König des deutschen Swing
06.04.2008 | 17:03 Uhr 2008-04-06T17:03:00+0200Roger Cicero traf bei seinem Gastspiel in der König-Pilsener-Arena den richtigen Ton und begeisterte das Oberhausener Publikum. Ein Star ohne Arroganz und Allüren.
Swingbegeisterte hatten sich am Samstag – generationsübergreifend – in der Arena versammelt. Sie wurden nicht enttäuscht. Man könnte fast von einer Symbiose sprechen, wenn man das Verhältnis zwischen Roger Cicero und seinem Publikum in der Oberhausener Arena beschreiben soll.
Da war auf der einen Seite ein Star ohne Arroganz und Allüren, stets auf sein Publikum fixiert – auf der anderen Seite mehrere Tausend nette Menschen, die ihn feierten, ihm bedingungslos Applaus spendeten und ihm auf Verlangen sogar bereitwillig einen Refrain seiner Lieder vorsangen.
Mag sein, dass der Swing die Menschen in guter Laune vereint, aber das, was am Samstag in der Arena zu erleben war, war mehr. Es war eine hoch professionelle Show mit einer hervorragenden Bigband und einem perfekt disponierten Sänger. Auch das alleine ist noch nicht wirklich außergewöhnlich, immerhin selten ist zumindest, dass Roger Cicero eine zwei Generationen umfassende Fangemeinde um sich schart. Und besonders sympatisch ist an ihm seine Natürlichkeit und seine jungenhafte Art, wenn er während des Singens durch die Publikumsreihen geht und immer wieder für ein Handyfoto posiert. Roger Cicero hat die richtige Mischung präsentiert. Knapp die Hälfte der Lieder waren Swing Arrangements, die übrigen Songs waren teils Rockballaden oder auch stimmungsanheizende lateinamerikanische Rhythmen.
Ein besonderes Schmankerl war Ciceros Interpretation von Herbert Grönemeyers „Männer”. Endlich mal ein Interpret, der nicht Grönemeyer imitiert, sondern dieses Lied in einem neuen individuellen Arrangement singt. Auch gecovert und einziger englischsprachiger Beitrag des Abends: „How come you don´t call me anymore” von Prince. Spätestens hier konnte Cicero jedem Zweifler seine hervorragenden Gesangskünste unter Beweis stellen. Sein ungewöhnlich großer Stimmumfang mit einer klaren Kopfstimme, sowie seine Art die Stimme wie beim Instrumentalspiel sehr präzise auf die Töne zu setzen und anderseits mit Leichtigkeit große Bögen zu singen, erhebt Cicero eindeutig aus der Masse der populären Sänger heraus.
Fantastisch waren auch seine Scat-Gesangs-Improvisationen im originellen Zwiegespräch mit dem Kontrabass. Cicero war natürlich nicht alleine auf der Bühne, seine elf Mann starke Bigband schaffte trotz der eher dürftigen Besetzung (vier Saxophone, zwei Trompeten, zwei Posaunen, Klavier, Schlagzeug und Bass) einen satten und farbigen Klang. Alle Musiker hatten während des Programms die Möglichkeit, ihre solistischen Fähigkeiten zu beweisen.
Das Publikum spendete den Solisten in alter Jazzclub-Manier begeisterten Szenenapplaus. Natürlich beherrscht der unermüdliche Cicero auch die Kunst der Zugabendramaturgie, deshalb überraschte es den Zuschauer auch nicht, dass als wirklich „allerletztes” Stück sein Erfolgstitel „Frauen regieren die Welt” erklang. Roger Cicero wird zu Unrecht oft unterschätzt. Ein schöner Abend.

0mitdiskutieren