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Straßenbahnlinie 105

Meinungen prallen hart aufeinander

21.01.2015 | 08:00 Uhr
Meinungen prallen hart aufeinander
Mit Interesse verfolgten die Bürger das Für und Wider zum geplanten Lückenschluss der Linie 105.Foto: Gerd Wallhorn

Oberhausen.   Zweifel an Fahrgast-Prognosen, Sorge vor Finanzlasten für Oberhausen. Zuhörer fordern Beteiligung des Centros. Befürworter: Schneller und bequemer.

Der 81 Millionen Euro teure Lückenschluss der Straßenbahnlinie 105 ist ein Thema, das angesichts seiner finanziellen und baulichen Größenordnung die Emotionen hochkochen lässt. Buhrufe, Beifall, lautstarke Zwischenbemerkungen kamen denn auch beim Stadtgespräch, zu dem WAZ, VHS sowie „Arbeit und Leben“ eingeladen hatten, immer wieder vor. Die 245 Zuhörer in der Luise-Albertz-Halle stellten am Montagabend viele Fragen – vor allem nach den hohen Kosten, der Art der Streckenführung und den Fahrgast-Prognosen.

8400 Fahrten zusätzlich?

Wie kommt die Stoag darauf, dass werktäglich 8400 zusätzliche Fahrten das VRR-Nahverkehrsnetz nutzen, wenn der Lückenschluss vollzogen wird? Eine Zahl, die viele anzweifeln, auch BOB-Fraktionschef Karl-Heinz Mellis: „Über 6000 Personen sollen sogar wegen der Linie von PKW auf den öffentlichen Nahverkehr umsteigen.“ Er verlangte, dass das standardisierte Bewertungsverfahren, das dem Projekt eine hohe Wirtschaftlichkeit bescheinigt, veröffentlicht wird. Bisher weigert sich hier aber noch der zuständige Bund.

Stoag-Geschäftsführer Peter Klunk hält die zusätzlichen Fahrgastzahlen für plausibel, da die Attraktivität des gesamten VRR-Netzes im Westen des Ruhrgebiets zunehme. „Die Zahlen hat eine Computersimulation ergeben“, sagte er.

Ein Bürger, der sich die Mühe gemacht hatte, die Nutzer der Linie 105 und der Buslinie 185 zu zählen, zweifelte daran, dass aktuell rund 1000 Kunden pro Tag an der Stadtgrenze von Essen und Oberhausen umsteigen. „Wieso verbessert man nicht einfach die Umsteigemöglichkeit in den Bus, das wäre doch billiger?“, meinte ein anderer.

Gegen die geplante Streckenführung sprach sich Renate Lütte von der Bürgerinitiative „Wir an der Essener“ aus: „Die Straßenbahn fährt im Zentimeterabstand an unserem Garten vorbei. Es gibt kein Straßenbegleitgrün mehr, Lärm und Staub sind die Folge. Die Grundstücke verlieren enorm an Wert.“ Auf Kritik stieß auch, dass ein Teil der Strecke durch das kleine Wäldchen führen wird. „Wie viel wird dafür wohl abgeholzt?“

Die Kosten

Große Bauchschmerzen haben viele Zuhörer in der Stadthalle wegen der Investitions- und Unterhaltungskosten. Auch wenn Bund und Land 66 Millionen Euro an Fördermitteln bereitstellen: Kann und soll sich die Stoag 13 Millionen Euro Eigenanteil und damit jährlich 300.000 Euro an laufenden zusätzlichen Nettobetriebskosten in den nächsten 30 Jahren leisten? Für den CDU-Ratsherrn Denis Osmann lautet die Antwort: „Nein.“ Dagegen meinte Klunk, bei einem Stoag-Jahresumsatz von 50 Millionen Euro sei dies verkraftbar.

Wie wäre es, wenn sich das Centro an den Investitionen beteiligen würde, da das Einkaufszentrum von der Linie 105 besonders stark profitiere, schlug ein Bürger vor.

Befürworter des Projekts meldeten sich auch zu Wort. Ein Anwohner der Mülheimer Straße betonte, dass viele Beschäftigte der Unternehmen in der Neuen Mitte den Lückenschluss begrüßen würden, weil sie damit schneller und bequemer zu ihrem Arbeitsplatz kämen. „Das ist eine Investition in die Zukunft.“ Für das Projekt spreche auch, dass auch das Radwegenetz in dem Areal verbessert werde.

Manch einer setzt auf eine Entspannung auf den Straßen rund um das Centro. „Wenn das Umsteigen von der Linie 105 in den Bus entfällt, werden viel mehr die neue Linie nutzen. Die Folge: Es gibt weniger Staus und auch damit weniger Lärm und weniger Abgase.“

Frank Helling

Kommentare
22.01.2015
10:06
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von filzer47 | #9

Seien sie mir nicht böse drmccoy, falls sie die Berichterstattung der WAZ wirklich aufmerksam verfolgt hätten, hätten sie bemerkt, dass diese...
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2015-01-21 08:00
Oberhausen, Straßenbahnlinie 105, Ausbau, Debatte
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