Leser vermissen Visionen für die Stadt Oberhausen

Die beiden Oberbürgermeister-Kandidaten Apostolos Tsalastras (SPD, li.) und Daniel Schranz (CDU, 2.v.li.) trafen Leserbeirat und Redaktion im Gdanska.Foto:Schimmel
Die beiden Oberbürgermeister-Kandidaten Apostolos Tsalastras (SPD, li.) und Daniel Schranz (CDU, 2.v.li.) trafen Leserbeirat und Redaktion im Gdanska.Foto:Schimmel
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Was wir bereits wissen
Zwei Oberbürgermeisterkandidaten stellen sich Fragen der WAZ-Leserbeiräte in Oberhausen: Wie würden sie Neubürger umwerben?

Oberhausen.. Leserbeirätin Rita Angenendt hat sich eine konkrete Frage für dieses Treffen zurecht gelegt. Vor ihr sitzen jene beiden Männer, zwischen denen sich sehr wahrscheinlich die Oberbürgermeisterwahl am 13. September entscheiden wird: Den Christdemokraten Daniel Schranz und den Sozialdemokraten Apostolos Tsalastras hat die WAZ-Redaktion eingeladen, um sich und ihre Ideen den Mitgliedern des Oberhausener Leserbeirats vorzustellen und um über Probleme in der Stadt zu sprechen.

Rita Angenendt bringt beides auf den Punkt: Sie erzählt von einer jungen Familie, die beim Rundgang durch Oberhausen auf leerstehende Läden in den Zentren, auf Dreck und gar ein Unsicherheitsgefühl treffe. „Was sagen Sie dieser Familie, warum es sich trotzdem lohnt, nach Oberhausen zu ziehen?“

Apostolos Tsalastras, Kulturdezernent, wirbt für das Kultur- und Bildungsangebot. „Es gibt wohl keine andere Stadt in dieser Region, die so viele kulturelle Veranstaltungen mit den örtlichen Schulen anbietet.“ Es gelte aber, die City zu beleben: Er will Kreative umwerben, damit sie mit städtischen Zuschüssen Leerstände beziehen.

Um Neubürger zu werben, würde er zudem vom Gemeinschaftsgefühl in dieser Stadt erzählen, sagt Tsalastras. Eine starke Nachbarschaft sei wichtig, damit sich etwa ältere Menschen nicht unsicher und allein fühlen. „Das erreichen wir, wenn wir das Mehrgenerationen-Wohnen noch stärken.“

CDU-Kandidat Daniel Schranz sieht bei mangelnder Sicherheit und Sauberkeit die Verwaltung in der Schuld. „Ich erlebe andere Städte deutlich sauberer.“ Der Ordnungsdienst soll seiner Meinung nach häufiger kontrollieren und gegen Müllsünder Bußgelder verhängen. „Wir müssen mehr tun, als das bisher der Fall war.“

Zugleich gelte es, für mehr Sicherheit durch gemeinsame Streifen von Polizei und Ordnungsdienst zu sorgen. Angsträume seien zu beseitigen: „Wir haben vor Jahren mit dem Grillo-Park begonnen, Grünanlagen gestalterisch zu öffnen.“ Dies sei nicht weiter verfolgt worden.

Leserbeirat Michael Schaffeld vermisst Visionen für Oberhausen. „Ich erinnere mich an eine Zeit, in der Oberhausen mit Superhausen gleichgesetzt wurde“ – ein Begriff aus Zeiten des Centro-Neubaus.

Schranz stimmt zu: „Die Aufbruchstimmung in dieser Stadt ist abgerissen.“ Er beobachtet, dass immer mehr Unternehmen Oberhausen verlassen – und sieht ein Problem in hohen Steuern. „Die Strategie, sich bei den Hebesätzen an die Spitze der Kommunen zu setzen, ist nicht erfolgreich. Diese Politik müssen wir beenden.“

Tsalastras, auch Stadtkämmerer, verteidigt die hohen Steuern für Unternehmer mit Blick auf die klamme Haushaltslage. „Wir hätten auf Steuererhöhungen nicht verzichten können.“ Man hätte alternativ Hauseigentümer und Mieter einseitig belastet. „Das wollten wir nicht.“