Musik der Zukunft in Oberhausen

Trompeter Artem Sviridov
Trompeter Artem Sviridov
Foto: privat
Was wir bereits wissen
Der junge Trompeter Artem Sviridov spielte mit den Bochumer Sinfonikern beim Sinfoniekonzert in Oberhausen.

Oberhausen.. 15 Jahre alt wurde am Freitag das Alleinstellungsmerkmal der Oberhausener Sinfoniekonzerte: Die mit Unterstützung von Künstlerförderverein, Rotary Club Oberhausen und IWC Mülheim a.d.Ruhr-Oberhausen durchgeführte Reihe „Musik der Zukunft“.

Begonnen hatte die Reihe unter „Solisten im Konzertexamen“, eine Widmung, die aber weitgehend den veränderten Examensordnungen der Hochschulen zum Opfer gefallen ist. Stattdessen werden nun die Solisten durch ein hochschulinternes Auswahlverfahren ermittelt, für diesen Abend durch die Folkwang-Hochschule Essen-Werden.

Berühmtes Trompetenkonzert

Ausgewählt wurde der junge russische Trompeter Artem Sviridov, der zusammen mit den Bochumer Symphonikern unter Leitung von Oliver Leo Schmidt Haydns berühmtes Trompetenkonzert zu Gehör brachte: Intimes, quasi erzählendes Singen in den lyrischen Partien, vor allem im zweiten Satz, klare Geschmeidigkeit und sprühendes Leben in den Ecksätzen, besonders im letzten. Sehr sympathisch Sviridovs spürbare Überraschung über den heftigen, nicht enden wollenden Beifall.

Für die „Musik der Zukunft“ stand eine Komposition „chronos-kinesis“ des aus Langenfeld

stammenden Christian Dellacher, in der er Obertonkonstellationen eines Windspiels, also statische Phänomene, zu zeitlichen Abläufen auffächert. Titel und Verfahren klingen zunächst ziemlich philosophisch und theoretisch. Herausgekommen ist aber eine atmosphärisch dichte Musik von enormer Expressivität zwischen abgründiger Düsternis, irisierendem Leuchten und heftig-skurrilen Ausbrüchen, die ungeteilte Begeisterung hervorrief.

Konzertformat auch für Mülheim

„Eingerahmt“ wurden die beiden Werke von Brahms` Haydn-Variationen und den Sinfonischen Metamorphosen von Hindemith. Wie das erhaben-schlichte Haydn-Thema in einem quasi naturwüchsigen Prozess seine Kräfte entfaltet und am Ende aus seiner einfachen Ursubstanz sich zu triumphaler Größe erhebt, das war von packender Intensität. Bewundernswert die Flexibilität des Bochumer Orchesters, auf dem Schmidt mit pointierender Gestik zu spielen schien wie auf einem Instrument.

Fast ein „Reißer“ der abschließende Hindemith, in dessen parodistischen Zügen, z.B. der jazzigen Turandot-Fuge, immer noch der alte „Bürgerschreck“ um die Ecke zu lugen scheint.

Apropos „Alleinstellungsmerkmal“: Vor allem auf Betreiben der Sponsoren wird dieses „Oberhausener Format“ ab der nächsten Saison auch in Mülheim stattfinden.