Musikalische Träume aus Oberhausen

Das Jugendvokalensemble Young Generation arbeitet seit fünf Jahren gemeinsam.
Das Jugendvokalensemble Young Generation arbeitet seit fünf Jahren gemeinsam.
Foto: Marcel Sroka
Was wir bereits wissen
  • Das ist mal ein Chor der anderen Art, dessen Mitglieder noch ganz jung sind
  • Gesucht werden weitere Sänger, und es sind Jüngere, die Interesse zeigen
  • Der Chorleiter ist Ausbilder bei Oxea und hat ein Händchen für junge Leute

Sie sind jung und wollen die Herzen ihrer Hörer erobern. Mit Gesang. Entweder a cappella oder zur Begleitung eines Pianos. Seit fünf Jahren gibt es das Jugendvokalensemble „Young Generation Oberhausen“.

2011 hat sich eine Gruppe jugendlicher Sänger zusammengefunden. Sie trat beim Tag der offenen Tür der Chemie-Industrie auf dem Oxea-Gelände auf. Daraus hat sich mittlerweile ein Chor entwickelt, der von Rolf Illgner geleitet wird. Er ist Ausbilder bei Oxea und hat ein Händchen für junge Leute. Jung, das heißt im Falle dieses Chores elf bis 23 Jahre.

Ein Kern von 15 Sängerinnen und Sängern präsentiert dabei ein breites Repertoire. Lieder aus dem Bereich Pop und Rock wie „An Tagen wie diesen“ von den Toten Hosen oder „Someone like you“ von Adele gehören dazu, aber neuerdings auch ein Song aus den 1950er Jahren „Sh-Bum“ von The Crew Cuts. „Wir sind unterschiedliche Personen mit unterschiedlichen Musikgeschmäckern“, sagt Chor-Sprecherin Nadine Peters, „akzeptieren aber alles“.

Wünsche dürfen im Chor geäußert werden. Aber nicht alles funktioniert. So wie zum Beispiel das Lied „Geboren um zu leben“, weil es einer Sängerin zu nah geht. Der Chorleiter ist aber generell davon überzeugt, dass jeder singen kann: „Durch die Korrektur wird die Stimme optimiert. Anfangs ist es komisch, sich selbst zu hören, aber daran gewöhnt man sich.“ Deshalb ist der Chor offen für jeden. Derzeit versucht er sogar, verstärkt die Elf- bis 15-Jährigen zu gewinnen, um die eigene Zukunft zu sichern.

Junge Gesangstalente müssen gegen Kirchenchor-Image ankämpfen

Die „Young Generation Oberhausen“ probt im Gemeindehaus der Christuskirche in Sterkrade. Dort ist der Chor bereits einige Male aufgetreten. Auch im „Café Dingeskirchen“ in Holten. Dabei müssen die jungen Gesangstalente gegen das Image ankämpfen, sie seien ein Kirchenchor. Denn das sind sie keineswegs. „Nach den Auftritten sehen uns die Hörer meist anders. Wir wollen nämlich nicht nur singen, sondern unser Publikum dabei auch träumen lassen“, beschreibt Mit-Organisator Tobias Merta das Ziel des gemeinsamen Gesangs.

Deshalb legt der Chor viel Wert auf Qualität, übt pro Jahr nur sechs bis acht Lieder. Außerdem soll der Spaß dominieren, kein Zwang entstehen. „Sonst funktioniert es nicht, wenn die Selbstverpflichtung gegenüber unserem Chor zu viel Druck bedeutet“, meint Rolf Illgner. Es gibt auch Songs, die nicht auf Anhieb einstudiert werden können, weil es gesanglich noch nicht passt. Ein Beispiel ist das Lied „Engel“ von Rammstein. Für die anderen Lieder üben die Jugendlichen und jungen Erwachsenen selbstständig zuhause neben der wöchentlichen Probe. „Man kann gut unter der Dusche singen“, scherzt Nadine Peters. „In der Gruppe ist es natürlich schöner.“

Der Chor soll sich weiter entwickeln, die Fluktuation ist mittlerweile gering. Eine Performance ist allerdings kein Ziel. „Die Konzentration auf den Gesang geht sonst verloren“, findet Rolf Illgner. Und der Gesang hat hohe Priorität. Sonst wäre es schwer, mit der Stimme die Herzen der Hörer zu erobern.