Neues Sparpaket in Oberhausen bringt höhere Steuern und weniger Service
08.03.2011 | 18:43 Uhr 2011-03-08T18:43:00+0100
Oberhausen. Auf die Oberhausener kommt mit dem neuen Sparpaket einiges zu: Deutlich höhere städtische Steuern - und große Einschnitte bei den Dienstleistungen. Wir zeigen im Detail, wo sich die Bürger aufs Sparen einstellen müssen.
Das neue Sparpaket liegt auf den Tisch: In den nächsten fünf Jahren drohen den Oberhausener Hauseigentümern, Mietern und Unternehmern deutlich höhere städtische Steuern und starke Einschnitte bei den Dienstleistungen der Stadt.
Die Grund- und die Gewerbesteuern sollen nochmals angehoben werden – über das heutige NRW-Rekordniveau dieser Stadt hinaus. Autofahrer und Gewerbebetriebe sollen schärfer kontrolliert werden als bisher, um die städtischen Einnahmen etwa durch Falschparker zu erhöhen. Vier Schulen will die Stadt angesichts sinkender Kinderzahlen schließen. Die Bezirksverwaltungsstellen in Alt-Oberhausen und Osterfeld sollen aufgegeben, die Büsche und Rasenflächen an den Straßen sollen weniger gepflegt, die städtische Luise-Albertz-Halle soll verkauft werden.
Schmerzhafte Einschnitte
Das sehen die Kernpunkte des neuen Sparpakets der Stadtspitze vor, das der noch bis Sommer amtierende Kämmerer Bernhard Elsemann (SPD) in diesen Tagen mit seinen Kollegen geschnürt hat. „Unsere Sparmaßnahmen werden die Bürger spüren “, hatte Elsemann bereits im Januar die Bevölkerung auf schmerzhafte Einschnitte eingestimmt – nun wird es konkret. Auch im Rathaus soll Personal abgebaut und sollen Sachkosten gespart werden. Dabei wurden auch Kleinsummen nicht ausgelassen.
Die bisher 56 Sparpunkte, die der WAZ vorliegen, sind aber nur Vorschläge der Verwaltung an die Politik, die nun bis zum Sommer in den politischen Führungen auf ihre Realisier- und Durchsetzbarkeit in der Bevölkerung diskutiert werden sollen. Bis zum heutigen Tag waren die Handlungsempfehlungen nur wenigen Eingeweihten bekannt.
Stadt muss Anstregungen nachweisen
Zuletzt hatte sich die Stadt 2008 eine umfangreiche Konsolidierung mit jährlichen Einsparungen von 60 Millionen Euro verordnet. Das Jahresdefizit beträgt aber immer noch 140 Millionen Euro. Es soll nun durch die vom Land und vom Bund geplanten neuen Hilfen, also höhere Zuschüsse aus Steuereinnahmen und die Übernahme von Sozialkosten, reduziert werden.
Dafür muss Oberhausen aber auch nachweisen, dass es sich selbst genug angestrengt hat, eigene Verluste zu minimieren. Das neue Sparbündel dient als ein Beitrag dazu – das jetzt bezifferbare Sparvolumen beläuft sich addiert über fünf Jahre hinweg bis 2015 auf über 34 Millionen Euro. Hier die Einschnitte im Einzelnen:
GRUNDSTEUER: Die bereits Anfang 2010 von 505 auf 530 Punkte angehobene Grundsteuer trifft über die Hauseigentümer auch alle Mieter, also alle Bürger der Stadt. Sie soll 2012 auf 590 Punkte erhöht werden – ein Anstieg von 11,3 Prozent. 2015 soll sie nochmals auf dann 610 Punkte klettern – ein weiteres Plus von 3,4 Prozent. Der Kämmerer rechnet mit Mehreinnahmen von 5 Millionen Euro. Pro Einwohner macht die Zusatzbelastung rechnerisch im Schnitt 23 Euro im Jahr aus.
GEWERBESTEUER: Mit einem Hebesatz von 490 Punkten liegt Oberhausen schon heute bei der Gewerbesteuer zusammen mit Bottrop an der Spitze in NRW. Ab 2015 soll dieser Satz auf 510 Punkte angehoben werden – ein Plus von 4 Prozent. 3,2 Millionen Euro im Jahr mehr soll diese Erhöhung in die Stadtkasse spülen.
SEXSTEUER: Von 2012 bis 2014 soll die Vergnügungssteuer schrittweise um jährlich 1 Prozent erhöht werden. Sie wird erhoben auf Geldspielautomaten, Prostitution, Striptease- und Tanzveranstaltungen - und soll 700 000 Euro mehr einbringen.
HUNDESTEUER: Die Anfang 2009 von 120 auf 156 Euro angehobene Hundesteuer soll nach den damaligen Protesten der Hundebesitzer nicht weiter erhöht werden. Dafür sollen durch die neu eingesetzten Hundekontrolleure, die bis Sommer an jeder Haustür schellen wollen, möglichst viele schwarz gehaltene Hunde entdeckt werden. Die Stadt rechnet mit 20 Prozent mehr Einnahmen durch neu gemeldete Hunde – ein Plus von 270 000 Euro.
BETTENSTEUER: Eine Steuer für Touristen, eine Art Kurtaxe, soll nicht erhoben werden.
SOZIALES: Durch die sinkende Zahl an Kindern sieht die Stadt auch Sparpotenzial bei der Schulbegleitung (ab 2015 minus 40 000 Euro), bei der Amtsvormundschaft (ab 2012: 28 000 Euro), bei Klassenfahrten (2000 Euro jährlich), bei der Erstausstattung von Wohnungen (6000 Euro jährlich), bei den Unterkunftskosten (30 000 Euro) und bei der Erstausstattung von armen Schwangeren (2000 Euro).
BÜRGERSERVICE: Zwei von drei Bezirksverwaltungsstellen sollen aufgegeben werden – nur in Sterkrade soll die Servicestelle für Meldeangelegenheiten (Wohnung, Ausweis), Behinderte, Eltern und Wohngeld erhalten bleiben. Die Sprechstunden in den Außenstellen Alte Heid, Alstaden, Rothebusch, Tackenberg und Schmachtendorf werden nicht mehr angeboten. Hausbesuche werden nicht mehr durchgeführt.
Trotz der Eröffnung des renovierten Bert-Brecht-Hauses mit seiner modernen Volkshochschule soll die VHS 400 000 Euro im Jahr sparen.
KINDER: Bei Schulen und Kindergärten sieht die Stadtspitze Sparmöglichkeiten, weil immer weniger Kinder geboren werden. So sollen drei Grundschulen und eine Hauptschule schließen – damit soll 1,45 Million Euro jährlich gespart werden. Auch beim Kita-Neubau (einmalig 2,2 Millionen), der Spielplatzsanierung (statt drei nur noch zwei Maßnahmen ab 2015, minus 83 000 Euro jährlich), beim Spieleangebot der Ruhrwerkstatt (ab 2012 minus 30 000 Euro) und bei der Frühförderung von Kindern (minus 42 000 Euro) will man kürzen.
SPORTPLÄTZE: Geprüft werden soll, ob zwei bis drei weitere Standorte geschlossen werden können.
THEATER: Das bundesweit mit Ehrungen ausgezeichnete Theater Oberhausen soll auf keinen Fall geschlossen werden. Intendant Peter Carp bemüht sich um eine sparsame Bühnenkooperation mit Duisburg, Moers und Mülheim. Allerdings sollen sich die Preise für die Premierentickets in Oberhausen „moderat erhöhen“.
STRASSENGRÜN: Einen drastischen Einschnitt bei der Pflege des Straßengrüns sieht der Sparplan vor: Der Unterhaltsaufwand soll von 2,2 Millionen Euro um 700 000 Euro, also um fast ein Drittel, gekappt werden.
STADTKANZLEI: Das Büro des Rates und das Oberbürgermeister-Büro sollen zu einer Stadtkanzlei, wie die Staatskanzlei als Schaltzentrale einer Landesregierung, zusammengelegt werden – drei Stellen will man so sparen (minus 150 000 Euro).
FÖRDERGELDER: Man hofft wieder, mehr Fördergelder von EU, Bund und Land herbeischaffen zu können, weil man den dafür benötigten städtischen Eigenanteil durch anstehende Gesetzesänderungen in NRW künftig wieder leichter darstellen kann.
DIE LUISE-ALBERTZ-HALLE: Die LAH soll anders vermarktet oder komplett an einen anderen Betreiber verkauft werden.
FRIEDHÖFE: Nicht benötigte Flächen sollen aufgegeben und verkauft werden.
FEUERWEHR: Die Feuerwehr soll ihre Einsatzwagen länger nutzen als derzeit, zudem soll mit anderen Feuerwehren der Region eine Einkaufsgenossenschaft gegründet werden, um billiger benötigte Ausstattung einkaufen zu können. Krankentransporte sollen schneller abgerechnet werden, um offene Posten zu vermeiden. Derzeit gibt es hier einen Rückstand von einer Million Euro.
KONTROLLEN: Der fließende, aber auch der ruhende Verkehr soll intensiver kontrolliert werden – natürlich „zur Erhöhung der Verkehrssicherheit“. Nebeneffekt: Einnahmeerhöhung durch mehr Knöllchen. Auch Kontrollen im Lebensmittelbereich und im gewerblichen Sektor werden verstärkt.
STADTTÖCHTER: Einen entscheidenden, noch nicht bezifferten Beitrag zur Konsolidierung der Stadtfinanzen sollen die Stadttöchter liefern. So soll die Energieversorgung Oberhausen (EVO) einen höheren Gewinn an die Stadt als derzeit mit rund 6 Millionen Euro abführen. Zugleich aber überlegt Oberhausen, die Konzessionsabgabe für EVO zu erhöhen (derzeit 10 Millionen Euro pro Jahr). Die Notwendigkeit, den vierten Kessels der Müllverbrennungsanlage zu erneuern, wird überprüft. Beim Gebäudemanagement OGM sollen Sparten gewinnbringend privatisiert oder rekommunalisiert werden, etwa der Hausmeister-Service.
BETEILIGUNGEN: Die Stadt will trotz ihrer Finanznot weder ihre Aktienanteile an den Energiekonzern RWE AG noch an der Müllverbrennungsanlage GMVA verkaufen.

18:07
Ich weiß ehrlich gesagt nicht was diese Einsparpunkte bewirken sollen. Für mich fehlt da der Rote Faden, ein Konzept wo die Frage steht, was möchte ich als Stadt für unsere Bürger erreichen, erhalten und oder ausbauen oder abschaffen oder umbauen. Ansonsten sind alle angesprochene Punkte für mich nicht nachvollziehbar.Die Stadt spart und wird für Bürger und Wirtschaft so uninteressant. Sie werden sich anderswohin orientieren. Und was hat die Stadt dann!!!!!??????
15:14
Da stellt sich mir die Frage: wo das Geld für die Kunstrasenfußballplätze herkommt. Millionen werden dahinein gepulvert. Was ist wenn RWO absteigt und die Einnahmen fehlen um die Schulden zu tilgen. Die Stadt (OGM) übernimmt die Bürgschaft ? Das kann auch nur funktionieren, weil unser OB im entsprechenden Gremium sitzt.
Ein Frechheit, was auf den Schultern der Bürger ausgetragen wird !!! Und wie ungerecht die Gelder verteilt werden !!!
15:38
Sparen ist immer schmerzhaft!
Und wer solls den bezahlen?
Also der Bürger, der sein Leben lang Steuern zahlt und nicht wie die Made im Speck lebt!
Das ist nun mal so und wer sein Feld ordentlich bestellt hat, kann auch gut leben.
Die Maden am oberen und unteren Rand unserer Gesellschaft wird man in keinem Land der Welt wegbekommen.
Also nicht rumjammern und zahlen!
11:57
eine Frage an die Redaktion, gibt es bei der Umfrage vielleicht nachträglich noch ein paar Ideen, wo der Bürger nicht letzten Endes die Zeche zahlt.
07:50
Vielleicht sollten wir dazu übergehen, den Solidaritätsbeitrag Ost in einen kommmunalen Entschuldungsfond West umzuwandeln und mit diesen MehrBeträgen den gefährdeten, überschuldeten Kommunen helfen.
Liebe Vorkommentatoren/innen: Oberhausen steht schließlich nicht allein im Schuldensumpf!
Die Städte in den neuen Bundesländern sind durchweg saniert. Jetzt geht es darum vor der eigenen Haustür Klar Schiff zu machen!
Immer nur auf die Politik zu schimpfen bringt hier nix. Konstruktive und kreative Lösungsansätze sind gefragt.
17:42
Aus Oberhausen kann man nur noch wegziehen. Es ist nicht lebenswert. Leider. Hier kann man auch nicht sparen.
15:29
Aber Hauptsache die JVA wird schön umgebaut.....
Obwohl kein Mensch weiß, ob überhaupt eine Therapieeinrichtung für Schwerstverbrecher nach ThUG benötigt wird. Da geht es hin das schöne Geld!
Für nix und wieder nix!!!
14:37
tja
und solange die landesregierung und die bundesregierung immér mehr aufgaben an die städte weiterreichtohne das die städte dafür auch nur 1cent sehen wird sich das ganze noch weiter verschärfen.
und wenn einige meinen wenn der verwaltungskopf abgeschafft würde das es besser würdetschuldigng der träumt aber fleißig.
in den verwaltungen selber wird ja schon seit jahren personal eingespart bzw frei werdene stellen kaum wiederbesetzt.
und einige meinen ja auch sie könnten es besser.
nur komisch das diese leutchen sich dann nicht um die wichtigsten posten bewerben.
und kommt mir nicht mit dem thema postenschieberei.
die gibts auch in der privatwirtschaft.
nur leider ist es ja so das sich manche parteien unbedingt ein sahnehäubchen bauenin duisburg zum beispiel die spd mit der u-bahn
heute schreit aber gerade die spd das die unterhaltungskosten der ubahn steigen hoch fünf.
oder mit den stadtteilschwimmbäder.
in duisburg hat fast jeder stadtteil von der spd ein schwimmbad bekommen.
heute schreit die spd das wenn die jetzige cdu führung bäder aus kostengründen aufgibt bzw ganz schließt.
dabei haben schon damals beim bau der bäder bzw der ubahn kritiker gewarnt.
14:20
Die heilige Kuh Stadttheater bleibt natürlich wieder ungeschlachtet.
Wann wird dieser völlig unnütze Zuschussbetrieb endlich dicht gemacht?
Oberhausen liegt mittlerweile im Städteranking hinter ostdeutschen Städten.
Städte, die sich über den darlehensfinanzierten Solidarpakt Ost saniert haben.
Ein hohes Einsparpotential bieten auch die Personalkosten bei Rat und Verwaltung.
Abschaffung von hochbezahlten Repräsentationspöstchen bei Stadt, EVO, Stoag und WBO wäre ein Ansatz.
14:16
Sparen verschärft die Probleme nur.
So wie Griechenland durch Sparen noch mehr Probleme bekommt, so bekommen auch Einzelne Städte mehr Probleme.
Aber solange neoliberale Konzepte vorherrschend sind, werden wir nichts dazulernen.