Nicht ohne meine Brille

Ohne Brille wird bei den diesjährigen Internationalen Kurzfilmtagen in Oberhausen nichts gehen. „Das dritte Bild – 3D-Kino als Experiment“ heißt der mit Spannung erwartete Themenschwerpunkt der 61. Ausgabe des Filmfestivals, das vom 30. April bis zum 5. Mai wieder Filmemacher aus der ganzen Welt in unsere Stadt spülen wird. Rund 50 Filme aus den Jahren 2008 bis heute stehen auf dem Programm, die Bilder zeigen werden, „die noch niemand gesehen hat“, wie Kurator Björn Speidel verspricht. Auf in neue Kinowelten.

Fernab vom „Popcorn-Kino“

Gezeigt werden fünf Programme, ausgewählt und präsentiert von dem Berliner Filmemacher Björn Speidel, einem international anerkannten Experten für künstlerische Mediengestaltung. Eins seiner Ziele sei es, mit dem Programm dazu beizutragen, dass die künstlerischen Möglichkeiten des 3D-Kinos „in der Wahrnehmung präsenter werden“. Fern ab vom „Popcornkino“ will er die Zuschauer mit beeindruckenden Experimenten überraschen, „die diese sonst nicht zu sehen bekommen“. Eine Einladung, die Themen-Programme zu besuchen, die, wie bei den Kurzfilmtagen üblich, nicht nur das Fachpublikum, sondern alle sehen können. Er wünscht sich auch den „Otto-Normal-Kinogänger“ im Saal.

Dabei gilt: Nicht ohne Brille. Und davon kommen viele verschiedene zum Einsatz, wie er erklärt. Da gibt es die 3D-Brille, die wir aus früheren Zeiten kennen: ein Auge schaut durch ein rotes, das andere durch ein grünes „Glas“. Oder die Pulfrich-Brille, bei der nur ein Auge abgedunkelt wird.

Speidel verspricht ein völlig neues Seherlebnis. So wie der Ton oder die Farbe als Stilmittel eingesetzt wird, so spielen diese 3D-Filme mit dem Raum. Es werden Bilder sein, „von denen wird es nie 2D-Bilder geben“, sagt der Kurator, der die Macher der Kurzfilmtage mit seinem Konzept auf Anhieb überzeugte, wie Sprecherin Sabine Niewalda sagte.

Der Erfolg von „Avatar – Aufbruch nach Pandora“, einem Science Fiction-Film des kanadischen Regisseurs James Cameron, gedreht mit neuen digitalen 3D-Kameras, habe viele künstlerische Filmemacher ermutigt, Neues zu wagen. „Sie nutzen die technischen Möglichkeiten, um den Raumeindruck zu steuern, vom konventionellen Erzählfilm bis hin zur Performance. Es gibt spannende Arbeiten, die sich mit der Architektur des Raumes befassen oder sogar etwas sichtbar machen, was man mit dem bloßen Auge nicht erfassen kann. Dann bildet die Kamera nicht mehr nur ab, sondern kreiert eine eigene Welt“, so Speidel.

Dass die Latte nach „Film ohne Film“, dem Themenprogramm der Kurzfilmtage von 2014, das stets ausverkauft war, recht hoch liegt, spornt ihn nur an. Björn Speidel möchte mit den Filmen auch eine Debatte über die Möglichkeiten, die die 3D-Technik für den Film jenseits des Mainstreams bieten, anstoßen.