Kultstatus
23.06.2009 | 18:39 Uhr 2009-06-23T18:39:00+0200Das Bert-Brecht-Haus gehört zu den Denkmälern der Stadt – und soll jetzt durch eine Umgestaltung mehr in den Blickpunkt.
Die Mitglieder des Planungs- und Kulturausschusses nahmen gestern in einer gemeinsamen Sitzung den Entwurf der Krefelder UKW Innenarchitekten als Basis für die Umgestaltung des Bert-Brecht-Hauses wohlwollend zur Kenntnis. „Gibt der Rat am Montag sein OK, steht der Umsetzung wohl nichts mehr im Wege”, freut sich Kulturdezernent Apostolos Tsalastras.
Keine Frage: Es muss etwas getan werden. Bereits seit Jahren sind die Modernisierung des Bert-Brecht-Hauses und eine damit verbundene Neugestaltung des Saporoshje-Platzes vieldiskutiertes Thema. „Dank des Konjunkturpaketes II haben wir jetzt die Chance, unsere Visionen auch umzusetzen”, erläutert Planungsdezernent Peter Klunk.
Rund 3,5 Mio Euro stünden für die Realisierung bereit. „2,5 Mio Euro sind für die bauliche Gestaltung des Bert-Brecht-Hauses gedacht und 1 Mio Euro für die Neuentwicklung des Saporoshje-Platzes”, führt Klunk aus. Um diese Mittel bestmöglichst einzusetzen, rief die Stadt einen Architektenwettbewerb ins Leben. Klunk: „14 Tage hatten die Teilnehmer Zeit.” Trotz engen Zeitrahmens beteiligten sich fünf renommierte Planungsbüros, „die mit hochwertigen Lösungsvorschlägen überraschten”, so Klunk, übrigens selbst Jurymitglied.
Nachdem die Entwürfe einer fachlichen Vorprüfung unterzogen worden waren, fällte die Jury jetzt ihre Entscheidung: „Sieger ist das Krefelder Büro UKW Innenarchitekten mit Jochen Usinger und Martin Klein-Wiele.”
Auf einer Pressekonferenz skizzierte Jochen Usinger gestern den Lösungsentwurf seines Hauses. „Da das Bert-Brecht-Haus unter Denkmalschutz steht, lag uns daran, die Eigenheiten des Gebäudes zu erhalten”, so Usinger. „Die Eingänge, aber auch das Treppenhaus bleiben erhalten.” Bedingt durch die markante Bauweise fokussiere sich das Gebäude auf seinen „Schiffsbug”. „Gerade dort aber befindet sich zurzeit noch der Kiosk”, sagt Usinger. Denkbar sei es, den Kiosk zentral in den neugestalteten Park umzusetzen. „An der Front könnte dann ein riesiger Bildschirm installiert werden, der Tag und Nacht auf die Veranstaltungen in VHS und Bibliothek hinweist.” Verstärkte Kommunikation sei das Stichwort. Denn: „Das Haus muss mehr ins Blickfeld der Oberhausener.” Die Hallenarchitektur des einstigen Kaufhauses wollen die Architekten aufgreifen: „Bis zur achteckigen Säule könnte das Erdgeschoss freigeräumt werden”, beschreibt Usinger. Platz genug für eine automatische Rückgabeanlage der Bibliothek, die sich künftig bereits hier mit ihren besten Stücken positionieren soll. Eine Treppe verbindet die Bibliothek mit dem 1. Obergeschoss, in dem u.a. Kinder- und Jugendbibliothek an Ort und Stelle bleiben. Auch für das Obergeschoss aber gelte: „Die Räume müssen durchgängig begehbar werden.” Und behindertengerecht – dank breiten Fahrstühlen und großzügigen Flächen.
Eine illuminierte Info-Theke empfängt die Besucher im Erdgeschoss. Das historische Treppenhaus wird mit einem Licht-Leit-System in Szene gesetzt. „Das verbindende Element für alle Oberhausener aber wird das integrierte Straßencafe´ mit bodentiefer Fensterfront und Stellmöglichkeiten nach draußen”, schwärmt Usinger.
Weiterer Wettbewerb geplant
Das Bert-Brecht-Haus ist eines der großen Denkmäler Oberhausens. Ursprünglich war es Warenhaus und Verlagshaus im Stil der expressionistischen Backsteinarchitektur, errichtet 1925 - 1928 durch den Kölner Architekten Otto Scheib. Einzig störend: Das Gebäude wollte dank Paul-Reusch-Straße nicht zum Ganzen mit dem angrenzenden Platz verwachsen. Der Verkehr behindert die Nutzung der Freifläche. Das soll sich ändern. Die Stadt plant einen weiteren Architektur-Wettbewerb. Diesmal geht es um die Gestaltung des Saporoshje-Platzes.
Sollte der Rat dem Entwurf des Architekturbüros UKW für das Brecht-Haus zustimmen, geht es gleich an die Umsetzung. „Bis Mitte 2011 sollen alle Bauarbeiten abgeschlossen sein”, so Klunk. Dann könnten die ersten Gäste das Cafe´ im und den Park am Bert-Brecht-Haus genießen.

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