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Medaille und Kehrseite

21.02.2008 | 18:58 Uhr

Während der industriell geprägte Bereich der Wirtschaft boomt, muss der kleinere Mittelstand kämpfen.Die einen suchen qualifizierte Mitarbeiter, die anderen händeringend Aufträge

Volle Auftragsbücher, Überstunden ohne Ende, positive Grundstimmung bei den Oberhausener Firmen - diesen Eindruck vermittelt die Blitzumfrage der UnternehmerverbandsGruppe (UVG). Doch jede Medaille hat zwei Seiten. Während die industriell geprägten Firmen kaum über mangelnde Arbeit klagen können, muss der kleinere Mittelstand kämpfen.

Wie unterschiedlich die Ausgangslage sein kann, zeigten gestern zwei Geschäftsführer von Oberhausener Unternehmen auf, die beide der UVG angehören. Da ist Peter Weißenfels, Chef des Babcock-Fertigungszentrums.

Seit zwei Jahren läuft die Nachfrage nach neuen Kraftwerken auf Hochtouren und damit auch die Produktion der Firma, deren Technologie weltweit begehrt ist. Der Erfolg hat aber auch eine Kehrseite. Zum einen sind hochwertige, extrem hitzebeständige Spezialstähle kaum zu bekommen. Teilweise muss Babcock nach Japan ausweichen, um fündig zu werden. In der Regel wird der Stahl erst ein Jahr nach Auftragseingang produziert. Und: Nach dem massiven Jobabbau in den 90ern fehlen nun die Fachkräfte. Viele Hochqualifizerte gingen damals in Frührente - was wiederum dafür sorgte, dass zu wenig Nachwuchs kam. "Heute nehmen sich die Firmen gegenseitig die Leute weg", so Weißenfels, der den Engpass bevorzugt mit Mitarbeitern behebt, die in seinem Haus ausgebildet werden. Das 130-Mann-Unternehmen beschäftigt deshalb neben 130 Mitarbeitern auch neun Azubis. Zwei weitere kommen in diesem Jahr hinzu.

Ganz anders sieht es bei der Eisenbau GmbH aus, einem Mittelständler, der Kunststofffenster baut. "Bei uns ist die Arbeit relativ knapp", berichtet Frank Pomplun-Hofmann. Fast alle der 17 Mitarbeiter des 1921 gegründeten Unternehmens hätten bereits dort gelernt. Doch es sei nicht einfach, den Personalstand zu halten. Grund: Die schwache Kaufkraft in OB und dem Ruhrgebiet: "Es gibt hier einen hohen Wohnungsleerstand. Die Ungewissheit, ob noch ein Mieter gefunden wird, hält die Eigentümer davon ab, in neue Fenster zu investieren". Extrem wichtig ist deshalb der Export nach Holland, das 30 % der Produktion abnimmt. Die Fensterprofile aus OB genießen im Nachbarland einen sehr guten Ruf.

Von Rolf Kiesendahl



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