Neues Team kümmert sich um Flüchtlingsarbeit in Oberhausen

Enesa Hrustic (rechts) lebt mit ihrem Mann und den sechs Kindern in der Notunterkunft in der ehemaligen Tackenbergschule. Die Malbücher sollen die Kinder bald mit in die eigene Wohnung nehmen können.
Enesa Hrustic (rechts) lebt mit ihrem Mann und den sechs Kindern in der Notunterkunft in der ehemaligen Tackenbergschule. Die Malbücher sollen die Kinder bald mit in die eigene Wohnung nehmen können.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
In Oberhausen gibt es das neue „Team Sozialarbeit“, das sich um rund 1200 Flüchtlinge kümmert. Proteste am Notstandort Tackenberg scheinen verpufft.

Oberhausen.. Kinder fahren auf Skateboards durch die Sonne. Ein kleiner Steppke hält sich mit der einen Hand an Mamas Rockzipfel fest, in der anderen versteckt er seine Wasserpistole. Das Grinsen verrät, dass seinen Freunden eine Dusche bevorsteht. Von den Sorgen und Ängsten, die die Eltern der Kinder umtreiben, ist in diesem Moment nichts zu spüren. Heute genießen die Bewohner der Flüchtlings-Notunterkunft in der ehemaligen Tackenbergschule das schöne Wetter.

48 Menschen leben derzeit in dem Gebäude an der Dinnendahlstraße. Um ihr Wohlergehen kümmert sich seit März das neue „Team Sozialarbeit“ der Stadt. Es ist mit 5,5 Stellen besetzt. Die Fachkräfte betreuen die insgesamt 1201 Flüchtlinge, die momentan in Oberhausen leben – sowohl in den Gemeinschaftsunterkünften als auch in den vom Sozialamt angemieteten Wohnungen.

Protest scheint verpufft

Auch um Familie Hrustic aus Bosnien sorgen sich die Sozialarbeiterinnen. Seit zwei Monaten leben Enesa Hrustic, ihr Mann und die sechs gemeinsamen Kinder in einem ehemaligen Klassenraum auf dem Tackenberg. Doppel- und Einzelbetten stehen in dem Zimmer, dazu ein kleiner Kühlschrank, ein noch viel kleinerer Fernseher und ein paar Metallspinde. Besondere Aufmerksamkeit benötigt derzeit Mutter Enesa: Sie ist schwanger, muss regelmäßig zum Arzt.

„Wir begleiten die Bewohner oft zu Ärzten oder Behörden“, sagt Petra Steinkamp, Koordinatorin des neuen Teams. Die sprachlichen Hürden seien bei den meisten Bewohnern noch zu groß, um alleine zurechtzukommen. Ziel sei es aber generell, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten, den Flüchtlingen also den Start in ein neues, eigenständiges Leben zu erleichtern.

Wie beim Gang zum Sozialamt: Den bestreiten die Familien nämlich oft ganz allein. Sie fahren mit dem Bus, fragen Oberhausener nach dem Weg, entdecken mit Straßenkarten die Stadt. „So soll es sein“, sagt Sozialdezernentin Elke Münich, die einen erleichterten Eindruck macht. Sie hat die Kritik der Anwohner noch gut im Ohr, die sich gegen die Notunterbringung von Flüchtlingen in der ehemaligen Grundschule gewehrt hatten. Doch der Protest scheint verpufft.

„Es hat sich bislang kein einziger Nachbar bei uns beschwert“, sagt Team-Sozialarbeiterin Antje Scholten. Ganz im Gegenteil: „Anwohner fragen, wie sie helfen können oder ob wir eventuell ein gemeinsames Sommerfest organisieren wollen.“ Andere Anwohner bieten Planschbecken, Kleidung und Spielzeug an.

Große Herausforderungen

Es könnte also nicht besser laufen? Doch. „Natürlich gibt es immer auch Schwierigkeiten“, sagt Andreas Beulshausen vom Bereich Soziale Angelegenheiten. Die Gesamtsituation stelle die Stadt grundsätzlich vor große Herausforderungen. Die ehemalige Tackenbergschule sei eine Notunterkunft. Ziel sei es, dass die Menschen schnell umziehen. In ein Gemeinschaftsquartier oder eine Wohnung. „Die Logistik dahinter ist immens groß“, sagt Beulshausen.

„Man kann sich das oft gar nicht vorstellen“, pflichtet ihm Sozialarbeiterin Sandra Claßen bei. „Wenn wir Werkzeug brauchen, gehen wir mal eben in den Keller und holen einen Hammer.“ Für uns eine Selbstverständlichkeit, für Flüchtlinge, die all ihr Hab und Gut zu Hause zurücklassen mussten, dagegen unmöglich. Auch im Alltag lauern Hürden: Anschluss ans Stromnetz, Behördengänge, Mülltrennung, und und und.

Das werde immer besonders deutlich, wenn man Flüchtlinge in privaten Wohnungen unterbringt, was auch in Oberhausen vorrangiges Ziel ist. „Unsere Aufgabe ist es, auch danach eine engmaschige Nachsorge zu gewährleisten“, sagt Beulshausen. Damit es keine Probleme mit anderen Mietern gibt zum Beispiel – und die Kinder in Zukunft mit den Skateboards durch die Nachbarschaft düsen können und nicht über den Schulhof einer Notunterkunft.