Nach vorn blicken
15.11.2009 | 17:47 Uhr 2009-11-15T17:47:00+0100
„Kriege sind von Menschen gemacht, deswegen können Menschen sie auch abschaffen.” Das sagte Gastredner Prof. Müller am Sonntag bei der zentralen Veranstaltung der Stadt zum Volkstrauertag.
Die zentrale Veranstaltung der Stadt Oberhausen anlässlich des Volkstrauertages begann Sonntag an der Skulptur „Die Trauernde” vor der Gedenkhalle Schloss Oberhausen. Dort informierte erstmals eine Tafel über die NS-Vergangenheit des Schöpfers Willy Meller. Bürgermeisterin Elia Albrecht-Mainz (SPD) sowie die Bürgermeister Klaus-Dieter Broß (CDU) und Manfred Lorentschat (Grüne) legten den Kranz der Stadt Oberhausen feierlich nieder.
Aufgrund des Umbaus der Gedenkalle bat deren Leiter Clemens Heinrichs die Teilnehmer an der Gedenkfeier in den Vorraum des Standesamtes im Schloss Oberhausen. Dort begrüsste er neben den genannten den Landtagsabgeordneten Wolfgang Große Brömer (SPD). Viele Gäste aus Rat, Verwaltung und Bürgerschaft waren der Einladung gefolgt. Ein besonderer Wilkommensgruß Heinrichs galt dem Referenten, Prof. Dr. Harald Müller von der Goethe-Universität Frankfurt, der zum Thema einer friedvollen Weltordnung sprach.
Der Rat des international anerkannten und gefragten Fachmannes für internationale Beziehungen und Leiters der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung wurde bereits vom Generalsekretär der UN Kofi Annan gesucht.
Professor Müller war derEinladung „zu dieser besonderen Volkstrauertagsveranstaltung” vor allem aufgrund des in Oberhausen nicht wie woanders oft üblichen „bloß traurigen Blicks zurück”, gerne gefolgt. Der zukunftsweisende, nach Lösungen für Morgen suchende Charakter dieser Gedenkfeier habe ihn zum Kommen motiviert, sagte Müller.
Krieg sei nicht, wie oft angenommen, gleichsam naturgegeben, sondern von Menschen gemacht, also auch von Menschen wieder abschaffbar. Es komme jedoch darauf an, gesicherte und von allen anerkannte Antworten zur Errichtung einer nachhaltig friedlichen Weltordnung zu finden.
Zwar habe es seit 60 Jahren keinen Weltkrieg gegeben, aber eine Vielzahl lang andauernder bewaffneter Kämpfe, wie unter anderem der Krieg in Afghanistan, den der Referent eindeutig als Krieg definierte.
Der Kampf der Kulturen verschärfe Konflikte, welchen oft wesentlich territoriale und Ressourcen-Ansprüche zugrunde lägen.
Das einseitige Autreten einer einzigen Macht wie den USA müsse endlich von einer gestärkten ausgeglichenen Ordnungskompetenz der Vereinten Nationen (UN) abgelöst werden, sagte Müller am Sonntag in Oberhausen.
KOMMENTAR
Sensibel reagiert
Angemessen und sensibel reagiert hat die Stadt Oberhausen auf das in den vergangenen Jahren thematisierte Problem, Kränze am Volkstrauertag an „Der Trauernden” niederzulegen. Die Skulptur vor der Gedenkhalle war von Willy Meller – Mitglied der NSDAP und Schöpfer anderer NS-Monumente – gestaltet worden. In ihrer Orientierung grenzte sie seinerzeit vor allem die jüdische Religion aus. Nun wurde erstmals eine Infotafel neben der Plastik aufgestellt, welche am Sonntag die Zustimmung aller Beteiligten fand. Bürgermeister Manfred Lorentschat (Bündnis 90/Grüne) wird das besonders gefreut haben: Er hatte 2008 noch still per eigenem Hinweisschild auf die historischen Hintergründe aufmerksam gemacht.

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