Nach dem Knast ist vor dem Knast

Noch im Gerichtssaal wurden die Frauen festgenommen.
Noch im Gerichtssaal wurden die Frauen festgenommen.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Nachdem zwei Einbrecherinnen verurteilt wurden, klickten noch im Gerichtssaal die Handschellen, weil ihnen weitere Taten nachgewiesen werden konnten.

Oberhausen.. Dumm gelaufen ist es für zwei Einbrecherinnen, die sich in dieser Woche vor Gericht verantworten mussten. Gerade sind sie wegen ihrer Taten vor zwei Monaten verurteilt worden, da klickten fast zeitgleich mit dem Richterspruch erneut die Handschellen – wegen weiterer Vergehen, die die Polizei just aufgeklärt hat. Jetzt dürfen die beiden jungen Täterinnen in der Haft auf den nächsten Richterspruch warten.

Vor zwei Monaten, am 24. April, machten sich die beiden Einbrecherinnen in einem Mehrfamilienhaus auf der Normannenstraße an einer Wohnungstür zu schaffen. Allerdings merkten die Täterinnen nicht, dass sie unter Beobachtung standen: Die Nachbarn überraschten die Frauen auf frischer Tat und informierten die Polizei. Ein Nachbar folgte den Einbrecherinnen in sicherer Entfernung und machte sich bemerkbar, als nach wenigen Metern die Funkstreifenwagenbesatzung die Flüchtigen entdeckte. Die Polizei nahm die angeblich 15- und 16-jährigen Frauen fest.

Reisende Täterin benutzt etliche Alias-Namen

Bei der Durchsuchung fanden die Polizistinnen typisches Einbruchswerkzeug. Und auch bei der Überprüfung des Alters kam einiges ans Licht: Tatsächlich nämlich waren die Einbrecherinnen 21 und 16 Jahre alt.

In dieser Woche standen beide Frauen vor Gericht. Der Richter verurteilte die 21-Jährige zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten ohne Bewährung, ihre jüngere Komplizin zu einem mehrwöchigen Jugendarrest, der durch die zwischenzeitlich verbüßte Untersuchungshaft aber bereits abgegolten war. Dann die Überraschung: Die junge Straftäterin konnte sich nicht lange über ihre sofortige Freilassung freuen. Die Ermittler vom Oberhausener Einbruchskommissariat nahmen die verblüffte Jugendliche noch im Gerichtssaal erneut fest. Die Kommissare hatten zwischenzeitlich Beweismaterial und Zeugenaussagen ausgewertet und werfen den Einbrecherinnen weitere gemeinsam begangene Wohnungseinbrüche vor.

In einem Fall sollen sie am Morgen des 22. April, zwei Tage vor ihrer erstmaligen Festnahme, in ein Mehrfamilienhaus an der Marktstraße eingedrungen sein. Im ersten Obergeschoss hebelten sie eine Wohnungstür auf. Eine Türspionkamera filmte sie im Treppenhaus und zeigt sie beim Auskundschaften der Etagen. Pech auch, dass die Polizei alle Hinweise akribisch auswertete und das Einbrecherduo bei der Tat eindeutig wieder erkannte.

Flucht- und Wiederholungsgefahr

Die Kommissare verdächtigen das diebische Pärchen auch, noch am selben Tag zwei weitere Taten an der Alsenstraße begangen zu haben. Im vierten Obergeschoss eines Mehrfamilienhauses hebelten sie eine Wohnungstüre auf und durchwühlten die Räume. An einer weiteren Wohnungstüre bissen sich die Einbrecherinnen aber die Zähne aus. Die Tür war innen mit einem zusätzlichen Querriegel gesichert.

Die Ermittler begründeten die erneute Verhaftung der Jugendlichen mit Flucht- und Wiederholungsgefahr. Die Einbrecherin hat keine sozialen Bindungen und keinen festen Wohnsitz in Deutschland. Trotz ihres jungen Alters trat sie wiederholt strafrechtlich im Bereich der Einbruchskriminalität auf. Sie machte keine weitergehenden Angaben zu ihrer Person und benutzte bereits zahlreiche Alias-Personalien zur Verschleierung ihrer Identität. Laut Polizei ist sie als reisende Einbruchstäterin mit großer krimineller Erfahrung einzustufen.