Gemeinde in Oberhausen erwägt Klage wegen Denkmalschutz

Noch ist die Kirche an der Kempkenstraße der Mittelpunkt der Siedlung. Bald aber soll sie geschlossen werden
Noch ist die Kirche an der Kempkenstraße der Mittelpunkt der Siedlung. Bald aber soll sie geschlossen werden
Foto: WAZ FotoPool
Die Kirche an der Kempkenstraße in Oberhausen-Schmachtendorf wird geschlossen. Daran ändert auch ein möglicher Denkmalschutz nichts.

Oberhausen.. Jetzt dürfte auch das letzte Fünkchen Hoffnung der Gemeindemitglieder erloschen sein. Die Kirche an der Kempkenstraße in Schmachtendorf wird geschlossen. Daran ändere auch die Nachricht nichts, dass das Gotteshaus eventuell unter Denkmalschutz gestellt wird, machte Pfarrerin Stephanie Züchner bei der jüngsten Versammlung der evangelischen Kirchengemeinde Schmachtendorf-Königshardt deutlich. Sollte der Denkmalschutz kommen, erwägt die Gemeinde eine Klage.

Die Landeskirche habe bereits signalisiert, dass man im Fall einer Klage gute Chancen auf Erfolg hätte. Heißt: Sollte die Kirche unter Denkmalschutz gestellt werden, so muss die Gemeinde nachweisen, dass sie finanziell nicht in der Lage ist, das Gebäude weiter zu unterhalten. Werde dies anerkannt, dürfe das Gotteshaus bei einem möglichen Verkauf abgerissen werden, erklärte Pfarrer Stefan Züchner.

Man merkte den Gemeindemitgliedern an, dass sich mancher noch nicht an die Vorstellung gewöhnen mag, dass „seine“ Kirche geschlossen werden soll. „Uns wird ein Teil unserer Gemeinde genommen“, meldete sich jemand zu Wort. Ein anderer beklagte den „Verlust von Heimat“. Das Presbyterium habe sich die Entscheidung nicht einfach gemacht, versicherte Stephanie Züchner. „Aber die Zahlen zwingen uns zum Handeln.“

Ein neuer Name soll her

Wie berichtet steuert die 2007 aus den Teilen Schmachtendorf und Königshardt fusionierte Gemeinde auf eine Zukunft in tiefroten Zahlen zu. Belässt man alles beim Alten, klafft in 15 Jahren ein Loch von vier Millionen Euro in der Gemeindekasse. Deshalb wird die Gemeinde Grundstücke und Gebäude veräußern, darunter auch das bereits geschlossene Jugendhaus an der Prinzenstraße und das Gemeindehaus am Buchenweg, dem jetzigen Ausweichort für die Jugendlichen der Gemeinde.

Die Sorge der Jugend ist dementsprechend groß. Das hat sie auch bei der Versammlung zum Ausdruck gebracht. Superintendent Joachim Deterding verspricht: „Es wird auch in Zukunft nennenswerte Jugendarbeit in Königshardt geben.“ Wie diese aussehen wird, kann er zum jetzigen Zeitpunkt jedoch nicht sagen.

Ebenfalls unklar ist, welchen Namen die Gemeinde künftig haben wird. „Schmachtendorf-Königshardt – das klingt nicht schön“, findet Pfarrer Thomas Levin. Bis zum 31. August sollen die Gemeindemitglieder Vorschläge für einen neuen Namen einreichen. Das Presbyterium will dann bis zum Gemeindefest 2016 entscheiden.

Gutachten bestätigt Denkmal-Wert

Die ev. Kirche Schmachtendorf soll unter Denkmalschutz gestellt werden. Doch warum ist diese Kirche an der Kempkenstraße nach Ansicht der Denkmalschützer erhaltenswert? Wie aus einem achtseitigen Gutachten des LVR Amtes für Denkmalpflege im Rheinland hervorgeht, wird das Gebäude als „bedeutend für die Geschichte des Menschen und der Städte und Siedlungen“ eingestuft. Die Kirche an der Kempkenstraße wurde 1905 erbaut und ein Jahr später eingeweiht. Der Architekt war Heinrich Heidsiek aus Mülheim an der Ruhr. Die Gutachter: „Dieser Architekt, über den bisher nur relativ wenig bekannt ist, war um 1900 tätig. Gerade weil das Werk dieses Architekten noch relativ unerforscht ist, stellt die evangelische Kirche in Schmachtendorf eine wichtige Quelle für Architekturhistoriker dar.“ Zudem scheint sie eine ungewöhnliche Bauweise aufzuweisen: die innere Holzkonstruktion sei im Historismus nicht oft anzutreffen.

Elemente der Neoromanik finden sich im Außenbau – in den schlichten Rundbogenfenstern, Gesimsen und Zwillingsfenstern. Es handelt sich um eine Backsteinhallenkirche. Das Kircheninnere wurde im Zweiten Weltkrieg teilweise zerstört; die Umgestaltung der Nachkriegszeit sei qualitativ nicht so hochwertig, dass sie zum Denkmalwert beitrage. Aus den Anfängen erhalten sei jedoch die gesamte hölzerne Deckenkonstruktion, Emporen, Stützkonstruktion, Basalttreppe. Mit dem Pfarrhaus bildet die Kirche den Mittelpunkt der Bergarbeitersiedlung, die vor und zu Beginn des Ersten Weltkriegs entstand.