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Klare Standpunkte

19.02.2010 | 15:14 Uhr
Klare Standpunkte

Wenn Politiker oder Funktinäre ihre Reden so formulieren, dass auch ein Mensch von nur durchschnittlicher Intelligenz sie verstehen kann, wirft man ihnen schnell Polemik vor. Sich mal ganz ohne Fach-Chinesisch, verschraubte Schachtelsätze und Hintertürchen festzulegen, entspricht nicht ihrem Berufsbild, aber manchmal auch nicht ganz den Erwartungen der Menschen, von denen sich offenbar einige schon an das Verlautbarungs-Deutsch der politischen Kaste gewöhnt haben. Zum Glück war davon diese Woche im Ebertbad nichts zu spüren.

Dabei weiß man natürlich ziemlich genau, was zu erwarten ist, wenn Verdi zum Politischen Aschermittwoch lädt und der Hauptredner Frank Bsirske heißt. Und zugegeben, Vereinfachungen bergen nicht nur den Charme, verstanden zu werden, sondern auch die Gefahr, unzulässig zu verkürzen. Immerhin aber durften wir ganz klare Standpunkte erfahren. So will Verdi den Mindestlohn, eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes oder die Finanztransaktionssteuer – um nur drei von zahlreichen angeführten Forderungen zu nennen. Forderungen, die im Übrigen niemand teilen muss. Trotzdem wäre es schön, wenn die Parteien auf ähnliche Weise Stellung bezögen, damit der Bürger weiß, wo es hingeht, wenn er sein Kreuzchen setzt.

Falsch verstanden fühlt sich neuerdings auch der örtliche Energieversorger. Um 1,70 Euro pro Monat für den durchschnittlichen Haushalt erhöhe sich ab dem 1. April der Strompreis, diesen Eindruck versuchte die EVO in der Öffentlichkeit zu erwecken. In Wirklichkeit sind es zwar immerhin 2,24 Euro, aber mit einer ebenso merkwürdigen wie unverständlichen Rechnung hielt das Unternehmen den Ball flach, beziehungsweise die Preissteigerung niedrig.

Dass dies nur ein Missverständnis war, dürfte den Kunden nun deutlich schwieriger zu vermitteln sein als die eigentliche Preiserhöhung. Die Wirtschaft neigt zur Beschönigung und unterschätzt die Chance, auch unangenehme Wahrheiten ungeschminkt auf den Tisch zu legen. Damit ähnelt sie der Politik. Wer hier wie dort einen Strategiewechsel vornimmt, verschafft sich Wettbewerbsvorteile.

Hannes Fritsche

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