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Nachdenklich und nahbar - Sarah Connor trifft in Oberhausen den Nerv

13.03.2016 | 17:07 Uhr
Frau mit Hut: Sarah Connor (li.) sang am Samstag in der König-Pilsener-Arena in Oberhausen nicht alleine, sondern brachte eine große Live-Band mit.Foto: Franz Naskrent

Oberhausen.  Sarah Connor hat vor 11.000 Fans in der Arena Oberhausen ihren Spaß. Auf dem Album "Muttersprache" singt sie deutsche Liedtexte - und trifft damit einen Nerv.

Gleich zu Beginn zupft sie verlegen an ihrem schwarzen Fedora-Hut. „Ich muss gestehen, ich bin aufgeregt, obwohl ich hier kaum jemanden persönlich kenne“, sagt Sarah Connor. Dass sie am Samstag mehr als 11.000 Fans in der ausverkauften König-Pilsener-Arena hören wollen, überrascht die 35-Jährige augenscheinlich. „Die Show ist für viel kleinere Hallen konzipiert. Sorry, ich kann keinen Purzelbaum und es gibt auch keinen Glitzerregen.“

Songs für die beste Freundin

Solches in großen Arenen übliche Konzertbeiwerk wäre in den 130 Minuten auch völlig fehl am Platz gewesen. Sarah Connor gibt sich nahbar, reagiert auf fast jeden Zwischenruf, als wäre es ein intimes Konzert im Jugendheim, wo die Verwandtschaft im Publikum sitzt und man ins Plaudern gerät.

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Sarah Connor hat eine syrische Flüchtlingsfamilie in ihrer Einliegerwohnung aufgenommen. Die Unterhaltung laufe mit Händen und Füßen - und einer App.

Und sie erzählt viel. Sie spricht über ihre Kinder, die ihr bei den kurzen Garderobenwechseln hinter der Bühne Witze erzählen wollen. Oder sie spricht über ihre beste Freundin, die sie vor zehn Jahren vor den krachenden Wellen des Meeres am Strand kennenlernte.

Musik gibt es auch, viel aus ihrem neuen Album „Muttersprache“, auf dem sie mit deutschen Songtexten einen Nerv getroffen hat. „Halt mich“, „Das Leben ist schön“, „Meine Insel“ und „Wie schön du bist“. Songs, die man mit der besten Freundin hören möchte. Der überwiegende Teil in der Arena ist weiblich und ziemlich jung, was beim obligatorischen geschlechtergetrennten Mitsingteil deutlich wird.

„Eigentlich bin ich eine Oma im Geschäft“, sagt Connor, Tochter eines Werbetexters und eines ehemaligen Models. Und eigentlich war es um die Sängerin schon still geworden. Die 35-Jährige, die 2001 mit „Let’s Get Back to Bed – Boy!“ den ersten Hit landete, hat sich spektakulär zurückgekämpft und nun ein breiteres Publikum als in Teenie-Jahren.

Set der gebrochenen Herzen

Dass sie nicht als die Sängerin im Gedächtnis bleibt, die bei „Wetten, dass . . .“ mal ein unvorteilhaftes Kleid trug (2002) oder bei einem Fußball-Länderspiel die Nationalhymne vergeigte („Brüh' im Lichte dieses Glückes . . .“, 2005), liegt auch an ihrer Beharrlichkeit. Und am unverkrampften und selbstironischen Umgang mit ihrer Vergangenheit.

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Sängerin Sarah Connor nimmt eine syrische Flüchtlingsfamilie bei sich auf. Kollegen loben das Engagement, wollen dem Beispiel aber eher nicht folgen.

Die alten „Bravo“-Hits „French Kissing“, „Bounce“ und „From Zero to Hero“ gibt es in einem Medley. Und natürlich auch die Feuerzeug-Ballade „From Sarah with Love“, die mittlerweile mit leuchtenden Handy-Displays begleitet wird.

Sarah Connors starke Momente bleiben aber, wenn sie persönlich wird, beim „Set der gebrochenen Herzen“ eigene gescheitere Liebe verarbeitet. Sie zeigt sich nachdenklich, wenn sie bei „Augen auf“ über die Schicksale von Menschen auf der Flucht singt und Feindseligkeiten ihnen gegenüber anprangert.

Dieser ruhige und feinfühlige Song beinhaltet auch die letzten Akkorde des Konzerts und so bricht Sarah Connor mit den üblichen Gewohnheiten, das Publikum mit einem treibenden Kracher auf den Heimweg zu schicken. Dass die intimen Momente bei einem so großen Publikum funktionierten, ist das Beeindruckendste des Abends. Hut ab!

Sarah Connor Konzert

Dirk Hein

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Nachdenklich und nahbar - Sarah Connor trifft in Oberhausen den Nerv
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2016-03-13 17:07
Sarah Connor, König-Pilsener-Arena, Oberhausen, Muttersprache, Konzert
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