Morgens Azubi, mittags Mama

Susann Loge ist Teilzeitazubine bei der Bäckerei Horsthemke in Oberhausen-Alsfeld.
Susann Loge ist Teilzeitazubine bei der Bäckerei Horsthemke in Oberhausen-Alsfeld.
Foto: WAZ FotoPool

Oberhausen.. Motiviert, interessiert, lebenserfahren – ideale Eigenschaften einer Auszubildenden. Für die Bäckerei Horsthemke besitzt Susann Loge genau diese Attribute. Und daher hat das Unternehmen sie auch am 1. August eingestellt, als Auszubildende in Teilzeit. In Teilzeit? Für Horsthemke kein Problem. Schließlich hat das Unternehmen, das derzeit 190 junge Menschen ausbildet, reichlich Erfahrung, auch mit Teilzeitauszubildenden. Derzeit sind es zehn.

Leider sehen das andere Firmen nicht so problemlos, wie Loge erzählt. Bei etlichen Betrieben sei sie abgeblitzt. Natürlich habe niemand gesagt, dass er keine junge Mutter mit einem kleinen Kind einstellen möchte. „Aber ich hatte schon das Gefühl, dass dies der wahre Grund ist“. Dabei würden Azubis in Bäckereien dringend gesucht, weiß Silke Vomschloss, Ausbildungsleiterin bei Horsthemke.

Ohne Tagesmutter geht es nicht

Die Ausbildung von Susann Loge zur Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk/Fachabteilung Bäckerei dauert, wie die der anderen Azubis, drei Jahre. „Ich kann also mit allen anderen, die im August angefangen haben, die Prüfung ablegen.“ Teilzeitausbildung, das bedeutet in ihrem Fall: 30 Wochenstunden Arbeitszeit inklusive der Unterrichtszeiten in der Berufsschule. In Vollzeit hätte sie Ausbildung und Familie nicht unter einen Hut bekommen. „Das kam für mich nicht infrage.“

Wichtig ist ihr auch, dass die Filiale, in der sie lernt, nicht weit von ihrer Wohnung entfernt ist. Doch auch so muss sie ihren Tag gut organisieren. Ihr Freund, mit dem sie zusammenlebt, arbeitet im Mehrschichtbetrieb, die Großeltern wohnen über 600 Kilometer entfernt. „Wenn ich nicht die Tagesmutter hätte, ginge das alles nicht. Die Frau ist spitze, sie richtet es immer so ein, dass es funktioniert“, lobt sie die Betreuerin.

Nach der Arbeit kommt das Lernen

Als Auszubildende endet ihr Arbeitstag nicht mit dem Verlassen der Filiale oder dem Unterrichtsende in der Schule. „Man muss natürlich auch lernen.“ Zum Beispiel: Warenkunde, das Führen von Verkaufsgesprächen, Lebensmittelhygiene, Schaufenstergestaltung. „Aber mein Freund unterstützt mich.“

Für Silke Vomschloss steht fest: „Ich habe einen großen Respekt vor allen, die eine Ausbildung in Teilzeit machen.“ Die Erfahrungen, die man beim Unternehmen Horsthemke mit ihnen gemacht habe, seien durchweg äußerst positiv. „Die sind alle unheimlich engagiert, um sich eine berufliche Zukunft zu erarbeiten.“ Die Anschlussperspektiven seien hervorragend: „Wer bei uns seine Ausbildung gut abschließt, der wird auch übernommen.“

Im Rahmen des Landesförderprogramms „Teilzeitberufsausbildung – Einstieg begleiten, Perspektiven öffnen“ werden Interessenten vier Monate auf den Übergang in eine Teilzeit-Ausbildungsstelle vorbereitet (Hilfe bei der Organisation der Kinderbetreuung, Bewerbungstraining, Selbstlernmöglichkeiten, betriebliche Praktika, Unterstützung bei der Suche nach dem Ausbildungsplatz).

Ansprechpartner: Barbara Raasch bei Trivium (eine Tochtergesellschaft des Zentrums für Ausbildung und berufliche Qualifikation Oberhausen) 620 53-12, Frau Lutz, 850 003 95. Infos bei der Agentur für Arbeit: Marion Steinhoff und Beate Steinmann, 8506-611 oder -612. Einen Leitfaden zur Teilzeitausbildung gibt es auch im Internet unter www.regionalagentur-meo.de/Leitfaden.