Krause, Konfetti, Kopfschmerzen: Fans feiern Oberhausen Olé

Heino rockte beim Schlager-Festival "Oberhausen Olé" in der Lederjacke.
Heino rockte beim Schlager-Festival "Oberhausen Olé" in der Lederjacke.
Foto: Julia Althoff
Was wir bereits wissen
30.000 Schlagerfans feiern die Schlager-Sause „Oberhausen Olé“ in der Neuen Mitte. Zehn Stunden Musik mit Blumenketten und viel Konfetti.

Oberhausen.. Der Magen knurrt. Die Mahlzeit ist bei ihnen ausgefallen: „Keine Zeit!“ Die fünfköpfige Mädels-Clique erzählt sich auf dem Weg vom Oberhausener Hauptbahnhof zum Centro im Sonderbus trotzdem Witze wie am Fließband. Keiner der Kalauer in der letzten Sitzreihe ist wirklich zitierfähig. „Hast du einen Clown gefrühstückt?“, fragt eine Mittzwanzigerin ihre Sitznachbarin. Sie sind nicht die ersten, die sich am Samstagmittag zum zehnstündigen Schlager-Festival „Oberhausen Olé“ aufmachen.

Stimmung zwischen Kegelausflug und Ballermann-Besuch

Im Einsatzwagen der Stadtwerke ist offenbar eine Konfetti-Bombe hochgegangen. Viel Buntes liegt auf dem Boden. Auch an der Haltestelle „Neue Mitte“ gibt es das alte Bild: wenig Ordnung. Jubelfreudige wuseln umher. Vor dem Centro regelt Sicherheitspersonal den Feierverkehr. „Beim Wiederfinden der Kollegen dauert es schon mal länger“, murmelt ein Mann im Deutschland-Trikot bei der Suche nach seiner Schunkel-Gruppe.

Sommer-Dschungelcamp Auf den T-Shirts steht „Omas schöne Kinder“ und „Einmal im Jahr werd' ich laut“. Eine Stimmung zwischen Kegelausflug und Ballermann-Besuch. Ganz so verkehrt ist das nicht. „Wir gehen seit vier Jahren zu Oberhausen Olé“, sagt Thorsten Krüger. Die Kumpels, die eifrig Kronkorkenverschlüsse öffnen, gehören zu den „Luftikussen“. Hobbyfußballer aus dem Sauerland. Heute plündern sie die Mannschaftskasse.

Auf dem Weg zum eingezäunten Gelände schallen einem Klangfetzen entgegen. Sie werden überstimmt von Kegelklubs. „Und Schaaaalaaalaaaa“, singen die „Pudelkönige“ aus Essen. Der Vereinsvorsitzende Volker Berger meint: „So ein Festival ist billiger als eine Mallorca-Reise!“ Ist es auch ein Ersatz dafür? „Das entscheiden wir ein anderes mal!“ Im Hintergrund winken einige seiner „Pudel“ schon ab.

Regen hört zum Start von Oberhausen Olé auf

Sie schunkeln sich ein vor der bulligen Bühne mit zwei Protz-LED-Leinwänden. Viele Sänger, wenig Musiker. Die Instrumente haben oftmals frei. Der Regen hörte passend zum Festivalstart auf. Auf dem quietschgelben Shirt eines weiblichen Fans des Sängers Jörg Bausch steht „Ein Tornado“. Jubel-Vorhersage: stürmisch! Vorne singt Anna-Maria Zimmermann „Tausend Träume weit“. Hinten fachsimpelt ein Junggesellenabschied („Marlon in Ketten“) über den besten Hit des Barden Mickie Krause. „Geh mal Bier hol'n, du wirst schon wieder hässlich“, singt einer vor. „Mallorca ist nur einmal im Jahr“, hält ein anderer dagegen. „Dieses Lied ist aber von Peter Wackel“, korrigiert ein dritter. Abschlussprüfung am Schlager-Gymnasium.

Sie wälzen in Programmheften. Rock-Volksmusikant Heino („Schwarze Barbara“), Matthias Reim („Verdammt, ich lieb dich“) oder Ex-Modern-Talking-Sänger Thomas Anders („You're my heart, you're my soul“) sollen später ja noch kommen. Zwischendurch: Zicke-Zacke. Hände zum Himmel. Palettenweise Gerstensaft.

Jubel und Buh-Rufe für Michael Wendler

Einige schauen beim Anstehen am Bierstand eher genervt („Dauert zu lange!“), andere sind freiwillig auf einen Becher Wasser umgestiegen. „Wir haben vorgefeiert“, sagt Mike (18) aus Wesel. „Das merke ich heute noch!“ Kopfschmerzen vor Mickie Krause. Da kann man nichts machen. Oberhausen Oje.

Schlagerparty Besonders bekannter Schlagerbube: Michael Wendler. Der Dinslakener erntet Jubel und die gleiche Dosis Buh-Rufe. Das hat bei „Oberhausen Olé“ Tradition. „Ihr seid alle Wahnsinn!“, ruft er trotzdem.

Sänger Heino: Lederjacke statt Lederhose

Sänger Heino probt kurz vor dem Auftritt im bullig warmen Garderobenzelt seine mit Nieten bestückte Lederjacke an. Angesichts der sommerlichen Temperaturen sind seine Klamotten schwere Kost. Zum Vergleich: Einige der Fans kommen mit luftigen Badeschlappen. „Den Sommer nutze ich musikalisch, trete viel auf“, sagt der Düsseldorfer. „Danach geht es für einige Tage nach Kitzbühel.“

Der Popschlager ist der Soundtrack des feierwütigen Mallorcas. Gefällt ihm die Insel überhaupt? Heino verrät: „Wir waren gerade erst fünf Tage dort, zum Geburtstag meiner Frau Hannelore.“ Doch für Urlaub hat der 76-Jährige gerade keinen Kopf. Er denkt nach seinem Ausbruch aus dem Volksmusik-Genre weiter. „Ich habe in den vergangenen zweieinhalb Jahren mein Publikum um 40 Jahre verjüngt. Auch bei künftigen Alben werde ich die Form wahren: Alles muss moderner klingen. Man kann aber auch schöne Volkslieder modern gestalten, man muss es nur können.“

30.000 Fans in der Neuen Mitte Oberhausen

Sagt er. Und geht auf die Bühne. Jubel. Trubel. Heino. Eine kleine Band mit Hintergrund-Sängerinnen und Blasinstrumenten begleitet ihn. „Playback ist nichts für mich!“ Mit dem Cover-Song „Sonne“ der deutschen Rockband „Rammstein“ beginnt er krachend.

Musik 30.000 Fans sollen es nach Angaben des Veranstalters diesmal auf dem Freigelände in der Neuen Mitte Oberhausen sein. Ausverkauft. Dass die Besucherzahl im vergangenen Jahr deutlich größer war, liege an den Sicherheitsbestimmungen und an produktionstechnischen Gründen, sagt Veranstalter Markus Krampe. „Die Sicherheitsvorgaben der Stadt halten wir damit ein.“

Die Polizei spricht später von einem recht „ruhigen Musikevent“. Sieben Platzverweise mussten die Beamten aussprechen. Sechs Strafanzeigen gab es wegen Beleidigung und Körperverletzung. Die Rettungsdienste verzeichneten 62 einfache Behandlungen und 29 Transporte in umliegende Krankenhäuser.