„Klumpen Moritz“-Wirtin hört auf
21.10.2011 | 17:51 Uhr 2011-10-21T17:51:00+0200
Oberhausen.Wer in der Sterkrader Innenstadt nach „Klumpen Moritz“ fragt, der bekommt prompt eine Antwort. Denn den kennt hier jeder.
Genauso bekannt wie die urige Gaststätte ist Wirtin Heike Terhorst (50). „Ich kann gar nicht vor die Tür, ohne Gästen zu begegnen“, sagt sie.
Manchmal anstrengend, aber nicht lästig findet sie den hohen Bekanntheitsgrad. Immerhin hat sie sich den auch hart erarbeitet. Seit 18 Jahren führt sie gemeinsam mit ihrem Mann Volker die Gaststätte auf der Bahnhofstraße in Sterkrade. Umso trauriger sind ihre Stammgäste, dass sie nun das Zepter abgibt.
„Ich war lange krank und habe gemerkt, dass ich dem Druck nicht mehr gewachsen bin“, erzählt sie und wirkt wehmütig. Natürlich, so sagt sie, seien da das berühmte lachende und weinende Auge. Aber ganz aufhören könne sie ohnehin nicht. „Ich schaffe es nur nicht mehr von zehn Uhr morgens bis zwei Uhr des nächsten Morgens im Geschäft zu stehen.“
Mit viel Leidenschaft hat sie die Gaststätte betrieben, in der sich Leute verschiedener Couleur zum Mittagstisch treffen. Dass das Kotelett hier noch saftig und die Soße mit echtem Geschmack ist, wird hier honoriert: „Hat’s geschmeckt?“ „Aaaber sicherlich.“ Ein Wink genügt und schon liegt die Rechnung auf dem Tisch. „Wir sind ein sehr personengebundener Betrieb - das schätzen unsere Gäste.“
Zudem erfahren gerade ältere Gäste besondere Zuwendung: Geh- oder Sehbehinderte nehmen die Terhorsts auch gerne schon an der Tür in Empfang und geleiten sie zum Platz. Ein persönlicher Service, der, wie Terhorst es ausdrückt, das Geschäft „ehrlich“ macht.
Seit 1979 arbeitet die 50-Jährige in dem elterlichen Betrieb - 1993 übernahm sie dann die Leitung des „Klumpen Moritz“. „Ich bin hier aufgewachsen, da war es klar, dass ich den Betrieb weiterführe“, sagt sie. Nun, wo sie aufhört, wartet auch schon die nächste Generation: Tochter Sarah (28) wird stärker in das Geschäft eingebunden.
Hier finden Sie die Serien der Lokalredaktionen in der Übersicht, zum Beispiel alle "Läden mit Pfiff", Porträts der Reihe "Menschen in O." und alle Stadtteil-Rundgänge.
„Vielleicht erreichen wir dadurch auch wieder mehr junge Leute“, hofft Terhorst. Denn natürlich bemerkt auch sie das Gaststättensterben. Daher versucht Familie Terhorst den Bogen zu schlagen zwischen Tradition und Moderne. „Ich wollte immer die Gaststättenkultur pflegen, aber auch etwas Neues hinzufügen“, erzählt sie.
So baute sie einen großen Saal an, in dem heute verschiedene Männerchöre proben, sich Karnevalsvereine oder der Schalke-Fanclub treffen.
All diese Menschen kennen Heike Terhorst schon viele Jahre und haben großes Verständnis für ihre Entscheidung, einen Gang runter zu schalten. „Bei meiner Geburtstagsfeier haben die Chöre für mich gesungen und so schöne Worte gefunden - da flossen viele Tränen“, sagt sie.
Auch, wenn Heike Terhorst jetzt erstmal reisen will - nach Bali und Singapur - wird sie Momente wie diese immer in Erinnerung behalten. Dabei waren das eine ganze Menge.
Zum Beispiel, als sich zur Karnevalszeit ein Paar in ihrer Gaststätte verliebte, später heiratete und dann zum „Danke sagen“ wieder kam. „Verrückt“ war auch die Geschichte, als einer Frau vor der Tür die Fruchtblase platzte, sie ins Krankenhaus kam und der stolze Vater später im Lokal ein Bier auf seinen Sohn trank - Max, denn einen Moritz gibt es ja schon.

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