Mehr Patienten in Oberhausener Notaufnahmen

In Notaufnahmen kommt es zu längeren Wartezeiten.
In Notaufnahmen kommt es zu längeren Wartezeiten.
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Was wir bereits wissen
Lange Wartezeiten, überfüllte Ambulanzen – manchmal liegen die Nerven blank und die Patienten werden aggressiv. Verbale Gewalt in Form von Androhung von Beschwerden oder körperlicher Gewalt meist am Wochenende.

Oberhausen.. Ob Schulterschmerzen, fehlende Medikamente oder Erkältungskrankheiten: Immer mehr Oberhausener suchen die Notaufnahme der hiesigen Krankenhäuser auf – was zwangsläufig zu langen Wartezeiten führt. „Im St. Clemens-Hospital behandeln wir täglich 120 Notfallpatienten, das sind knapp zehn Prozent mehr als im Vorjahr – eine Wartezeit von einer Stunde sollten Patienten da einplanen“, sagt Anette Kary, Sprecherin des Katholischen Klinikums Oberhausen (KKO), zu dem auch das St. Marien-Hospital und St. Josef-Hospital gehören, auf NRZ-Anfrage.

Besonders an Wochenenden und Feiertagen, wenn niedergelassene Ärzte geschlossen haben, kommt es zu einem erhöhten Patientenandrang: „Dann werden bei uns an einem Tag zirka 200 Patienten behandelt“, so Kary. Dieser Trend sei zum einen der geringen Eigenverantwortung der Patienten geschuldet, meint die Sprecherin. „Auch bei Erkältungskrankheiten, Fieber oder Beschwerden, die schon länger auftreten, wird die Notaufnahme aufgesucht.“ Zum anderen gebe es Menschen, die es versäumt haben, rechtzeitig zum Hausarzt zu gehen oder nicht auf einen Termin bei einem Facharzt warten wollen.

Viele Beschweden nicht akut

Beatrice Voß, Sprecherin des Evangelischen Krankenhauses Oberhausen (EKO) weiß um weitere Ursachen: „Auf Grund des demografischen Wandels werden inzwischen mehr Menschen im hohen Alter wegen Unfällen in die Notaufnahme gebracht. Zudem scheuen Patienten Wege zu unterschiedlichen Ärzten und möchten gerne an einem Ort umfassend untersucht und behandelt werden.“

Notfallpatienten seien Patienten, die per Notarzt-, Rettungs- oder Krankenwagen sowie eigenständig, ohne Überweisung, in die Notaufnahme kommen. Natürlich werden auch Menschen vorstellig, deren Beschwerden nicht akut seien, sagt Voß. „Das sind fast 50 Prozent unserer täglich 130 Notfallpatienten, beispielsweise, wenn der Patient Medikamente haben möchte oder Auffälligkeiten an sich nicht erklären kann.“

Problem: Alkoholismus

Die steigenden Patientenzahlen würden in der Regel auch zu längeren Wartezeiten führen: „Das lässt sich nicht vermeiden. Aber schwere Erkrankungen und lebensbedrohliche Notfälle haben immer höchste Priorität und werden sofort behandelt“, erklärt Voß. Alle anderen Patienten kämen nach Dringlichkeit dran. „An jedem Tagen wird eine Ersteinschätzung durchgeführt, um die Patienten in Dringlichkeitskategorien einzuteilen. Damit ist auch bei hohem Patientenaufkommen sichergestellt, dass die Patienten, die schnell Hilfe benötigen, diese auch bekommen“, so die Sprecherin des EKO. An Tagen, an denen mehr Patienten erwartet werden, werde zusätzliches Personal eingesetzt. „Allerdings sind Spitzen im Vorfeld nicht absehbar und für den Ausgleich jeder Leistungsspitze fehlen unserem Gesundheitssystem die Ressourcen“, beklagt Voß.

Besonders schwer wiegt im Kontext langer Wartezeiten in überfüllten Notaufnahmen die Tatsache, dass es immer häufiger zu verbalen, aber auch körperlichen Entgleisungen von Patienten oder Angehörigen kommt. „Leider kommen solche Fälle auch bei uns vor. In der Regel ist das verbale Gewalt in Form von Androhung von Beschwerden oder körperlicher Gewalt. Das lässt sich vermehrt am Wochenende beobachten und ist meist auf Alkoholismus zurückzuführen“, so Voß. Im St. Clemens-Hospital und der Helios St. Elisabeth-Klinik komme es in Ausnahmefällen dazu, dass leicht verletzte Patienten ungehalten und lautstark auf längere Wartezeiten reagieren. „Durch deeskalierende Gespräche und die Erläuterung der Reihenfolge lässt sich die Situation meist gut entschärfen“, so Corinna Saccaro, Sprecherin der Helios St. Elisabeth-Klinik, wo durchschnittlich bis zu 40 Patienten am Tag die Notaufnahme aufsuchen.