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Neunjähriger sollte aus dem Unterricht ins Heim gebracht werden

13.01.2010 | 15:00 Uhr

Oberhausen. Ein Neunjähriger sollte während des Schulbetriebs von einer Sozialarbeiterin der Diakonie Mülheim sowie einem Vormund und Vertreter des Duisburger Jugendamtes abgeholt und in ein Heim gebracht werden. Klassenkameraden und Lehrer stellten sich hinter ihn.

Christel Ostermann ist immer noch fassungslos, wenn sie an den vergangenen Freitag denkt. „Ich bin nun seit 35 Jahren im Dienst”, erklärte die Leiterin der Brüder-Grimm-Schule im NRZ-Gespräch, „aber so etwas habe ich noch nie erlebt.” Was noch schlimmer wiegt: Leider dürfte auch der fast zehnjährige Max K. (Name geändert) diesen Tag in seinem Leben nie wieder vergessen.

Max sollte aus dem Unterricht geholt werden

Was war passiert? Während des laufenden Schulbetriebes sollte Max K. von einer Sozialarbeiterin der Diakonie Mülheim sowie einem Vormund und Vertreter des Duisburger Jugendamtes abgeholt und in ein Heim gebracht werden. „Mit Gewalt”, wie Pflegemutter Sieglinde L. gegenüber dieser Zeitung erklärte.

Die Schule aber habe sich geweigert, das Kind herauszugeben, obwohl die Sozialarbeiterin und der Vormund drei Stunden lang alles versucht hätten. „Lehrer und Klassenkameraden standen voll hinter Max.”

Die Wahrnehmung einer verzweifelten Mutter

Letzteres kann Christel Ostermann bestätigen. Was die Gewalt betrifft, so handelt es sich aber offenbar um die Wahrnehmung einer verzweifelten Pflegemutter, die das Kind seit Januar 2007 betreut. „Ich habe dem Vormund gesagt, dass Max niemals freiwillig mitgehen werde”, erzählt Frau Ostermann, „und ihn dann gefragt, was denn in diesem Falle passieren würde.” Antwort: „Wir werden ihn nicht anrühren.”

Die Pädagogin weist darauf hin, dass ein gerichtlicher Beschluss vorlag, rechtlich also alles in Ordnung gewesen sei. Das Schlagwort, mit dem alles begründet würde, habe auch diesmal „Kindeswohlgefährdung” gelautet. Weder sie selbst noch die Klassenlehrerin von Max oder die Schulsozialarbeiterin könnten dies auch nur im Ansatz nachvollziehen.

Schulleiterin: "Die Schule gibt ihm Stabilität"

„Max ist vorbildlich ernährt, immer sauber, hat gute Freunde und ist ein sehr guter Schüler”, so das Loblied der Schulleiterin. Er sei ausgezeichnet integriert und käme gerne in den Unterricht. Die Schule gebe ihm Stabilität. „Ich sehe nicht den geringsten Ansatz, auch nur darüber nachzudenken, ihn in ein Heim zu geben. Seine Pflegemutter ist bei Fragen immer für uns ansprechbar.” Ihre Sicht der Dinge habe sie bereits dem zuständigen Duisburger Dezernenten schriftlich zugestellt, so Frau Ostermann.

Auf Anfrage, ob es die übliche Vorgehensweise sei, Kinder direkt aus dem Unterricht ins Heim zu überführen, reagierte Duisburgs Pressesprecherin Anja Huntgeburth: „Nein, das ist nicht normal. Nur, wenn die anderen Personen nicht kooperativ sind, machen wir das.” Ansonsten bliebe nur noch der Weg, die Polizei einzuschalten, so Frau Huntgeburth. „Es gibt ein Gerichtsurteil, danach sind wir verpflichtet zu handeln, das können wir nicht ignorieren.”

Das Urteil sieht ein "suboptimales Umfeld"

Aus dem Urteil, das der NRZ vorliegt, ist abzuleiten, dass die Pflegemutter wohl für überfordert gehalten wird. Auch habe sie sich in Widersprüche verwickelt. So habe sie im September 2009 erklärt, sie könne Max nicht mehr länger betreuen, diese Aussage aber bald widerrufen. Außerdem ist von einem „suboptimalen Umfeld” die Rede.

Die fast 60-Jährige vermutet, dass man ihr den Jungen auch aufgrund ihres Alters wegnehmen wolle. „Aber die acht Jahre bis zu seiner Volljährigkeit setze ich noch drauf.” Der Junge selbst befände sich in einem fast traumatisierten Zustand. „Seit er weiß, dass er weg soll, lebt er wie mit einer Zeitbombe.”

Max sei ein Kind, das nicht für ein Heim bestimmt sei. „Es handelt sich um ein ruhiges, intelligentes Kind, das viel Fürsorge braucht.”

Hannes Fritsche

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Kommentare
20.04.2010
07:17
Neunjähriger sollte aus dem Unterricht ins Heim gebracht werden
von FiSi | #2

Tolle Reaktion der Klassenkameraden und der Lehrer/Schulleitung.

Der Junge kann sich glücklich schätzen solche Klassenkameraden und Lehrer zu haben. Das ist leider heute nicht mehr alltag!

19.04.2010
21:28
Neunjähriger sollte aus dem Unterricht ins Heim gebracht werden
von MarvinK | #1

Richtig so, währe es mein Klassenkamerade, hätte ich das gleiche getan.

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