Muttersprache darf nicht untergehen
20.02.2010 | 13:01 Uhr 2010-02-20T13:01:00+0100
Wenn Enrika Gass (17) träumt, dann in Litauisch. Und in Lutmir Krasniqis’ (15) „Privatkino“ wird Albanisch gesprochen – ohne Untertitel. Im Alltag am Gymnasium Elsa-Brändström sprechen, rechnen, schreiben sie aber problemlos Deutsch. Dabei leben die junge Litauerin und der Junge aus dem Kosovo erst seit wenigen Jahren hier.
„Ich muss im Kopf nicht mehr übersetzen“, lächelt Enrika, die anfangs in Chemie und Bio mit der Fachsprache zu kämpfen hatte: „Nach einer Zeit ging es“, sagt sie. Am Sonntag ist „Tag der Muttersprache“. Aber welche Bedeutung hat sie für die Schüler? Lutmir muss darüber nachdenken,denn er fühlt sich in beiden Sprachen zu Hause: Mit den Eltern spricht er Albanisch, mit den Geschwistern Deutsch. Und reist er in die Heimat, vermisst er Deutschland. „Für mich ist beides gleich nah“, bestätigt Enrika.
Also gibt es den Unterschied zwischen Muttersprache und Zweitsprache nur im Traum? „Nein“, meint die 17-Jährige, „wenn ich nur noch Deutsch sprechen dürfte, würde ich trotzdem Litauisch reden – heimlich.“ Ein Gedenktag sei so notwendig wie ein Kropf, glaubt hingegen Hein-Peter Malzahn, Lehrer der Integrationsklasse am Elsa: „Dennoch darf die Muttersprache nicht untergehen, denn wer sie nicht beherrscht, kann auch keine Fremdsprache lernen.“ Bei türkischen Kindern habe sich dieses Dilemma besonders deutlich gezeigt: Es werde gefordert, dass sie korrektes Deutsch sprechen, dabei haben sie auch Türkisch nicht richtig gelernt. Aus Malzahns Sicht würden mehr Herkunftslehrer für den Integrationsunterricht benötigt, „das Land baut diese aber ab.“
Dass Mehrsprachigkeit kulturelle Vielfalt bedeutet, kann man auch auf dem Elsa hören: Dort lernen u.a. Griechen, Bulgaren, Afrikaner und Brasilianer. Das deutsche Schulsystem hinke jedoch nach, wie Dr. Andrea Schäfer (43) vom Fachbereich „Deutsch als Zweitsprache“ der Universität Essen kritisiert: „Wir haben ein monolingual ausgerichtetes Bildungssystem, Mehrsprachigkeit wird nicht berücksichtigt.“ Französisch oder Englisch seien Sprachen, die viele lernen wollen, die präsent und angesehen seien.
Wie sehe es aber aus mit Türkisch, Russisch und Polnisch, fragt sie. Denen stünde die Gesellschaft skeptisch gegenüber. „Wir müssen was tun!“, fordert sie die Überarbeitung des einsprachigen Schulsystems: Sprachschwierigkeiten dürfen niemanden auf seinem Bildungsweg behindern. Schließlich „bringt es einem türkischsprachigen Schüler ja nichts, wenn er super gut rechnen kann, aber die Aufgabe nicht versteht.“, so Schäfer.
Malzahn lässt in seinem Unterricht manchmal Hausaufgaben in der Muttersprache vorlesen: „Das vermittelt den anderen, was es heißt, immer nur eine fremde Sprache zu hören.“

13:38
Komisch, es geht also doch. Migration, d.h. mit einer anderen Muttersprache als Deutsch und trotzdem können diese jungen Leute am öffentlichen Leben teilhaben ohne zu fordern das man mehr auf sie Rücksicht nimmt. Sie leisten was und versuchen sich in der ihnen fremden Sprache , ohne zu janken wie schlecht diese deutsche Gesellschaft ist die ihnen eine zweite Heimat gewährt, ein Auskommen so dass sie sich ihrer Ausbildung widmen können.
21:41
Herr Malzahn... das ist ja geil - es gibt ihn noch. Ein Lehrer, wie aus dem Bilderbuch. Allerdings trug er damals, zu meinen Zeiten, noch Miniplies. Ich kann mich noch gut an seine Sicherheitsvorkehrungen zur Klassenfahrt erinnern. Wenn er eine Zigarette sieht, muss er sie ausschlagen - egal, wo sie ist, eminte er damals. So einen, wie ihn, gibt es nicht oft. Er sieht seinen Beruf als Berufung. Und das ist gut so. :-)
19:20
Es ist selbstverständlich dass die beherrschende Grundsprache in Deutschland eben deutsch ist. Gleichzeitig wurde und wird nicht verlangt dass die Muttersprache in Vergessenheit geraten soll! Die beiden Jugendlichen sind ein Vorbild für alle Bürger und Bürgerinnen in Deutschland. Nur durch eine gemeinsame Grundsprache und die Möglichkeit die Muttersprache nicht zu verleugnen kann eine Intregration in Deutschland und Europa gelingen.
00:29
welche herkunftsländer sollen berücksichtigt werden.
in oberhausen leben ca.80nationen.
23:35
Bei sprechen, rechnen, schreiben sie aber problemlos Deutsch. würde mich das Rechnen in Deutsch interessieren.
Bedeutet das, sie rechnen mit dem Billiglohn, später, wenn D nicht nur YUG, GR, überflüssig gemacht haben wird?
Rechnen hat D ja nun wirklich nicht erfunden; es studieren das doch eher Menschen aus RUS. Damit später die Irgendwas-mit-Medien & Anwälte jammern dürfen, weil nicht sie die Topverdiener sind.
Musst halt rechnen--gerne in der 7 abgewählt--können.
Und dem Russischen stehe ich nicht skeptisch gegenüber, eher den Coffee to go und den Gestalten dieses Lebenswandels.