Kultkiste voller Oldies
08.08.2008 | 18:10 Uhr 2008-08-08T18:10:00+0200
Dieter Wientgens ist auf mehreren Webseiten Herr des Verfahrens. Seine besondere Liebe gilt alten Platten. Aber auch seine Heimatstadt ist immer wieder ein Thema. Ab November gibt's wieder das „Webradio Oberhausen”
Fragen Sie mal Ilja Richter, ob der sich noch an jeden Titel seiner ersten ZDF-„Disco” vom 13. Februar 1971 erinnert. Vielleicht weiß der heute 55-Jährige ja noch, dass etwa Petula Clark dabei war – oder die Kinks. Wenn er's ganz genau haben will, wird er auf einer kultigen Internetseite fündig, die der Oberhausener Dieter Wientgens hegt und pflegt: http://www.die-oldiekiste.de/. Es ist eine wahre Fundgrube. Von den 20er Jahren („Ausgerechnet Bananen”, „Die Männer sind alle Verbrecher”) bis nach 2000 hat Wientgens die Hits fein säuberlich nach Jahrgang aufgelistet. Bisher querbeet. Aber: „Ich möchte die Seite noch verbessern, möchte innerhalb eines Jahrgangs die Titel noch nach Musikrichtungen ordnen”, so Wientgens, der seine Brötchen, oder besser gesagt seine Platten und CDs seit 28 Jahren bei der Ruhrchemie im analytischen Bereich verdient. Rund 19 000 A-Titel besitzt er – und es könntennoch mehr sein, hätte er sich nicht irgendwann von seinen Schellack-Schätzchen getrennt. „Heute tut mir das fast schon wieder leid, aber ständig waren die Nadeln des Plattenspielers hin.”
Angefangen hat Wientgens' Beschäftigung mit dem Internet 2001, als seine Frau schwer erkrankte. Die gesellschaftlichen Aktivitäten des Ehepaars gingen spürbar zurück. „Damals habe ich mir ein neues Hobby gesucht”, erklärt Wientgens, der nicht der Typ Fernsehsesselhocker ist. Mit seinem Bruder Uwe betrieb er das „Webradio Oberhausen”, engagierte sich auch für wohltätige Zwecke. So war das Internetradio im April 2008 Organisator eines Benefizkonzertes im Crowded House für die Kinderkrebshilfe, bei dem 1335,49 € rumkamen. Das Webradio hat im Moment Sendepause, im November soll es einen Neustart geben, gemeinsam mit Sascha Urbanczyk. Sponsoren sind bei einem solchen Hobby natürlich stets gefragt, gilt es doch neben den Gema- auch die GVL-Gebühren zu zahlen (Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten). Ganz am Beginn seiner Aktivitäten musste Wientgens sogar feststellen, dass man nicht so einfach alte Charts ins Netz stellen darf. „Die Rechte liegen bei Media Control, die haben mich damals höflich, aber bestimmt abgemahnt”, so Wientgens. 200 € monatlich hätte der Spaß gekostet.
Dieter Wientgens, Oberhausener des Jahrgangs 1955, hat auch eine Reihe anderer Internetseiten gestaltet, die sich in erster Linie mit seiner Heimatstadt beschäftigen.
Besonders liebevoll: oberhausen-rheinland.de, von der Industriegeschichte in Zusammenarbeit mit Fritz Pamp bis zu Oberhausener Kirchen, in denen Wientgens mit dem dem Oberhausen-Freak Ulrich Huhn unterwegs war, reicht das Spektrum. Weitere Seiten: oberhausen-direkt.de, oberhausen-live.de, knappenviertel.de. Und passend zur Oldiekiste gibt's noch die Community alles-oldies.de – und das webradio-oberhausen.de.
Dieter und Karin Wientgens haben einen 36-jährigen Sohn – und den knapp dreijährigen Schäferhund-Rüden Balu, das zweite große Hobby des Oldiefans. „Wenn's nach mir gegangen wäre, hätte er einen anderen Namen, aber gegen meine Frau und meine Schwiegertochter konnte ich mich nicht durchsetzen.” Wie hätte er denn heißen sollen? „Kurt. Der Trend geht ja heute weg von speziellen Hundenamen”, meint Wientgens augenzwinkernd. „In unserem Freundeskreis gibt's eine Boxer-Hündin, die heißt Helga.”

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