Neues Bücher-Café auf der Zeche

Engagierte Bürger wollen in der seit über 20 Jahren ungenutzten Schachthalle der Zeche Sterkrade ein außergewöhnliches Haus der Literatur einrichten. Gäste sollen in dem 1903 erbauten, denkmalgeschützten Gebäude kostenfrei in rund 6000 Büchern schmökern und einen Kaffee trinken können. Ein Biergarten am Fuß des prägenden Fördergerüsts könnte zur lange gewünschten Station für zahlreiche Radler und Spaziergänger der beliebten Hoag-Trasse werden.

„In Sterkrade fehlen kulturelle Angebote“, sagt Hartmut Kowsky-Kawelke von der Initiative Literaturhaus mit knapp einem Dutzend Mitgliedern. „Kultur holt die Menschen im Stadtteil zusammen.“

Denkmalpfleger, Politiker und Kulturakteure loben den Vorstoß der Bürger. „Alles was mit Literatur und Kultur in dieser Stadt zu tun hat, ist ein Gewinn“, sagt Hans-Dietrich Kluge-Jindra, Leiter der Stadtbibliothek. Eine ähnliche, bisher nicht umgesetzte Idee war 2011 für die Zeche Alstaden entstanden.

Zentrum für Architektenwettbewerb

24 Jahren nach Stilllegung der Zeche Sterkrade erhält das 36 Hektar große Gebiet als eine der letzten Industriebrachen der Stadt immer mehr Aufmerksamkeit. Jüngst stand es im Fokus eines viel beachteten Architektenwettbewerbs: Studenten und Absolventen aus ganz NRW haben bei jüngst beendeten Schlaun-Wettbewerb 86 Ideen für das brachliegende Gelände entworfen. Für die Weiterentwicklung des Programms will die Initiative das Literaturhaus als Zentrum etablieren.

Die etwa 6000 Bücher kommen aus einer privaten Bibliothek des Oberhausener Mediziners und Ideengebers Michael Huhn. Rund 250 Regalmeter sollen sie in der seit 1991 Schachthalle füllen. Bibliothek wolle man nicht sein: „Bücher kann man nicht ausleihen, sondern lediglich bei uns lesen.“ Kooperationen mit dem lokalen Buchhandel seien geplant: „Wem ein Buch gefällt, dem bestellen wir auch ein Exemplar zum Kauf.“

Unterstützung findet das Vorhaben bei der Industriedenkmalstiftung, die Eigentümerin des Schachtgebäudes ist. „Wir wollen das Denkmal der Öffentlichkeit wieder zugänglich machen und stehen hinter der Idee eines Literaturhauses“, sagt Geschäftsführer Horst Heinrich. Seit Jahren wird nach einem Betreiber für die Schachthalle gesucht. Es gebe andere Interessenten: „Das Literaturhaus hat für uns aber Priorität.“

Ob es umgesetzt werden kann, das hängt von Fördergeldern ab. Die Initiative hofft auf Unterstützung der Montag-Stiftung. Sie finanzieren mit einer Million Euro Bürgerideen zur Entwicklung benachteiligter Städte. Im Oktober wird über die Vergabe entschieden.