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Nachbarschaft zählt

30.08.2009 | 19:42 Uhr

Sommerfest auf der Buhrg bietet Vergnügliches für Groß und Klein. Mit Ritter Rost und Trommelwirbel.

Wer lernt schon nicht gerne seine Nachbarn ein bisschen näher kennen? Dieser Überlegung folgte auch die Crew des Theaters an der Niebuhrg und richtete in diesem Jahr zum zweiten Mal das „Buhrgfest” aus, das wie im vergangenen Jahr wieder etwa 2000 Besucher anlockte.

„Während ein Großteil des Theaterpublikums aus verschiedensten Richtungen anreist, um sich unsere Vorstellungen anzuschauen, ist diese Veranstaltung in erster Linie für die Anwohner gedacht”, erläutert Niebuhrg-Geschäftsführer Holger Hagemeyer. „So kommen auch diejenigen auf ihre Kosten, die es nicht so häufig ins Theater zieht. Denn wir wollen ein Kulturzentrum für Jedermann sein.”

Um diesem Anspruch gerecht zu werden, wird jede Menge aufgefahren. Zum Beispiel ein großer Trödelmarkt, auf dem reger Betrieb herrscht und von alten Bilderrahmen über verzierte Vasen bis hin zu bunten Seidentüchern Verschiedenstes feilgeboten wird. Auch das kulinarische Angebot mit klassischer Currywurst, Schoko-Mandarinen-Mandel-Kuchen und selbstgemachtem Stockbrot lässt kaum Besucherwünsche offen. Die obligatorische Hüpfburg (oder Hüpfbuhrg?) fehlt ebenfalls nicht.

Allerdings: So ganz ohne Theater geht das Programm dann doch nicht über die Bühne: Eine Show mit dem Niebuhrg-Ensemble gewährt Einblicke in verschiedene Stücke aus dem Repertoire.

Gute Stimmung herrscht auch beim „Amaterasu Taiko Trommel-Konzert”. Kaum ein Besucher, der nicht rhythmisch mit den Füßen auf die Stufen stampft oder mitklatscht. Und die Darbietung „Ritter Rost macht Urlaub” vergnügt vor allem die jüngeren Besucher, wird jedoch wegen der etwas unsicheren Witterungsbedingungen nicht im Gartentheater, sondern auf der großen Bühne aufgeführt. „Wir wollten beim Wetter kein Risiko eingehen und haben die Shows nach drinnen verlegt”, meint Hagemeyer. Abgesehen von etlichen Windböen meint's der Wettergott mit den Organisatoren gut.

Interessante und unterhaltsame Einblicke in die Vergangenheit des alten Zechengeländes bieten die „Buhrgbesichtigungen”. Interessant, weil es neben historischen Informationen auch Einblicke in die Katakomben des zweiten, noch arg baufälligen Gebäudes gibt, die ein Besucher sonst niemals zu Gesicht bekommt. Unterhaltsam, weil man von Figuren aus Niebuhrg-Stücken durch Lohnhalle, früheren Speisesaal, Requisitenraum und Kellergewölbe geführt wird. Und so seufzt der „Engel 1” aus dem Evergreen „Was Sie schon immer über Weihnachten wissen wollten” zunächst einmal laut „Halleluja”, bevor es auf Erkundungstour geht.

Auch wenn das Innere des Gebäudes noch den Charakter einer Großbaustelle besitzt, sind die Zeiten, in denen der Ort völlig verwahrlost vor sich hin bröckelte, längst vorbei. Heute unvorstellbar, dass die Macher eines Schimanski-Tatorts in den 80er Jahren noch den Giebel von der Vorderfront wegsprengen durften, weil die Stadt das Bauwerk zur Ruine erklärt hatte.

So wird in den nächsten Jahren fleißig weitergeschuftet, um Projekte wie ein Kinder- und Jugendtheater, eine Tanzschule und ein Programmkino zu verwirklichen. Und wer weiß – vielleicht schauen die Nachbarn ja auch mal außerhalb des „Buhrgfestes” vorbei.

Thomas Hemmerle (Text) und Kerstin Bögeholz (Foto)

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