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Gekommen, um zu bleiben

31.08.2012 | 12:00 Uhr
Gekommen, um zu bleiben
Der Innenraum der Kirche wurde zuletzt 2002 aufwändig renoviert.

Oberhausen.  Die 160 Jahre alte Friedenskirche ist das älteste evangelische Gotteshaus in Sterkrade. Doch das schlichte Gebäude aus dem Jahr 1852 ist noch ähnlich gut in Schuss, wie das Gemeindeleben im Umfeld der Kirche.

Ganz hinten, rechts in der Ecke auf einer Holzbank, steht ein kleiner, brauner Korb mit bunten Kinderbüchern. Es sind Bücher zum Lernen und zum Malen. „Kinder können sich ja nicht die ganze Zeit darauf konzentrieren, was vorne passiert“, erklärt Burghardt Gutleben die bunten Bücher. „Vielleicht gibt es demnächst auch eine extra Ecke für die Kinder.“ In der Friedenskirche geht man eben auch nach 160 Jahren noch mit der Zeit.

Gutleben kennt sich dort aus. 20 Jahre hat er als Presbyter in der Gemeinde ehrenamtlich gearbeitet. Die Mitglieder des Presbyteriums kümmern sich um organisatorische Belange der Kirchengemeinde, dazu gehört, dass sie den Haushalt aufstellen oder einen neuen Pfarrer wählen. Im Frühjahr ist Gutleben aus dem Amt geschieden, hat sich nicht erneut zur Wahl gestellt. Verbunden fühlt er sich der Kirche und Gemeinde aber nach wie vor.

Evangelischer Zuzug

Gegründet wurde die Gemeinde 1848, die Friedenskirche selbst wurde aber erst im Juli 1852, also vor genau 160 Jahren, fertig gestellt. Der Bau war notwendig geworden, weil im Zuge der Industrialisierung viele protestantische Arbeiter aus Preußen ins eigentlich katholische Sterkrade gezogen waren, wo es damals noch keine evangelische Kirche gab. Zwar hatte Holten schon länger eine protestantische Kirche, in einer Zeit ohne Autos, gute Straßen oder öffentliche Verkehrsmittel war der Weg dorthin aber beschwerlich.

„Da war keine bürgerliche, reiche Kaufmannschaft dahinter“, erklärt Gutleben die Probleme beim Kirchenbau. Die meisten Mitglieder der Gemeinde waren Arbeiter, weshalb es ein wenig brauchte, bis die für den Bau der Kirche nötigen 10. 000 Taler beisammen waren. Großen Anteil daran hatte Wilhelm Lueg, damaliger Geschäftsführender Direktor bei der GHH.

Entstanden ist ein schlichtes Kirchengebäude, mit klaren Formen. Gutleben: „Katholische Kirchen waren damals sicher etwas gewaltiger. Das hier ist vor allem ein zweckorientiertes Gebäude.“

Wie eine Industriehalle

Saalkirche nennt man diese Art von Gotteshäusern, weil sie im Gegensatz zu vielen anderen Kirchengebäuden nicht über eine große Kuppel verfügen und die einfache rechteckige Form eines Saals haben. Ein simpler aber stabiler Querbalken hält die Dachkonstruktion der Friedenskirche und erinnert an den Aufbau alter Industriehallen.

Seit Ende der 1990er Jahre steht die Fassade des Gebäudes unter Denkmalschutz. Die Innenräume dürfen aber weiterhin renoviert werden.

Zuletzt war das 2002 der Fall, als Teile der Kirche anlässlich ihres 150. Geburtstags hergerichtet worden waren. Wandfarbe und Beleuchtung wurden erneuert, außerdem Altar, Taufbecken und Kanzel ausgetauscht. Auch die vorderen Sitzreihen wurden entfernt. „Es kommen weniger Menschen in den Gottesdienst und außerdem haben Chöre und Orchester , die bei uns auftreten, jetzt mehr Platz“, erklärt Gutleben.

Die sinkende Nachfrage nach Gottesdiensten war auch der Grund dafür, dass die evangelische Gemeinde in Sterkrade vor zwei Jahren mit der Gemeinde in Holten fusionierte – nach über 150 Jahren Trennung. Sorgen muss man sich über den Bezirk von Pfarrer Thomas Fidelak aber nicht machen: Als einziger der fünf Bezirke der Kirchengemeinde Holten-Sterkrade hatte die Friedenskirche im Frühjahr mehr Bewerber für das ehrenamtliche Presbyterium als Plätze.

Auch sonst herrscht viel Betrieb. Rund um die Kirche sind mit der Zeit ein Friedhof, das Pfarrhaus, ein Kindergarten, ein Gemeindeamt und ein großes Gemeindehaus entstanden. Dort finden Hochzeiten, Karnevalssitzungen, aber auch private Feiern statt. „Im Gemeindehaus ist immer was los“, meint Gutleben nicht ohne Stolz. Man geht eben mit der Zeit.

Felix Laurenz

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