Menschliche Abgründe in grandiosem Panorama

Einen Psychothriller empfiehlt der Sterkrader Buchhändler Arndt Wiebus: „Kleine Lebewesen huschten davon“, ist ein in seiner poetischen Beiläufigkeit beispielhafter Satz. Wir befinden uns in Montana, USA, und mitten in Kim Zupans Thriller „Die rechte Hand des Teufels“. Der alt gewordene John Gload hat das Morden vor Jahrzehnten als Seinsform gewählt und seine Opfer spurlöschend vielteilig verschwinden lassen. Der junge Deputy Val Millimaki ist immer wieder erfolglos bemüht, ihn dingfest zu machen. Unter der weit gespannten Kuppel grandioser Landschaftspanoramen tun sich dabei menschliche Abgründe auf. In Wasserläufen und auf Äckern werden immer wieder Hände ohne Arme und Schädel ohne Zähne gefunden. Die rechte Hand des Teufels ordnet Leben und Tod nach einer ganz eigenen Moral, in der jemanden nicht umzubringen der Freundschaftsbeweis für den so ahnungslos Verschonten ist. Warum nicht die schlicht töten, die die abstruse Ordnung stören? Der Psychothriller steuert einem frappierenden Ende entgegen. Als eine Art ungewollt befreundeter Testamentsvollstrecker Gloads, muss Millimaki dessen Anweisungen folgen. Denn wie sagt der Killer als rechte Hand seines gehörnten Vorgesetzten: „Ist alles geregelt und so legal wie Gott!“ Foto: Tom Thöne


Kim Zupan: Die rechte Hand des Teufels. Aus dem Amerikanischen von M.-L. Bezzenberger. Knaur Verlag, 2014. 9.99 Euro.