Lirich - Überhaupt nicht schmierig
30.11.2010 | 09:00 Uhr 2010-11-30T09:00:00+0100
Oberhausen.„Lirich, klein und schmierig“, hieß es früher im Volksmund etwas abfällig über den Stadtteil an der Stadtgrenze zu Duisburg-Meiderich. Dabei zeigt der Rundgang: Es gibt idyllische Ecken hier und jede Menge Ruhrgebiets-Romantik.
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Die Führung haben diesmal übrigens sechs Persönchen übernommen. Die Dritt- und Viertklässler Leon, Lea, Laura, Tom, Jule und Rabea von der Katherinenschule flitzen jeden Tag durch Lirich und zeigen, was ihnen gut gefällt. Zwischen Babcock-Gelände und Müllverbrennungsanlage gibt’s viel zu entdecken.
Lieblingsort Numero eins ist natürlich der Jugendhof an der Eschenstraße, unser Treffpunkt. Nach der Schule machen die Jungen und Mädchen hier im „offenen Ganztag“ Hausaufgaben, spielen, toben und finden sich zur Gruppe „Fit für den Alltag“ zusammen. „Wir gehen manchmal einkaufen, pflanzen Blumen oder backen etwas“, erzählt Lea. Die Zehnjährige findet es super, dass die Sechs donnerstags immer etwas unternehmen, allerdings – „die Jungs nerven manchmal“, sagt sie und rollt die Augen. Manche Dinge ändern sich eben nie.
Große Wiesen und ein Klettergerüst
Der Streifzug mit den Schülern ist übrigens kein gemütlicher Spaziergang. Tom und Leon hüpfen, rennen und kreiseln über den Gehsteig. An der Straße halten sie zunächst brav an, um dann – „gucki, gucki“ – schnell rüber zu rasen. Sie haben keinen Blick für die klassischen Einfamilienhäuser, wie sie so oft im Ruhrgebiet stehen. Die Fassaden nicht unbedingt auf Hochglanz gebracht, aber deshalb irgendwie charmant. Zwischendurch tauchen Eckkneipen auf, die tagsüber natürlich geschlossen haben.
Die Kinder interessiert eher die Bude, in der sie ihr Erspartes in Kaugummi und Lutscher investieren. „Der Kiosk da ist voll gut. Aber weißt Du, was eklig ist?“, fragt Tom (8). „Da kann man Stinkbomben kaufen. Wer will denn sowas!“, erklärt er naserümpfend. Obwohl der Drittklässler erst vor kurzem nach Lirich gezogen ist, kennt er sich schon bestens aus. Zielstrebig läuft er zum Bonnmann-Spielplatz, neben der Trainingsstätte von Arminia Lirich. So nennen die Kinder das Gelände. Dass das Straßenschild es als „Heinrich-Jochem-Platz“ deklariert, stört sie nicht. Zum Toben gibt es große Wiesen, am Klettergerüst kann man sich entlanghangeln und mit einem Schaufelbagger riesige Löcher in den Sand graben.
Die erste urkundliche Erwähnung Lirichs geht auf das Jahr 972 zurück. Lirich bildete mit Lippern den Kern der Gemeinde Oberhausen, die 1862 gegründet wurde. Der Ort gehörte bis zu diesem Zeitpunkt zur Bürgermeisterei Borbeck. 1850 wurde die Zeche Concordia gegründet. Ihre Schließung erfolgte 1968.
Heute zählt der Stadtteil 15.328 Einwohner, davon sind 7540 männlich und 7788 weiblich. Der Ausländeranteil beträgt 17 Prozent. 1106 Menschen sind derzeit arbeitslos. Der Großteil der Bewohner ist zwischen 40 und 60 Jahren alt. 711 Menschen sind über 80 Jahre alt, 411 Kleinkinder bis drei Jahren leben in Lirich.
Noch so ein Abenteuerspielplatz ist die Schleuse. Die Kinder halten sich nicht lange mit wippen und schaukeln auf und sausen weiter durch das Blumenviertel. „Das ist so toll am Wasser, man kann hier inlinern und sieht viele Hunde und Jogger“, weiß Laura.
Ein Schiff wird geschleust
Was für ein Glück: Gerade wird ein Schiff geschleust. Der Kahn „Heinrich Haren-Ems“ fährt unter niederländischer Flagge Richtung Duisburg. „Guck mal, wie das Wasser hochgepumpt wird“, sagt Tom und zeigt auf die braune Brühe. „Aber schwimmen will ich darin nicht.“ Soll er ja auch nicht, ist hier verboten!
Erst als es fast zu dunkel ist, reißen sich die Stadtführer vom Panorama los und hüpfen nach Hause. In Lirich, so viel ist sicher, kann man (nicht nur als Kind) viel entdecken.

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Lirich ist und bleibt klein, aber nicht schmiereg.