Das aktuelle Wetter Oberhausen 13°C
Soziales

"Lieber in Qualität statt Quantität investieren"

09.07.2011 | 17:49 Uhr
"Lieber in Qualität statt Quantität investieren"
Foto: Knut Vahlensieck - Symbolbild Familie

Oberhausen.Jahr für Jahr sind mehr Kindergärten zu Familienzentren ausgebaut geworden, bislang sind 19 der rund 80 Kindertageseinrichtungen in Oberhausen zertifiziert. Mehr werden es erstmal nicht: Die Landesregierung will den Ausbau auf Eis legen. Die NRZ hat bei Fachleuten nachgefragt.

„Natürlich wäre es schön, wenn wir überall Familienzentren hätten. Aber angesichts der Haushaltslage müssen Pläne schon mal abgespeckt werden. Das kennen wir in Oberhausen ja nur zu gut“, sagt Sozialdezernent Reinhard Frind. „Damit sind die Pläne ja nicht grundsätzlich aufgehoben, sondern nur aufgeschoben. Und in der jetzigen Situation sind wir als Kommune froh, wenn vorrangig für eine vernünftige finanzielle Ausstattung der vorhandenen Zentren gesorgt ist.“

Das sieht auch Klaus Gohlke, Leiter des Kinderpädagogischen Dienstes der Stadt, so: „Die Familienzentren haben so umfassende Aufgaben – dafür braucht’s einfach mehr Geld. Das haben wir auch immer wieder als Rückmeldung ans Land gegeben. Insofern entspricht diese Änderung durchaus unseren Wünschen.“ Und mit den bisherigen 19 Familienzentren sei man, was die Flächenabdeckung anbelange, schon recht gut aufgestellt: „Wir haben die Verteilung ja nicht ausgelost, sondern schon darauf geachtet, dass die Zentren sozialräumlich vernünftig platziert sind“, so Gohlke.

Hilfsangebote bei Familienzentren

Will heißen: Wo viele Familien mit besonderen Problemlagen zu Hause seien, gebe es wohnortnah Familienzentren mit entsprechenden Hilfsangeboten – etwa Deutschlern-Angebote für Mutter und Kind, Vorträge zu Erziehungsfragen, Ernährung oder Ähnlichem. „Da leisten die Familienzentren wichtige Arbeit – gerade für Eltern, die sich nicht trauen würden, zentrale Beratungsstellen anzusteuern. Im Kindergarten, da, wo man sowieso hingeht, wird die Hilfe viel eher angenommen.“

Angesichts dieser komplexen Aufgaben sei die finanzielle Ausstattung von Anfang unzureichend gewesen: „Deshalb ist es sinnvoll, jetzt lieber in Qualität statt in Quantität zu investieren. Das ist zunächst der bessere Weg“, so Gohlke. Statt der bisherigen 12.000 Euro pro Einrichtung und Jahr soll es zukünftig 13.000 geben, für Kindergärten in so genannten „benachteiligten Regionen“ 14.000 Euro. „Das ist ein Fortschritt – aber natürlich noch nicht das, was wir uns für eine auskömmliche Ausstattung unserer Einrichtungen wünschen.“

"Stigmatisierung"

Bildungspaket gescheitert

Dirk Rubin, CDU-Stadtverordneter und Geschäftsführer dreier Kindertageseinrichtungen in der Stadt, betrachtet das Ganze als „eher zweischneidig“: „Es ist richtig, dass man die vorhandenen Familienzentren finanziell besser ausstatten muss – das Geld war knapp bemessen. Andererseits würde ich mich nicht von dem Gedanken verabschieden, mit den Zentren weiter in die Fläche zu gehen. Wenn man sich zukünftig mehr auf so genannte Brennpunktgebiete konzentrieren will, kommt das einer Stigmatisierung gleich“, findet Rubin. „Wir brauchen für jedes Kind, für jede Familie, an jedem Standort die jeweils passenden Angebote.“

Martina Nattermann

Facebook
 
Videos die Sie interessieren könnten
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/4850337/create

Umfrage der Woche
Die Stadt Oberhausen hat zu Bürgerversammlungen zum Sparpaket eingeladen und ein Online-Forum geschaltet, in dem Bürger ihre Meinungen zu den Sparvorschlägen für den städtischen Haushalt kundtun können. Was halten Sie von dieser Form von Bürgerbeteiligungen?

Die Stadt Oberhausen hat zu Bürgerversammlungen zum Sparpaket eingeladen und ein Online-Forum geschaltet, in dem Bürger ihre Meinungen zu den Sparvorschlägen für den städtischen Haushalt kundtun können. Was halten Sie von dieser Form von Bürgerbeteiligungen?

Captcha

Bitte übertragen Sie den Code in das folgende Feld:

Wort unleserlich? (Neuladen)

 
Aktuelle Fotos und Videos
Brings im Ebertbad in Oberhausen
Bildgalerie
Konzert
Stimmen zum Rauchen
Video
Video
Radrennen in Oberhausen
Bildgalerie
Pfingstradrennen
Wohnhausbrand in Lirich
Bildgalerie
Feuer
Aus dem Ressort
Bald beginnt die Sterkrade Fronleichnamskirmes
Volksfest
Das Volksfest sei nicht weniger bedeutsam als Crange, finden Schausteller. Am Mittwoch geht’s los.
Rot-Grün: Hallenbäder bleiben offen
Kommunalpolitik
Oberhausener Regierungskoalition beerdigt Sparplan der Stadtverwaltung. Schließung von Sterkrade und Alt-Oberhausen sollte 2,7 Millionen Euro bringen