 400 Kilogramm wiegen sie. Ein Motor bringt sie zum Läuten, wann und wie, das reguliert ein kleiner Computer.

Glocken mit Konzertcharakter

Wie die Glocken klingen sollen, das hatte die Gießerei genau auf die umliegenden Kirchtürme abgestimmt. „Unsere Glocken haben einen vollen Klang, geradezu einen Konzertcharakter“, sagt Breithecker. „St. Jakobus in Tackenberg hat zum Beispiel einen härteren Ton.“

Um den Schall zu regulieren, sollten Lamellen am Turm angebracht werden. Und wieder waren es die Königshardter, die 284 Löcher ins Mauerwerk des Turms bohrten, an denen später die Schalllamellen befestigt wurden.

An dieses Engagement soll im September erinnert werden. Hans Carollo, der an den Vorbereitungen zum Jubiläum beteiligt ist, erklärt: „Wir wollen Videos und Fotos zeigen und bitten Zeitzeugen, über ihre Erlebnisse zu berichten.“ Wer am Turmbau beteiligt war oder diesen miterlebt hat, kann sich im Pfarrbüro (Hartmannstraße 83) unter  673124 melden.

Ein Fest zum Jubiläum

Mit vollem Geläut sollen die Glocken von St. Barbara am 16. September um 10 Uhr die Jubiläumsfeier eröffnen. Der Schmachtendorfer Musiker Klaus Borns hat vorab die Glockenklänge aufgenommen und komponiert darum ein regelrechtes Glockenkonzert (10.30 Uhr).

Nach dem Festgottesdienst
(11 Uhr) mit Glockenchor werden Turmführungen angeboten.

Stephanie Weltmann



Kommentare
Aus dem Ressort
Neubau in Oberhausen-Sterkrade entpuppt sich als Höhenflug
Kik-Haus
Ist das sogenannte „Kik“-Haus in Oberhausen-Sterkrade erst abgerissen, soll im Stadtteilzentrum ein 24 Meter hoher Neubau entstehen. 17 Wohnungen sind geplant, rund 300 Quadratmeter Gewerbefläche im Erdgeschoss. Die OGM hat zudem Investoren an der Angel.
Ein Botschafter für die GSO in Oberhausen
Bildung
Der 40-jährige Carsten Kühn steckt als neuer Leiter der Gesamtschule Osterfeld voller Ideen. er will Angebote für gute Schüler ausbauen, längeres gemeinsames Lernen fördern und steht sogar Mathe-Apps im Unterricht aufgeschlossen gegenüber.
Nachspielzeit für die Spaßparks
Freizeit
In den Freizeitparks hinter der Stadtgrenze zu Bottrop geht es im Herbst richtig rund: Schloss Beck in Bottrop hat noch bis Sonntag geöffnet – bei schönem Wetter. Im Movie Park läuft das Halloween Fest. Bis zum 31. Oktober sind dort die Monster unterwegs.
Bücher gehören zur Nahversorgung
Neueröffnung
Daran glaubt Christian Bräunlich. Der Verlagsvertreter eröffnet am Freitag die Buchhandlung „Glück auf“ in Osterfeld. Der Schwerpunkt liegt neben Belletristik sowie Kinder- und Jugendbücher auf der Region. So werden in mehreren Regalen Bücher über das Ruhrgebiet stehen.
Gewo baut Energie-Siedlung in Oberhausen-Osterfeld aus
Wohnen
Die Gemeinnützige Wohnungsbau eG, kurz Gewo, will das Halterner Viertel in Oberhausen-Osterfeld um 40 Wohnungen erweitern. Rund acht Millionen Euro sollen in den Ausbau der Vorzeige-Niedrigenergiesiedlung investiert werden. Dabei hofft die Gewo auch auf Gelder aus dem Förderprogramm „Soziale Stadt“.
Fotos und Videos
Rockerkrieg in NRW
Bildgalerie
Bilderchronik
Gnadenhof in Not
Bildgalerie
Tiere
Auferstehungskirche Osterfeld
Bildgalerie
Kirchenserie
So feierten die Fans in Oberhausen
Bildgalerie
Jubel und Autokorso