Anwohner in Oberhausen laufen Sturm gegen neuen Netto-Markt

Der Discounter Netto will von der rechten Straßenseite auf die linke umziehen.
Der Discounter Netto will von der rechten Straßenseite auf die linke umziehen.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Auf einer privaten Grünfläche in Oberhausen-Osterfeld will eine Investorin einen neuen Discounter bauen. Bürger und Politiker diskutieren heftig.

Oberhausen.. Um den Bau eines neuen Lebensmittel-Discounters auf einer privaten Grünfläche ist ein handfester Streit in Osterfeld entbrannt.

Verärgerte Bürger sammeln Hunderte Unterschriften gegen den Neubau für den Lebensmitteldiscounter Netto. Lokalpolitiker kündigen an, Widerspruch gegen das komplette Planungsverfahren einzulegen. Die Stadt muss Fehler bei der Information ihrer Bürger eingestehen und zieht nun Experten hinzu, die die Gemengelage genauer unter die Lupe nehmen sollen. Abseits dessen sorgen sich die ersten Osterfelder, dass Netto ganz aus dem Ortsteil verschwindet, wenn der Neubau verhindert wird.

Vom Balkon auf die Wand geschaut

Die Stimmung ist kämpferisch an diesem Abend im Haus Koopmann. Mehrere Dutzend Bürger sitzen beim ersten Treffen der Bürgerinitiative „Schönes Osterfeld Heide“ zusammen, um ihren Widerwillen loszuwerden. Eingeladen hat Silvia Prochnau und wer die Osterfelderin zu Hause besucht, bekommt ein Gefühl für ihren Ärger: Direkt hinter dem Garten des Wohnhauses, das Prochnaus Eltern vor 49 Jahren bezogen haben, liegt jene Grünfläche, in dem eine private Investorin für Netto bauen will. Vom Balkon aus würde man auf eine 5,50 Meter hohe Lärmschutzwand schauen.

„Wir brauchen diesen Markt direkt in unserem Wohngebiet nicht“, sagt Prochnau. An diesem Abend kritisieren viele, dass eine Grünfläche im Viertel wegfalle, mit dem Markt viel Lärm und Dreck einhergehe. „Wie kann man mitten in einer Wohnbebauung so etwas planen?“, fragt ein Osterfelder.

Planungsdezernentin: "Verfahren nicht anfechtbar"

Lokalpolitiker sind auch unter den Gästen. Wolfgang Große Brömer (SPD) zeigt sich verständnisvoll: „Ich halte privat so eine Sache für nicht zumutbar“, sagt er. Es müsse versucht werden, alle Interessen unter einen Hut zu bekommen. Karl-Heinz Mellis (BOB) wettert gegen die Verwaltung, die Verfahrensfehler begangen habe. Er geht ins Detail: Der Rat habe im Mai gar nicht über den fraglichen Bebauungsplan (680A) entschieden, sondern nur über die Teilung des Plans 680 in A und B. Es fehlte ein Umweltbericht, Bürger seien nicht richtig informiert worden.

Planungsdezernentin Sabine Lauxen weist die Vorwürfe zurück. Der Rat habe sehr wohl über die Aufstellung des Plans 680 entschieden – im Jahr 2012. „Der Aufstellungsbeschluss gilt für A und B“, sagt Lauxen. Geteilt wurde der Plan nachträglich wegen der unterschiedlichen Bestimmungen: „In Teil B geht es nur um eine Veränderungssperre für Spielstätten.“ Teil A ist komplizierter: Für den Netto-Neubau werden Bürger und ihre Einwände gehört. Fehlende Gutachten seien da noch nicht notwendig: „Die brauchen wir, wenn der Bebauungsplan offen gelegt wird.“ Auch sei das Verfahren nicht anfechtbar, nur weil einige Bürger über den ersten städtischen Infoabend nicht mit Flugblättern informiert wurden. „Wir haben einen Straßenzug vergessen, ja, aber es waren viele Bürger da.“