Messer in Hennen
08.05.2008 | 17:40 Uhr 2008-05-08T17:40:00+0200PREMIERE. Michael Masberg inszeniert David Harrower. Dessen Debüt-Stück gibt's vier Mal im Malersaal zu sehen - ab heute.
Wenn sie alles möglichst genau benennen kann, denkt die junge Landarbeiterin, wenn sie treffende Namen so in die Dinge stoßen kann wie sie "Messer in Hennen" stößt, dann kann sie ihre Umwelt besser verstehen. Ob sie recht hat, wird sich heute Abend zeigen - wenn mit Michael Masbergs Inszenierung des Stücks von David Harrower die letzte Premiere dieser Spielzeit im Malersaal gefeiert wird.
Als Autor war der schottische Dramatiker Anfang der 90er nicht sehr erfolgreich; tatsächlich als Tellerwäscher habe er sich durchgeschlagen, erzählt man sich. Dann "Messer in Hennen": 1995 in Edinburgh uraufgeführt und 1997 in der Baracke des Deutschen Theaters in Berlin erstmals in Deutschland gezeigt, wählten es die von der Fachzeitschrift Theater Heute befragten Kritiker zum besten ausländischen Stück des Jahres.
Zwischen zwei Männern auf Identitätssuche
Die junge Frau steht zwischen zwei Männern: ihrem eigenen, dem grobschlächtigen Pony-William (Jan Kämmerer), der sein Geld als Pflüger verdient und dem Müller Gilbert Horn (Caspar Kaeser), der ein Außenseiter ist und doch ganz anders, als ihn die Dorfgemeinschaft immer dargestellt hat. Und sie ist auf der Suche nach ihrer Identität. "Wo bin ich in der Welt?", sei eine zentrale Frage des Stücks, sagt Regisseur Michael Masberg ("Das Herz eines Boxers"), und damit gut auch für junge Zuschauer geeignet - schließlich sei das ein großes Thema für Heranwachsende.
Auf der "sehr sinnlichen Bühne" (Masberg) von Stefanie Dellman entspinne sich eine Dreiecksbeziehung zwischen dem Pflüger, der jungen Frau (Claudia Fritzsche) und dem Müller, bei dem die Suchende zumindest Verständnis für ihre Fragen findet. Die beiden Männer lebten wie in verschiedenen Welten, beschreibt Dramaturgin Julia Dina Heße, "die Frau ist der flirrende Punkt, der immer hin und her springt".
Neben der Identitätssuche gäb's auch noch "Sex and Crime", sagt Masberg, das alles unbeschwert erzählt. Das Stück werfe viele Fragen auf - was er am Theater schätze, wie der 26-Jährige betont: "Aus der Zeit der Antworten sind wir schon lange raus."Für die Premiere gibt es nur noch Restkarten (zwölf Euro, Tel: 86 78 184). Weitere Vorstellungen (8,50 Euro) von "Messer in Hennen" sind für den 15. und 21. Mai geplant, die letzte gibt's am 10. Juni. Alle beginnen um 19.30 Uhr.

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