Anwohner in Oberhausen zählen 39 Lastwagen in 30 Minuten

Jörg Lutz, Andreas Nottebohm und Helga Mondrowski (v.l.) kämpften bereits im Jahr 2012 gegen den Verkehrslärm.foto:Ulla Emig
Jörg Lutz, Andreas Nottebohm und Helga Mondrowski (v.l.) kämpften bereits im Jahr 2012 gegen den Verkehrslärm.foto:Ulla Emig
Foto: Ulla Emig WAZFOTOPOOL
Was wir bereits wissen
Seit 2009 kämpfen Anwohner der Kirchhellener Straße in Oberhausen gegen Lärm. Die Stadt weist ihre Forderung nach Tempo 30 erneut zurück – mit einer Ausnahme

Oberhausen.. Vom Fenster in Helga Mondrowskis Küche sieht man direkt auf die Straße. Es ist kurz nach 9 Uhr im beschaulichen Ortsteil Königshardt, die Sonne scheint – doch idyllisch geht es vor dem Küchenfenster nicht zu: Nahezu im Minutentakt fahren schwere Lastwagen von rechts nach links und von links nach rechts vorbei. Helga Mondrowski lebt an der Kirchhellener Straße – sie kämpft mit ihren Nachbarn seit sechs Jahren unerbittlich für ein bisschen Ruhe in ihrem Alltag.

„Werktags sind es die Schwertransporter, manchmal 39 in einer halben Stunde, vereinzelt sogar ab 4 Uhr morgens“, sagt Mondrowski. „Am Wochenende kommen dann die Motorradfahrer“, die den Bikertreff am Erholungsgebiet Grafenmühle anfahren. Sicher, ihr Haus stehe an einer viel befahrenen Landesstraße. „Der Verkehr hat aber immer mehr zugenommen. Ruhe haben wir mittlerweile gar nicht mehr.“

Stadt sieht Lärmberechnung anders

Die Stadt sieht das anders: Laut jüngsten Lärmberechnungen ist es an der Hauptstraße nicht lauter als laut EU-Vorgaben erlaubt. „Das sind Durchschnittswerte, die der eigentlichen Belastung nicht gerecht werden“, kritisiert Mondrows­ki. Die Königshardter fordern, dass an der oberen Kirchhellener Straße Tempo 30 und ein Lkw-Verbot eingeführt werden.

Beides hat die Stadt jüngst erneut zurückgewiesen. Die Kirchhellener Straße ist eine Landesstraße, betont Planungsdezernentin Sabine Lauxen. „Wir haben dem Land ein Tempolimit vorgeschlagen, das ist aber nicht angenommen worden.“ Sie verteidigt die Lärmberechnungen: „Wir richten uns nach Richtlinien, die für alle NRW-Städte gelten.“ An der Kirchhellener Straße sei es demnach nicht zu laut – einen Grund fürs Tempolimit gebe es nicht.

Ausnahmen für Altenheime

Ausnahmen können für besonders sensible Einrichtungen wie Altenheime gemacht werden. An der Kirchhellener Straße gibt es das Seniorenheim Haus Gottesdank. „Dort wollen wir noch in den Ferien Tempo 30 einrichten“, sagt Lauxen zu. Und immerhin: An der oberen Kirchhellener Straße werden zeitgleich gelbe Verkehrschilder aufgestellt. Sie sollen bei Brummifahrer und Biker für Rücksichtnahme werben. Auch will die Stadt an den NRW-Verkehrsminister schreiben: „Wir fragen ihn, welche Wege er zur Lösung der Situation an der Kirchhellener Straße sieht.“

Die Initiative um Helga Mondrowski will weiter für Tempo 30 und ein Lkw-Verbot kämpfen: „Die Stadt ist verpflichtet, ihren Bürgern ein angenehmes Wohnen zu ermöglichen. Dafür werden wir uns weiter einsetzen.“