Mission „Spionagemuseum“ in Oberhausen geglückt

Ingo Mersmann übernahm 2014 das Spionagemuseum. Mit Exponaten wie der Kappe des kubanischer Revolutionärs Fidel Castro lockt er heute die Besucher.
Ingo Mersmann übernahm 2014 das Spionagemuseum. Mit Exponaten wie der Kappe des kubanischer Revolutionärs Fidel Castro lockt er heute die Besucher.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Ein Jahr nach der Übernahme des Spionagemuseums hat Ingo Mersmann die Gästezahlen des Hauses am Centro Oberhausen um 35 Prozent gesteigert.

Oberhausen.. Noch bevor um 12 Uhr die Türen zum Spionagemuseum geöffnet werden, warten die ersten drei Gäste auf den Einlass in die „Top Secret“-Ausstellung an der Oberhausener Marina. Aus dem Sauerland sind die Eltern mit ihrem erwachsenen Sohn in die Neue Mitte gekommen, nur um das Museum zu besuchen. „Nachbarn haben es uns empfohlen“, sagen sie.

Über die Mundpropaganda finden heute die meisten Gäste den Weg zu seinem Museum, sagt Geschäftsführer Ingo Mersmann. Der 60-Jährige kann durchaus zufrieden sein: Denn Anfang 2014 kamen so wenige Gäste, dass die damalige Eigentümerin, die Unterhaltungsfirma „Mehr Entertainment“, ihr 2012 eröffnetes Spionagemuseum wieder schließen wollte. Der damalige Mitarbeiter Ingo Mersmann übernahm das Haus – und heute liegen die Besucherzahlen im oberen fünfstelligen Bereich: „Wir haben die Zahlen um 35 Prozent gesteigert.“

Dazu hat Mersmann das Museum vorsichtig, aber sichtbar verändert – mit Detailtreue und Sachkunde, die der frühere Kunsthändler als Ex-Mitarbeiter eines deutschen Nachrichtendienstes mitbrachte: Bisherige Lagerräume ließ er umbauen zu Ausstellungsflächen, so dass heute auf 2500 Quadratmetern bis zu 2000 Exponate aus der Welt der Spionage zu sehen sind.

Besucher kommen aus Brasilien

Drei Ausstellungen stemmte das 18-köpfige Team im vergangenen Jahr. Nachrichten über die Judas-Schau brachten es bis in den Vatikan. Für den Nachbau des Hauses, in dem sich der Terrorist Osama bin Laden versteckt hat, kam ein Gast sogar aus Brasilien, berichtet Mersmann: Und nach der Revolutionskappe von Fidel Castro, die zur weltweit einmaligen Sonderausstellung über Spioninnen gehört, fragte auch schon der kubanische Konsul.

Über die Schauen hinaus hat Mersmann die Anzahl der Vorträge und Führungen erweitert. „Ich allein halte sieben bis acht Führungen im Monat“ – und wer dem Fachmann zuhört, wie er ausgiebig und stets versiert über Weltereignisse und die Arbeit der Nachrichtendienste spricht, kann sich gut vorstellen, dass eine solche Führung bis zu zwei Stunden dauern kann.

Knapp 60 Prozent der Museumsgäste kommen in Gruppen, am Wochenende hingegen Privatleute. Manchmal, verrät Mersmann, seien unter den Besuchern sogar Ex-Kollegen. „Das merkt man an den Fragen, die gestellt werden.“

Museum will Ort für Geschichte sein

Gezeigt habe sich, dass die meisten Besucher geschichtsinteressiert seien. Darauf will Mersmann sich 2015 konzentrieren und mit drei neuen Ausstellungen das bisherige Familienmuseum in einen Ort für Historisches wandeln. Seine Exponate inszeniert er – so soll der Nachbau des Führerbunkers auch Kulisse für eine Ausstellung über Deutschland im Jahr 1945 werden. Mit einem Stück der Berliner Mauer will der Museumschef die Spionage in der DDR veranschaulichen.

Geplant ist zudem, den Eingangsbereich des Museums umzubauen. „Das sieht hier einfach noch nicht nach Museum aus“, meint Mersmann. Unter anderem soll ein Café eingerichtet werden, das an Berlin im Jahr 1944 erinnert.

Kooperation mit anderen Museen, Institutionen und Fachfirmen werden 2015 intensiver. So greift „Top Secret“ für die in dieser Woche startende Ausstellung „Spione in Uniform“ auf eine Leihabe des Deutschen Alliiertenmuseums zurück – einen Geländewagen, den die Amerikaner zur Spionage in der DDR nutzten.

Ein hartes Jahr, schließt Ingo Mersmann, liege hinter ihm. „Aber es war ein gutes.“ Auch für das kommende ist er optimistisch: „Das Museum trägt sich heute.“