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Knochenbruch am Beckenrand

11.05.2010 | 18:34 Uhr
Knochenbruch am Beckenrand

Oberhausen.Ruth Urban (78) ist fit. Bewegt sich viel, geht jede Woche zum Turnen, ist im Schwimmerverein. Jemand, den man gemeinhin als „rüstig“ bezeichnet. Trotzdem landete sie vor einigen Wochen im Krankenhaus. Ausgerutscht am Beckenrand. Diagnose: mehrfacher Oberschenkelbruch.

Es war der 12. März, an dem sie sich den Knochen brach, am 13. wurde sie bereits im St. Clemens Hospital operiert. Ihr Fall ist typisch: Immer mehr Menschen brechen sich ausgerechnet das Bein, das bereits mit einem künstlichen Hüft- oder Kniegelenk versehen ist. Eine Art Sollbruchstelle, an der es besonders häufig knackt, wie Dr. Thomas Friess, Chefarzt des Zentrums für Alterstraumatologie, erklärt: „Da treffen verschiedene Strukturen aufeinander, die unterschiedlich reagieren.“

Vorträge und Diskussion
Ihre Fragen sind gefragt

Oberhausen. „Knochenbrüche im Alter: Der Anfang vom Ende?“ titelt unser kommendes Medizinforum provokativ. Und tatsächlich ist die Fraktur jenseits der 60 alles andere als eine Bagatelle, denn vielen Senioren droht nach dem Krankenhaus das Pflegeheim. „Aller Grund zur Sorge“ ist der Knochenbruch also laut Dr. Thomas Friess, Chef der Unfallklinik des St. Clemens, und deswegen hat er auch seinen Vortrag für das Medizinforum so genannt. Wie wichtig es ist, bald wieder auf eigenen Beinen zu stehen, betont anschließend Dr. Theodor Nienhaus, Chefarzt der Geriatrischen Klinik. War man dann „Frühzeitig raus aus dem Bett“ folgt die „Rückkehr ins Leben“ mit Dr. Holger Ernst, Leitender Arzt des Reha-Zentrums Oberhausen.

Zwischen den Vorträgen ist viel Zeit und Raum für ihre Fragen. Moderiert wird der Abend von Thomas Schmitt, Leiter der WAZ-Redaktion Oberhausen.

„Drei Mal war mein Bein gebrochen, bis zum Knie. Jetzt ist da eine Schiene drin, wie eine Leiter sieht das aus“, erzählt Ruth Urban. Seit ihrer Entlassung wird die Osterfelderin nun von morgens bis nachmittags in der Tagesklinik „rehabilitiert“: Sie macht Gleichgewichtsübungen, geht in die „Muckibude“, übt mit Stützen und Walking-Stöcken das Gehen. „Das hat mir hier unheimlich viel gebracht“, sagt die agile Dame mit dem akkurat geschnittenen grauen Bob. Sie habe den Eindruck, die Therapie sei „wirklich auf den Menschen abgestimmt.“ Ein großes Erfolgserlebnis hat sich schon eingestellt: „Ich bin heute Treppen gelaufen – allerdings mit Festhalten.“

Ganz allgemein gesehen nehmen Altersfrakturen zu, wie Dr. Thomas Friess erklärt. „Den genauen Grund dafür kennt man noch nicht.“ Ganz oft jedoch haben die Menschen, die einen Altersbruch erleiden, eine Osteoporose. Für Friess ist es ein regelrechter Skandal, dass die Erkrankung, die den Knochen porös und instabil macht, kaum diagnostiziert wird. „Es ist nicht nachvollziehbar, dass die Knochendichtemessung eine Igel-Leistung ist (Untersuchungen, die der Patient bezahlt, Anm. der Red.). Wie soll man die Osteoporose sonst diagnostizieren.“ Selbst in Fachkliniken werde das Thema „stiefkindlich behandelt.“ Und da die nötigen Medikamente teuer sind, würden sie häufig gar nicht verschrieben. „Dabei bezahlen das die Kassen, es bedeutet nur einen höheren Aufwand, weil der Arzt die Therapie begründen muss.“

Dr. Thomas Friess, Chefarzt der Unfallchirurgie und Leiter des Zentrums für Altersmedizin im St. Clemens Hospital.

Ruth Urban hat keine Osteoporose, „Gottseidank“. Bald wird sie der Klinik den Rücken kehren und wieder ohne Stützen laufen. Wohin der Weg sie dann führt, ist klar, auch wenn sie noch ein wenig Angst hat: „Ich geh auf jeden Fall wieder schwimmen.“

Géraldine Lakermann

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