Kritik an Nacktbildern in Koelbl-Ausstellung in Oberhausen

Die Ausstellung mit Werken Herlinde Koelbls läuft noch bis zum 3. Mai in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen.
Die Ausstellung mit Werken Herlinde Koelbls läuft noch bis zum 3. Mai in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
In der Ludwiggalerie sind Bilder nackter Kinder und das Foto eines Mannes mit erigiertem Penis zu sehen. Leserin findet das nicht familienfreundlich.

Oberhausen.. Ein kleiner Junge blickt fröhlich in die Kamera. Die goldenen Locken umspielen sein Gesicht. Das Kind ist nackt, sein Foto hängt in der aktuellen Ausstellung der Oberhausener Ludwiggalerie – zum Unmut von Leserin Marion Antoni. Die Oberhausenerin war mit Freunden in der Galerie. Dass dort „völlig nackte Kinder zur Schau gestellt“ werden, findet Antoni „befremdlich für eine familienfreundliche Ausstellung“. Auch das Bild eines jungen Mannes mit erigiertem Penis sorgt bei der Leserin für Unmut.

Tabuthema in den 80ern

Für Christine Vogt, Direktorin der Ludwiggalerie, unverständlich. „Hier ist nichts anstößig oder anrüchig, die Bilder sind sehr harmonisch“, sagt sie. Nacktheit sei eine „große Selbstverständlichkeit in der Kunst“. Ob Jesuskind, Adam und Eva oder die in Stein gemeißelte Nacktheit antiker Figuren: In Museen und Galerien seien Darstellungen unverhüllter Körper nichts Besonderes, erklärt Vogt.

Die Bilder der Fotografin Herlinde Koelbl sind in der Ausstellung „Das deutsche Wohnzimmer, Spuren der Macht, Haare und andere menschliche Dinge – Fotografien von 1980 bis heute“ zu sehen. Dazu gehören auch erotische Aufnahmen aus den 80er-Jahren. „Damals war das tatsächlich ein Tabuthema. Aber heute?“ Christine Vogt schüttelt den Kopf.

Aufnahmen erzählen eine Geschichte

Herlinde Koelbl hat die Bilder der Ausstellung selbst gehängt. Die Fotos nackter Frauen, Kinder und Männer sind in einem Raum zu sehen, in dem es um Leiblichkeit geht. „Die Aufnahmen erzählen eine Geschichte“, erklärt Christine Vogt. Es beginnt mit einem kleinen Jungen und endet mit einem alten Mann – ebenfalls nackt. „Es sind unglaublich gute Fotos, die mit etwas umgehen, was uns allen gemein ist.“ Bilder einfach abhängen, weil sich Besucher gestört fühlen? „Nein! Jedes einzelne Bild gehört zum Oeuvre, zum Gesamtwerk der Künstlerin“, sagt Vogt. Es geht um eine Serie, da kann man nicht einfach etwas wegnehmen. „Wir zensieren hier nichts!“

12. 000 begeisterte Besucher

Mehr als 12. 000 Besucher haben die aktuelle Ausstellung bislang gesehen. Es gibt einen negativen Eintrag im sonst mit Lobeshymnen gefüllten Gästebuch – und die Beschwerde von Leserin Marion Antoni. Sie schreibt: „Klären Sie ihre Kinder vor dem Besuch der Galerie auf, was sie dort erwartet.“ Junge Besucher würden aber ganz unverfänglich und natürlich mit den Bildern umgehen, sagt Christine Vogt. Und dass die Künstlerin selbst auch mit einem sensiblen Blick durch ihre Kamera schaut, zeige die Tatsache, dass Herlinde Koelbl Mutter von vier Kindern ist.

Fotografieren nicht gestattet

Gerne hätten wir den Lesern die Bilder, um die es geht, auch gezeigt. Doch Künstlerin Herlinde Koelbl lässt in der Ausstellung keine Fotografen zu, damit ihre Werke nicht ungefiltert ins Internet gelangen und unrechtmäßig vervielfältigt oder veröffentlicht werden.