Hitziger Streit unter Regenschirmen in Oberhausen

Protestierten mit scharfem Vokabular gegen die Flüchtlingspolitik der Oberhausener Stadtregierung: Die Bürgerinitiative Wohnumfeld Kapellenstraße am Sonntag im Kaisergarten.
Protestierten mit scharfem Vokabular gegen die Flüchtlingspolitik der Oberhausener Stadtregierung: Die Bürgerinitiative Wohnumfeld Kapellenstraße am Sonntag im Kaisergarten.
Was wir bereits wissen
Nach dem Wahlkampfauftakt redete SPD-OB-Kandidat Tsalastras mit kritischen Bürgern. BI Kapellenstraße versucht, Container für Flüchtlinge zu stoppen.

Oberhausen.. Wahlkämpfe sind für alle Spitzenkandidaten in der Regel keine Schönwetterveranstaltungen – unangenehme Themen lauern an jedem Straßenrand. Und so schauerte es pünktlich nicht nur zu Beginn der mit vielen Slogans gespickten Wahlkampf-Auftaktrede von Apostolos Tsalastras („Mitmachen statt Miesmachen“), Oberbürgermeister-Kandidat von SPD, Grünen und FDP, am Sonntag im Kaisergarten, sondern auch auf seinen kurzen Spaziergang zur kleinen Demo der neuen „Bürgerinitiative Wohnumfeld Kapellenstraße“.

Die hatte sich angesichts der vielen anwesenden Politikern der Ampelkoalition zum offiziellen Wahlkampfauftakt am Kaisergarten-Rand mit Protestschildern gegen die Flüchtlingspolitik der Stadt Oberhausen formiert – und sammelt nun Unterschriften gegen Containerbauten für Asylbewerber auf dem früheren Zirkusplatz an der Kapellenstraße. Kämmerer Tsalastras musste sich vor allem von Verena Hofes und Rainer Pflips, Vorsitzende und Stellvertreter der Bürgerinitiative, harte Vorwürfe gefallen lassen.

Tsalastras: Ich beteilige Anwohner

Hier eine kleine Auswahl der unter Regenschirmen und mit Regenjacken geäußerten, hitzig formulierten Anschuldigungen: Warum müssen Flüchtlinge in menschenunwürdig beengten Container-Räumen hausen? Warum bemüht sich die Stadt nicht stärker, Flüchtlinge in Privatwohnungen unterzubringen? Warum scheut man zurück, Schulen für Flüchtlinge umzubauen, die viel geeignetere Wohnungen für Flüchtlinge hergeben würden? Warum will die Stadt die Anwohner nicht bei der Gestaltung des Zirkusplatzes beteiligen? Warum gefährdet man Flüchtlingskinder auf Böden, die nachweislich mit Arsen verseucht seien?

Das Nein von Tsalastras und der SPD zur Sperberstraße in Klosterhardt („zu klein“) hat der Bürgerinitiative Hoffnung gemacht, die Ansiedlung von Flüchtlingen auch an der Kapellenstraße noch verhindern zu können. Doch die machte Tsalastras zunichte. „Wir können auf die Container-Standorte angesichts der vielen Flüchtlinge nicht verzichten.“ Das liege auch daran, dass nicht genug freie Wohnungen von Hauseigentümern bereit gestellt würden, um Flüchtlinge aufzunehmen. Immerhin ein Drittel werde trotz steigender Flüchtlingszahlen privat untergebracht. Schulen wiederum seien nur sehr kostenträchtig umzubauen. „Hier kann man die nötige Intimsphäre kaum herstellen. Zudem fehlen Sanitäranlagen“, sagte Tsalastras.

Er versicherte den Protestlern aber mehrfach, bei der Umgestaltung des Zirkusplatzes für Flüchtlinge alle Anwohner zu beteiligen. Sollte der Boden sich als giftig erweisen, werde er ausgetauscht.