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Ausbildung

Kurz vor 12

13.03.2008 | 18:19 Uhr

Der selbstständige Hörgeräte-Akustiker und Augenoptikermeister Andreas Schwanke ruft Jugendliche zu mehr Eigeninitiative bei Bewerbungen auf.

Alle Jahre wieder ist Ausbildung in Familien, Schulen und Betrieben ein wichtiges Thema. Und alle Jahre wieder müssen künftige Azubis und Lehrmeister zusammenkommen. Nicht immer klappt das reibungslos, weiß Andreas Schwanke. Der Hörgeräte-Akustiker und Augenoptikermeister hatte im letzten und in diesem Jahr Glück: „Ich hab tolle Auszubildende.” Nicht von ungefähr, sagt er. Entscheidend sei, „dass ich als Arbeitgeber die Jugendlichen ernst nehme. Klar, dass die in dem Alter ein bisschen Revoluzzer sind. Das waren wir früher doch auch.” Im Gegenzug habe er aber auch Erwartungen an die Jugendlichen, die einen Ausbildungsplatz suchen: „Zunächst muss sich ein Bewerber, eine Bewerberin klar werden, wo seine oder ihre Interessen und Fähigkeiten liegen.” Schwanke ist sicher: „Sieht ein Jugendlicher einen Sinn in dem, was er lernt, ist er auch motiviert.” Dabei komme es nicht darauf an, in allen Fächern ein Einser-Kandidat zu sein: „Wer gut schreiben kann, ist noch kein guter Maurer. Beruf kommt von Berufung, erkläre ich meinen Azubis immer wieder.” Doch nicht nur die Auseinandersetzung mit dem Berufswunsch setzt er voraus: „Es geht auch um Respekt. Im Umgang mit Kollegen, Chefs und Kunden.” Die Eltern will Schwanke dabei nicht aus ihrer Vorbildrolle entlassen: „Ich finde es positiv, wenn ein Jugendlicher seine Mutter oder seinen Vater zum Vorstellungsgespräch mitbringt. Das zeigt mir, dass er familiäre Unterstützung hat.” Auch er als Chef sieht sich als Vorbild: „Ich muss den Azubis doch vorleben, was ich erzähle.” Eigeninitiative bei der Bewerbung sei immer ein Pluspunkt: „Es gibt nichts aussageloseres als Bewerbungen, die die Jugendliche in der Schule schreiben. Die wandern in eine Schreibtischecke. Kommt ein Jugendlicher persönlich und fragt nach einem Ausbildungsplatz – den kann ich nicht in eine Ecke schieben.” Kritik übt er an der Praxis großer Betriebe, „fünf Azubis einzustellen, wohl wissend, dass zwei nach der Probezeit rausfliegen, weil nur drei gebraucht werden. Wie soll man die zwei neu motivieren. Auch das hat mit Respekt zu tun.” Schwanke versteht, dass kleinere Handwerksbetriebe nicht mehr ausbilden, weil sie schlechte Erfahrungen mit Azubis gemacht haben. Er bricht aber zugleich eine Lanze für die Jugend: „Meine Erfahrungen zeigen, dass es geht. Ich will Jugendliche anspornen, selbst die Dinge in die Hand zu nehmen und loszuziehen, um sich in Betrieben vorzustellen.” Inzwischen aber sei es „kurz vor 12”: „Wer bis zu den Osterferien noch keinen Ausbildungsvertrag hat, wird es schwer haben.”

Astrid Knümann (Text), Ulla Emig (Foto)

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