Karneval
Langer Marathon beim Prunk auf der Hardt
17.01.2010 | 16:46 Uhr 2010-01-17T16:46:00+0100
Oberhausen. Auch die Schlagermafia merkt schnell: Die Prunksitzung der 1. KG Königshardt ist ein Fall für Stehauf-Männchen. Der Veranstaltung an der Kiefernstraße ist auch in der aktuellen Session ein närrischer Marathon.
Für einige Sekunden muss der Sänger im schneeweißen Anzug und mit der dunklen Sonnenbrille selbst schmunzeln. Gerade hat er dem rappelvollen Saal an der Kiefernstraße ein reizendes Kompliment gemacht: „Ihr seid kriminell-gut!” Das kann man durchaus so stehen lassen, wenn die Gruppe Schlagermafia auf der Bühne wirbelt.
Seit einigen Stunden ist die Prunksitzung der 1. KG Königshardt bereits im Gange. Und so langsam stellt sich der erste Muskelkater ein. Nicht nur bei den Bedienungen, die sich mit klaren Zielen vor Augen durch die Sitzreihen kämpfen, dabei dem Luftballon-Gebinde trotzen und einem Dauerlauf der Künstler gen Bühne ausweichen. Auch die Gäste selbst haben ihre Portion Spät-Sport bereits hinter sich gebracht. „Sitzplatz” steht auf der Eintrittskarte. Doch den meisten Künstlern ist das schnuppe. „Aufstehen! Die Hände zum Himmel! Und jetzt alle!”
„Aufstehen! Die Hände zum Himmel! Und jetzt alle!”
Kaum eröffnet der Vorsitzende der Königshardter Hans-Hermann Mleczak die Sitzung, schon ist es vorbei mit dem urigen Platzhalter-Spiel. Die Bestellung „'n Krefelder, bitte!” gerät zum Missverständnis. Statt des Mischgetränks stehen die Oedingsche Jonges auf dem Tisch. Die Herren vom Niederrhein verflüssigen sich nicht, ohne das Publikum zum ersten Mal zu veranlassen, ihre angewärmten Sitzgelegenheiten zu verlassen. Das schweißt zusammen. Tränen Lügen nicht. Und ab geht es für die Jonges zurück nach Krefeld.
Die ersten setzen sich wieder auf ihre Plätze, erfahrene Gäste der Sitzung können darüber nur müde lächeln – über das Parodie-Duo „Tante Luise und Herr Kurt” übrigens auch. Die lassen die Hardter nämlich erneut in die Senkrechte schnellen. Mit Witz und Tricks wird es akrobatisch. Eine schrullige Tante verbiegt sich ordentlich. Springt durch Reifen, balanciert auf Händen und nutzt die Zeit dazwischen, um nordische Scherze unters Volk zu bringen.
Die hat Redner Wolfgang Reich ohne Zweifel auch auf Lager. Doch bei seinem Auftritt ist der Saal längst auf Betriebstemperatur, das Zuhören fällt schwer, da das nächste Stehauf-Männchen schon vor der Tür steht: Jörg Bausch rauscht in den Saal, hämmert ohne Kompromisse mit Bässen von den Sitzen. Da erfolgt die Flucht der Gäste einfach gen Bühne: Ein Tanz-Marathon der eigenen Sorte, obgleich die KGK ordentlich Schützenhilfe leistet. Bei den Tänzen der drei Garden der Gesellschaft lassen sich einige Schritte abgucken. Mariechen Lea zeigt, dass bereits in jungen Jahren Bewegung gelingt.
Fünf Stunden stecken am Ende Aktiven wie Besuchern in den Beinen – und noch immer ist nicht Schluss. Der Elferrat belohnt die sportliche Sitzung mit einer Aprés-Ski-Party und schlüpft in die Kostüme von Schlager-Stars. DJ Ötzi haucht ein leises „gute Nacht” den Saal. Aus dem schallt es laut zurück. Der Soundtrack für das kommende Jahr kann nur lauten: „Steh auf, wenn du Hardter bist!”

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