Leseratten brauchen Futter
07.05.2009 | 17:29 Uhr 2009-05-07T17:29:00+0200Es ist weniger die Tatsache, dass sich die Zahl der Veranstaltungen von der ersten „Lesestadt” binnen zweier Jahre verdoppelt hat, die als größter Erfolg zu werten ist. Mehr noch überzeugt die zu erwartende Klasse, die der mehr als zwölfstündige Lese-Marathon haben wird.
In der Umkleidekabine der ersten Mannschaft von RWO wurden bislang wahrscheinlich von Trainern nur Leviten gelesen, bei der Polizei liest man „Kunden” gemeinhin Vernehmungsprotkolle vor und in einer Tierarztpraxis liegen im Regelfall Zeitschriften aus, in denen man der Welt der Monarchie durchs Schlüsselloch schauen darf. Lesen auch an Orten zu vermitteln, wo man allenfalls ein Scheckbuch vermutet, das macht diese Aktion so wichtig. Die wenig glanzvolle Kehrseite der Medaille ist gleichwohl, dass die Stadt drauf und dran ist, ihre öffentliche Bibliothek unter den Rand des ohnehin schon karg bemessenen Existenzminimums zu sparen. Der Umbau des Bert-Brecht-Hauses, so dringend er geboten ist, macht die Attraktivität der Stadtbibliothek nicht allein aus. Bei Weitem nicht. Beste Präsentationsmöglichkeiten fruchten wenig, wenn es nicht genügend zu präsentieren gibt. Die Bibliothek braucht Medien, vor allem Bücher, um ganzjährig fortführen zu können, worauf am Montag Lust gemacht werden soll. Lesen bildet nur den, der sucht und findet, am besten Bücher, ganz konventionell. Auch Leseratten brauchen Futter.

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