Mutter gesteht Tötung ihres Babys

Sie hat ihr Baby ganz allein im Badezimmer ihrer Eltern zur Welt gebracht. Heimlich. Ihre Mutter im Nebenzimmer durfte nichts mitbekommen. Noch bevor der Säugling seinen ersten Schrei tat, hat die 26-Jährige das Fenster geöffnet und den Jungen hinausgeworfen. Um die Geburt geheim zu halten. So schilderte es die junge Oberhausenerin vor dem Duisburger Landgericht, wo sie sich seit gestern wegen Totschlags verantworten muss.

Mit tränenerstickter Stimme erzählte sie, was an diesem Samstag Ende November vergangenen Jahres passiert ist. Wie sie schon nachts ein Ziehen im Unterleib spürte, wie später die Wehen einsetzten und ihre Fruchtblase platzte. Auf der Toilette hat sie ihren Sohn zur Welt gebracht.

Geplant sei das so nicht gewesen, sagte die 26-Jährige. „Ich wollte es nicht töten. Ich wollte das Kind in meiner Wohnung bekommen und es dann zur Babyklappe bringen.“ Doch just an diesem Wochenende war sie mit ihrer vierjährigen Tochter bei ihren Eltern. Denen hatte sie in den Monaten zuvor mehrfach gesagt, sie sei nicht schwanger, sondern hätte zugenommen.

Sie habe das Neugeborene aus dem Fenster geworfen, in der Hoffnung, auf dem Hinterhof stünden, wie so oft, Kartons herum. Dadurch sollte der Sturz des Babys abgefedert werden. Jemand sollte das Kind finden und sich darum kümmern. Doch es standen keine Kartons in dem Hof. Der Junge schlug auf dem Betonboden auf und war nach Angaben des Gerichtsmediziners sofort tot. Nach der Geburt habe das Kind nachweislich gelebt.

Schon im Februar, als sie ihre Schwangerschaft bemerkte, habe sie den Entschluss gefasst, das Kind wegzugeben. Sie wollte ihre gerade neu gestartete Ausbildung abschließen – und ihre Eltern nicht enttäuschen. Nicht schon wieder. Sie habe das Gefühl gehabt, in den Augen ihrer Eltern versagt zu haben. Sie hat das Gymnasium nach der zwölften Klasse verlassen, ihr erster Ausbildungsbetrieb hat ihr gekündigt. Auch ihre erste, offizielle Schwangerschaft sei für die Eltern ein Schock gewesen. Verhütet habe sie dennoch nicht, gab sie auf Nachfrage des Richters zu. Warum nicht? Keine Antwort.

Bei einer Verurteilung wegen Totschlags sieht das Gesetz eine Freiheitsstrafe von fünf bis 15 Jahren vor. In minderschweren Fällen kam es in der Vergangenheit, etwa in Wuppertal, auch zu Bewährungsstrafen. Darauf kann die 26-Jährige nach jetzigem Stand aber offenbar nicht hoffen: Gericht und Staatsanwalt haben bereits in einem Rechtsgespräch mit dem Verteidiger deutlich gemacht, dass diese Strafe zu gering sei. Im Falle einer Verurteilung müsste die Angeklagte mit einer Strafe von sieben bis acht Jahren rechnen. Am 3. Juni soll der Prozess fortgesetzt werden.