Kinder stark machen
12.03.2009 | 19:43 Uhr 2009-03-12T19:43:00+0100
Pro Familia in Oberhausen ist eine von drei Missbrauchs-Beratungsstellen in Nordrhein-Westfalen.
Ein kleiner Junge wird in der Innenstadt von einem Mann angesprochen. Er lockt ihn in seine Wohnung – und lässt den Siebenjährigen erst laufen, als der anfängt zu weinen. Die Polizei ermittelt – und der Mann gesteht sexuelle Übergriffe bei zwei weiteren Kindern. In der vergangenen Woche meldete die Polizei diesen Fall – und viele Eltern werden sich gefragt haben, wie sie ihre Kinder schützen können. Susanne Kaltwasser von Pro Familia ist Expertin für die Vorbeugung vor sexueller Gewalt, und sie hat eine knappe Antwort: „Stark machen!”
Eine Antwort, die die Fachfrau aber auch sofort weiter ausführt. Als erstes ist ihr allerdings das wichtig: „Man sollte die Fälle mit Fremden nicht so hoch hängen. Die meisten passieren im sozialen Nahbereich.” Heißt: In 90 Prozent der Fälle von sexuellem Missbrauch kennt das Kind den Täter – aus der Familie, als Nachbarn, aus dem Sportverein oder der Musikgruppe etwa.
Über den Körper selbst bestimmen
Wie kann man ein Kind stark machen, es vor Übergriffen schützen? Kinder müssten lernen, dass es in Ordnung ist, „Nein!” zu sagen, wenn sich eine Situation schlecht anfühlt, erklärt die Mutter zweier Töchter. Dafür müssten sie aber auch lernen, ihren Gefühlen zu vertrauen. Es geht um körperliche und sexuelle Selbstbestimmung; Kinder sollen ihren Körper kennenlernen und wissen, dass sie selbst über ihn bestimmen können.
Beratungszeiten
Bei Pro Familia an der Bismarckstraße 3 helfen Sozialarbeiter(innen), eine Ärztin, eine Psychologin und eine Pädagogin bei Fragen zu Sexualität, sexuellem Missbrauch, Sozial- und Familienrecht, Familienplanung und Verhütung, Schwangerschaftsabbruch und Wechseljahren. Telefonisch zu erreichen ist die Beratungsstelle unter 86 77 71 montags bis donnerstags von 9 bis 13 Uhr und von 15 bis 17 Uhr, dienstags bis 19 Uhr. Freitags werden nur vormittags Termine vergeben. Die offene Sprechstunde für Jugendliche ist montags von 13 bis 15 Uhr ( 87 11 55 zum Thema Sexualität, 86 77 71 zum Thema sexueller Missbrauch). Alle Gespräche bleiben streng vertraulich.
Was ist sexueller Missbrauch? Die Fachleute sprechen heute nicht mehr von sexuellem Missbrauch, erklärt Sozialarbeiter und Sexualpädagoge Andreas Müller, der die Pro Familia-Beratungsstelle leitet – weil das Wort „Missbrauch” beinhalte, dass es auch einen sachgemäßen „Gebrauch” geben könnte. Die Experten sprechen von sexualisierter Gewalt, und die, erklärt Susanne Kaltwasser, kann ganz verschiedene Formen haben: Sie könne mit Worten geschehen und durch Berührungen, durch sexuelle Handlungen, und auch, wenn Kindern pornographische Darstellungen gezeigt werden.
Um solche Fragen – und die Antworten – geht's in Susanne Kaltwassers täglicher Arbeit. Seit Januar gehört sie zum Team von Pro Familia an der Bismarckstraße, einer von drei Beratungsstellen in NRW, die unter dem Titel Missbrauchsberatungsstellen firmieren. Dort ist die Diplom-Pädagogin Ansprechpartnerin für Kinder und Jugendliche, die Opfer von sexuellem Missbrauch geworden sind, oder für Eltern, Erzieherinnen und Lehrer, die bei einem Kind Missbrauch vermuten. Mit ihnen berät sie, was zu tun ist, und das streng vertraulich: „Wir stehen unter Schweigepflicht”, niemand erfährt, was zur Sprache kommt.
Ein großer Teil ihrer Arbeit ist die Prävention: Fortbildungen für Erzieherinnen, Eltern-abende in Kindergärten, Angebote für Jugendliche in Schulen und Jugendzentren zum Thema und Fortbildungen für Lehrer gehören dazu.

20:27
Schön, wenn es so einfach wäre.
Die Kinder sagen Nein und der Täter lässt es?!
Meistens sind Erpressungen im Spiel, mit denen der Täter eine weiter Form von Gewalt auf das Kind ausübt, z. B. Wenn Du das nicht machst, werde ich Deinen Eltern weh tun etc.
Für mich keine Lösung des Problems.