Metamorphose
11.08.2009 | 17:26 Uhr 2009-08-11T17:26:00+0200
Der Kontrast könnte größer nicht sein. Eine Baustelle, beherrscht von Betongrau. Staub überall.
Am vermeintlichen Ende des Raumes Plastikplanen, die von der Decke bis zum Boden reichen. Und zwischen den Bahnen eine Lücke, die die Sicht freigibt auf eine andere Welt. Eine Kirchenwelt mit Altar, Bänken und Kerzengeflacker. Um es kurz zu machen, die Heilig Geist Kirche lebt. Ein Teil von ihr macht nur gerade eine Metamorphose durch.
„Die Kirche war hier identitätsstiftend”, sagt Architekt Wilhelm Hausmann. Deshalb wurde sie erhalten. „Man hat sich hier auf das Wesentliche konzentriert”, so der Architekt. Denn im Gegensatz zur Kirche wurden Pfarrhaus und -heim verkauft. „Mit dem Verkauf der Hälfte des Kirchengrundstücks finanzieren wir den Umbau”, verdeutlichte gestern Thomas Eisenmenger, Pfarrer der Großpfarrei St. Marien bei einem Rundgang über die Baustelle. Vom Bistum gebe es keine Zuschüsse für die Arbeiten, für die Kosten in Höhe von 150 000 Euro veranschlagt wurden. „Das ist sehr wenig”, wie Hausmann befand.
Eisenmenger und Hausmann berichteten, was aus Heilig Geist einmal werden soll, die als „weitere Kirche” nicht mehr aus Kirchensteuermitteln finanziert wird. Nach der Umbauzeit, die Ende September abgeschlossen sein soll, wird zwar kein Schmetterling aus dem jetzt noch grauen Betonstaub schlüpfen. Der Kirchenstandort Heilig Geist wird aber dennoch in gewisser Weise flügge. Denn ein Teil des Kirchenraumes verwandelt sich jetzt nach den Plänen Hausmanns zu einem Hauptveranstaltungsort. Eisenmenger: „Hier können Gemeindeveranstaltungen stattfinden.” In erster Linie wollten sie den 80 Quadratmeter großen Raum jedoch an Gastronomie oder Privatleute vermieten. Die Einnahmen kämen wiederum der Gemeinde zugute.
Direkt neben dem Hauptveranstaltungsort liegt die Montanstube, die sich für kleinere Gesellschaften bis zu 30 Personen eignet. Hier wird auch die Montanausstellung der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB), die einst im Pfarrheim zu sehen war, ein neues Zuhause finden.
Durchs eigentliche Foyer und über den Turm gelangt man in die erste Etage, in die ein Kunsthändler einziehen wird. „Die Vertragsverhandlungen laufen”, so Hausmann. Der Architekt und sein Team hatten übrigens mit dem Kirchturm so ihre Probleme. Nach Bauplänen vom Turm waren dessen Mauern 30 cm dick. Hausmann: „Tatsächlich waren es 80 cm.” Ein wehrhafter Turm, dessen Mauern nicht so leicht zu durchbrechen waren. Geheizt wird die Kirche jetzt über eine Heizung in der Decke, die im Erdgeschoss warme Luft nach unten bringt. und in der ersten Etage quasi als Bodenheizung funktioniert. Der Hauptveranstaltungsort, in den die Decke samt Heizung eingezogen wurden, wird von zwölf Säulen getragen. „In Anlehnung an die zwölf Apostel”, sagt der Architekt. Und Eisenmenger erklärt: „Weil wir das Pfarrheim St. Michael schließen, haben wir mit der Heilig Geist Kirche am östlichsten Standort der Pfarrei auch Möglichkeiten, Gemeinde zu leben.”

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