Mit Rat und Tat zur Seite stehen

Schwangerschaften sind für viele Frauen ein Grund zur Freude. Oft lösen sie aber auch Ängste aus.
Schwangerschaften sind für viele Frauen ein Grund zur Freude. Oft lösen sie aber auch Ängste aus.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Die Beratungszahlen zum Thema Schwangerschaft in der Konfliktberatungsstelle „donum vitae“ haben in den vergangenen Jahren kontinuierlich zugenommen.

Oberhausen.. Eine Schwangerschaft ist für die meisten Frauen ein Grund zur Freude, geht doch damit ein lang gehegter Kinderwunsch des Paares in Erfüllung. Doch nicht alle werdenden Mütter können sich unbeschwert auf den Nachwuchs freuen. Eine ungewollte Schwangerschaft, ein erkranktes Kind, Probleme mit dem Partner, eine schwierige finanzielle Situation – für manche löst die Gewissheit, schwanger zu sein, vor allem Ängste aus.

Diesen Frauen stehen die Beraterinnen der staatlich anerkannten Konfliktberatungsstelle für Schwangere Mülheim/Oberhausen, „donum vitae“, täglich mit Rat und Tat zur Seite.

„Unsere Beratungszahlen und die daraus resultierenden Beratungsgespräche haben in den vergangenen Jahren kontinuierlich zugenommen, so dass 2013 eine dritte Beraterin eingestellt wurde“, erzählt Ute Backhaus, Vorsitzende von „donum vitae“. 331 Erstberatungen führten die Mitarbeiterinnen 2014 durch – dahinter stehen 803 Beratungsgespräche. 52 Prozent davon machten eine Schwangerschaftskonfliktberatung aus, bei denen es um den eventuellen Schwangerschaftsabbruch geht. Bei den übrigen 48 Prozent handelte es sich um Beratungen zu Schwangerschaft und Pränataldiagnostik oder der Sexualaufklärung. Gestiegen ist auch der Anteil der Arbeit, der sich mit der Trauerbegleitung befasst. So haben 21 Frauen die Beratungsstelle aufgesucht, wenn sie nach einer pränataldiagnostischen Untersuchung erfahren haben, dass ihr Kind eine Erkrankung oder Behinderung hat. In der Trauerbegleitung geht es aber auch um Frauen, deren Kind im Mutterleib verstorben ist.

Gesetzlich vorgeschrieben

Zur so genannten Schwangerschaftskonfliktberatung kommen Frauen, die einen Abbruch der Schwangerschaft in Erwägung ziehen, sich aber noch nicht sicher sind. Diese Beratung ist gesetzlich vorgeschrieben, denn nur dadurch bekommen sie den Schein, um überhaupt abtreiben zu können. Zwischen Beratung und Abtreibung müssen allerdings drei Tage Bedenkzeit liegen. Die Gründe, warum Frauen eine solche Beratung aufsuchen, sind vielfältig, aber eines haben sie immer gemeinsam: Sie sind schwerwiegend und fordern eine intensive Auseinandersetzung.

Die Mitarbeiterinnen von „donum vitae“ haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Klientinnen auf diesem schwierigen Weg zu begleiten. Für die Beraterinnen ist es eine Herausforderung Menschen beizustehen, die in schwierigen und teilweise zerbrochenen Beziehungen leben und ihnen dabei zu helfen, Gefühle des Scheiterns, der Überforderung oder gar der Unfähigkeit abzubauen.

Gemeinsam nach einem Weg suchen

Vor allem Alleinerziehende, die unter der Doppelbelastung von Verantwortung für die eigene Erwerbstätigkeit und der Verantwortung für ihr Kind stehen, sind davon besonders betroffen.

Darüber hinaus stehen die „donum vitae“-Frauen in jeglicher Fragestellung rund um die Schwangerschaft und Geburt zur Verfügung. Was tue ich, wenn der Befund schlecht ausfällt? Wie kann ich mit einem behinderten Kind leben? Bekomme ich Kind und Arbeit unter einen Hut? Genau hier wollen die neutralen Beraterinnen Tipps geben und mit den Ratsuchenden ergebnisoffen schauen, welcher Weg für sie der richtige sein kann. Sie helfen ihnen, die persönliche Lebenslage besser einzuschätzen. Ebenso beraten sie bei allen sozialrechtlichen Fragestellungen, wie beispielsweise zum Thema Mutterschaftsgeld, Elterngeld, Elternzeit oder Unterhalt und unterstützen beim Umgang mit Ämtern und Behörden. „Zu unserer Beratungsarbeit gehört ganz entscheidend, nicht zu werten, sondern wertzuschätzen“, so Backhaus.

Die Ratsuchenden sind zumeist im Alter von 27 und 34 Jahren und suchen zum größten Teil die Beratungsstelle alleine auf (82 Prozent). In der Schwangerschaftskonfliktberatung stellen die „donum vitae“-Frauen wiederholt fest, dass es zumeist partnerschaftliche und wirtschaftliche Probleme sind, die den Frauen den Abbruch der Schwangerschaft erwägen lassen: „Oft ist die Partnerschaft noch nicht gefestigt, oder die berufliche Situation ist noch unsicher“, so das Fazit.