Leichte Melodien zum Jahresauftakt in Oberhausen

Gut besucht, aber nicht ausverkauft: Die Anziehungskraft des traditionellen Neujahrskonzerts in der Stadthalle lässt sichtlich nach.
Gut besucht, aber nicht ausverkauft: Die Anziehungskraft des traditionellen Neujahrskonzerts in der Stadthalle lässt sichtlich nach.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Der Besuch des Neujahrskonzerts ist für viele Oberhausener ein Muss. Orchester spielt schwungvoll auf. Sopranistin überzeugt nicht nur gesanglich.

Der erste Sonntag im neuen Jahr – ein vormittäglicher Besuch in der Luise-Albertz-Halle steht an. „Seit 24 Jahren gibt das Orchester Oberhausen hier das Neujahrskonzert”, sagt Helga Ter Laag „und ich habe es erst einmal verpasst.” So ist das erste Konzert im Jahr für so manchen ein gesellschaftlicher Pflichttermin, der allerdings Spaß macht.

Die meisten Gäste schmeißen sich in Schale. „Es ist schlimm, dass mancher nicht mehr weiß, was Etikette bedeutet”, schüttelt Stammgast Katharina Czarny den Kopf mit Blick auf einige Besucher, die wohl in ihren Augen etwas zu leger angereist sind. Ihr Mann dagegen trägt – wie es sich gehört – einen dunklen Anzug samt Krawatte. „Ich musste ja”, sagt er augenzwinkernd zu seiner Frau hinüberblickend. Auch für das Paar ist das Neujahrskonzert des Orchester Oberhausen jedes Mal ein Muss. Und wie beim großen Bruder, dem Wiener Neujahrskonzert, stehen auch in der Luise-Albertz-Halle leichte Operetten-Melodien im Vordergrund.

Gäste schmeißen sich in Schale

Gleich zu Beginn lassen die Musiker unter der souveränen Leitung von Joachim Mayer-Ullmann die schwungvolle, aber zugleich etwas verträumte Ouvertüre von Johann Strauss’ „Indigo und die 40 Räuber” erklingen – seine erste Operette und zugleich sein erster Flop, wie Moderator Klaus Schröter erläutert. „Doch in konzertanter Fassung konnte Strauss mit Versatzstücken aus der Operette, wie auch bei anderen Flops wiederum Erfolge feiern.”

Während die Musiker nicht nur ihr Handwerk beherrschen, sondern auch kleidungstechnisch die gewünschte Etikette wahren, überrascht Tenor Stefan Lux bei seinem ersten Auftritt: In Lederhosen singt er Adams Begrüßungslied aus Carl Zellers „Der Vogelhändler” und beweist mit seiner nonchalanten Performance, dass er nicht nur ein großartiger Sänger ist, sondern auch ein geborener Entertainer. Weitaus klassischer fällt da Susanna Rieschs schwarzes Kleid bei ihrer Darbietung aus Carl Millöckers „Die Dubarry” aus.

Doch von nun an wechselt die Sopranistin mit jedem Auftritt ihr Outfit: rosa Glitzer, rote Versuchung, gewagtes Grün und elegantes Blau. „Man, hat die Kleider”, seufzt eine Zuschauerin nicht ohne Neid. Dagegen kommt auch Stefan Lux nicht mehr an, weshalb er seine restlichen Auftritte – mal solo, mal im charmanten Duett mit Susanna Riesch – im klassischen Frack absolviert.

Stimmen sind „Höhepunkt des Konzerts”

Doch nicht nur in Sachen Mode ist das Gesangsduo weit vorn. Für Helga Ter Laag sind ihre Stimmen der „Höhepunkt des Konzerts”. „Das Orchester ist aber ebenfalls klasse” ergänzt sie fix. Das empfinden viele so: Mit entsprechend viel Applaus werden die Interpretationen der Polkas und Walzer aus den Federn der Wiener Operetten-Könige des ausgehenden 19. Jahrhunderts bedacht.

Ein Wermutstropfen dieses Neujahrskonzerts bleibt die Beobachtung, dass die Anziehung der Veranstaltung Kraft eingebüßt hat. Einige Stühle bleiben unbesetzt und jüngeres Publikum sucht man weitestgehend vergebens.