Nachbarn in Oberhausen sind in Sorge um ihre Garten-Idylle

An der Schmelzstraße in Oberhausen klagen die Anwohner wegen den Expansionvorhaben eines Getränkehandels in der Nachbarschaft.
An der Schmelzstraße in Oberhausen klagen die Anwohner wegen den Expansionvorhaben eines Getränkehandels in der Nachbarschaft.
Was wir bereits wissen
Hinter den Gärten an der Schmelzstraße in Oberhausen-Lirich entsteht eine Lkw-Zufahrt. Sieben von elf Nachbarn klagen deswegen gegen die Stadt.

Oberhausen.. Ungleiche Nachbarn grenzen in Lirich aneinander. Da sind die elf Reihenhäuser an der Schmelzstraße. Ihre Bewohner fürchten künftig um die Ruhe in ihren Gärten.

Und da ist die große Lagerhalle, 20 Meter hinter ihrer Grundstücksgrenze. Darin werden Getränke für Edeka-Märkte deponiert. Sieben der elf Hausbesitzer klagen jetzt gegen die Stadt Oberhausen. Denn die hat dem Betreiber des Lagers im August 2014 eine Baugenehmigung erteilt. Es geht um ei­nen acht Meter breiten Streifen zwischen den Gärten der Reihenhäuser und der Lagerhalle. Ihn will das Lager als künftige Lkw-Zufahrt nutzen.

Bislang handele es sich nur um eine Feuerwehrzufahrt, sagen die Nachbarn. Bis zu 80 Lkw am Tag könnten dann direkt hinter ihren Gärten entlang fahren, befürchten sie. Die Idylle dort wäre dahin.

Diese Garten-Idylle aber ist der große Pluspunkt der Häuser an der Schmelzstraße. Fast jeder der Nachbarn hat sich dort sein kleines Paradies geschaffen. Ein bepflanzter Wall schirmt die Gärten vom angrenzenden Gewerbegebiet ab. Er ist bis zu 2,8 Meter hoch. Dafür, dass sie den Wall pflegen müssen, dürfen die Nachbarn ihn auch frei gestalten. Denn er gehört zum Gewerbegebiet. Nicht nur bei Norbert Bill stehen mächtige Bäume auf diesem Wall. Unter ihren Wipfeln hält Bill in einem Teich Kois.

Alle zwölf Minuten ein Lkw

Bislang wird die Ruhe im Garten der Eheleute Bill nur von ein paar Lkw gestört. Sie wollen von der anderen Seite auf das frühere Babcock-Gelände, das ebenfalls angrenzt. „Die Baugenehmigung darf nicht Bestand haben“, sagt Norbert Bill. „Denn dann käme künftig von 6 Uhr früh bis 22 Uhr abends etwa alle zwölf Minuten ein Lkw gefahren“, hat er ausgerechnet.

Bislang hat sich die Nachbarschaft zum Getränkelager für die Anwohner positiv ausgewirkt. Denn an seiner Stelle befand sich früher die alte Glasfabrik und hinter ihr der Verschiebebahnhof Oberhausen-West. Die Glasfa­brik ging 1978 in Konkurs. Fast alle Gebäude wurden abgerissen. Anfang der 80er Jahre baute dort der Getränkegroßhandel.

Die Häuser an der Schmelzstraße waren früher Werkswohnungen der Glasfabrik. Nach dem Konkurs wurden sie verkauft. 1979 erwarb Nachbar Klaus Thurau (61) hier ein Haus. Er gehört auch zu den Klägern. Die etwa sieben Meter hohe Lagerhalle und der Wall schirmen die Häuser seitdem zur Bahn hin ab. Aber dieser Schutz wäre dahin, wenn die Lkw-Zufahrt käme.

Im vergangenen Jahr erwarb Edeka die Lagerhalle. „Der neue Betreiber begründet die neue Lkw-Zufahrt damit, dass die vorhandene Zu- und Abfahrt nicht mehr ausreicht“, berichtet Klaus Thurau. Künftig solle die Zufahrt zum Lager an den Nachbarn vorbei erfolgen und die Abfahrt über die bisherige Anbindung, zeigt Norbert Bill auf einen Plan. Das aber wollen die Nachbarn verhindern.

Anwälte kritisieren Lärmgutachten

Zwei Rechtsanwälte sind für die sieben Nachbarn tätig. Sie greifen vor allem das Lärmschutzgutachten an. Das hat der Betreiber der Lagerhalle in Auftrag gegeben. Die Stadt stützt sich darauf.

Die Anwälte kritisieren unter anderem, dass die Häuser an der Schmelzstraße städtebaulich als Mischgebiet eingestuft werden. Denn darin wären Wohnen und Gewerbe gleichberechtigt. Aber das Gewerbe darf das Wohnen nicht wesentlich stören. Sie gehen jedoch von einem „Allgemeinen Wohngebiet“ aus, wie es vom Gutachten auch auf der Duisburger Seite der benachbarten Niebuhr­straße ausgewiesen sei. In einem Allgemeinen Wohngebiet hätte eine solche Lagerhalle gar nichts zu suchen.

Dann aber könnten die vorgeschriebenen Lärmgrenzwerte nicht eingehalten werden, schreiben die Anwälte. Auch im Mischgebiet gelinge das nur bedingt, indem zum Beispiel die Lkw-Zufahrt nachts nicht benutzt werden darf.

Die Anwälte haben aber noch weitere Kritikpunkte. Sie bemängeln, dass ein Lkw-Stau bei laufenden Motoren auf der Zufahrt hinter den Gärten tagsüber nicht berücksichtigt werde. Auch werde nicht bedacht, dass die Lagerhalle künftig den Schall der Lkw auf die Häuser ablenkt.

Die Stadtverwaltung weist diese Kritikpunkte zurück. Weder besteht für sie ein Zweifel, dass es sich um ein Mischgebiet handelt, noch hat sie an dem Lärmschutzgutachten etwas auszusetzen.

Der Betreiber des Lagers hat den Nachbarn Gespräche über freiwillige Lärmschutzmaßnahmen angeboten. Bedingung: Sie müssten ih­re Klage zurückziehen. Aber das wollen Norbert Bill und Klaus Thurau nicht.