Nacktbilder-Kritik stößt Debatte an

Die Kritik an Nacktbildern in der aktuellen Ausstellung von Herlinde Koelbl in der Ludwiggalerie hat unsere Leser in der vergangenen Woche besonders beschäftigt. Wie berichtet hatte sich eine Besucherin beschwert, dass in einem Raum Fotos nackter Kinder und ein Bild eines Mannes mit erigiertem Penis zu sehen sind. Das sei nicht familienfreundlich.

WAZ-Leser haben sich sowohl auf der Facebookseite unserer Redaktion als auch im Internet zu dem Thema geäußert. „Richtet die Dame ihre Beschwerden über Nacktheit auch an die Werbeindustrie, wegen der teilweise eindeutigen Aussagen, Botschaften und Darstellungen?“, fragt ein User. „Wo kommt bloß dieser Puritanismus her?“, überlegt Lars Jung auf Facebook.

Deutlich wird: Vielen geht es nicht um den Einzelfall, sondern um die Debatte als solche: Der Hintergrund für die Darstellung von Nacktheit in der Kunst sei das Ziel, den kommerziellen Erfolg zu steigern, meint ein Leser und fügt hinzu:. „Wäre die Venus von Milo ein solches Meisterwerk, wenn sie einen Badeanzug an hätte?“

An anderer Stelle wird gar verglichen: Drehe man die Kritik weiter, müssten auch Skulpturen aus der Antike verkleidet und Bilder aus der Barockzeit übermalt werden, damit die Nacktheit – also Mutter Natur – versteckt werde .

Es gibt auch Verständnis für die Besucherin: „Wegen meiner können da hundert Männer mit erigiertem Penis, roten Ohren, was auch immer da stehen. Aber Bilder von nackten Kindern gehen nicht. Kinder können einfach nicht darüber entscheiden, von wem sie sich wie ablichten (lassen) wollen/können und was das für eine Tragweite für ihr späteres Leben hat.“

In einem anderen Kommentar heißt es: „Selbstverständlich ist die Kunstfreiheit ein hohes Gut, das gegen übertriebene Moralvorstellungen verteidigt werden muss. Nur so lässt sich ein hohes Niveau bewahren. Kunst darf aber auch nicht alles, insbesondere nicht als bloßes Mäntelchen für Dinge dienen, die ansonsten verboten oder sogar strafbewehrt wären.“

Ein anderer Leser schreibt: „Ich würde empfehlen, bevor ich mit Kindern in eine Ausstellung, ins Theater oder wo auch immer hingehe, mich einmal zu informieren, wo ich da hingehe und was gezeigt wird.“

Bei Facebook hat Sebastian Becker kommentiert: „Eine staatlich geförderte Kultureinrichtung hat die Pflicht, unsere Werte von Freiheit mit aller Macht und allen ihr zur Verfügung stehenden friedlichen Mitteln zu verteidigen.“