Kinder-Notfallpraxis droht das Aus

Müssen Oberhausener Eltern mit ihrem kranken Kind bald an den Wochenenden weite Wege in Kauf nehmen? Die niedergelassenen Kinder- und Jugendärzte fürchten: „Ja“. Denn die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein plant tiefgreifende Veränderungen für ihre Notfallpraxen – auch in Oberhausen.

Dabei läuft die zentrale kinderärztliche Notfallpraxis in den Räumen des Evangelischen Krankenhauses Oberhausen seit 2007 rund. Sie hat sich als Anlaufstelle etabliert, genießt das Vertrauen der Eltern. „Das belegen ja auch unsere zirka 15 000 Behandlungsfälle pro Jahr“, sagt Christa Langen, Obfrau der Oberhausener Kinder- und Jugendärzte. Organisiert wird der Dienst außerhalb der regulären Praxis-Öffnungszeiten bislang von den 14 niedergelassenen Kinder- und Jugendärzten in Eigenregie.

Für sie bedeutet das: „28 zusätzliche Dienste pro Arzt und Jahr“, führt Christa Langen aus. Etwas mehr Entlastung sei da schon angebracht. „Wir hätten uns über mehr Unterstützung etwa von Mülheimer Kollegen gefreut“, ergänzt Kinderarzt Theodor Koster. Deshalb hätten die Oberhausener Kollegen die Veränderungswünsche der KV, die vor allem die Landärzte entlasten will, zunächst begrüßt.

Ansturm ist kaumzu bewältigen

Umso größer saß der Schock, als die zuständige KV-Kommission plötzlich vorschlug, dass es für Duisburg, Mülheim und Oberhausen künftig nur noch eine Kinder-Notdienstambulanz geben soll. Bislang existiert in jeder der drei Städte ein eigener Dienst.

Doch damit nicht genug: „Jeder Arzt soll nur noch höchstens acht Dienste pro Jahr machen dürfen“, ergänzt Langen. Zusätzlich sollen die Öffnungszeiten der Notfallpraxen reduziert werden. „Wir sehen bereits jetzt 10 bis 15 Patienten pro Stunde, dann wären es doppelt so viele bei weniger Ärzten -- wie soll das gehen?“ fragt sich jetzt nicht nur die Obfrau.

Einen kaum mehr zu bewältigenden Ansturm auf die EKO-Klinik für Kinder und Jugendliche befürchtet in der Folge auch Chefarzt Peter Beyer: „Auch die Notfallpraxis für Kinder hat ja nicht rund um die Uhr auf, deshalb betreuen wir schon jetzt jährlich 5800 zusätzliche Notfallpatienten mit.“

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen, warnt Peter Ziebell (Oberarzt der EKO-Klinik für Kinderchirurgie). Die sollten nicht einfach in eine normale Ambulanz wechseln müssen, sondern stets nur von erfahrenen Kinderärzten untersucht werden.

Insbesondere die künftig deutlich längeren Anfahrtswege für Kinder mit hohem Fieber oder nach einem kleineren Unfall sieht auch Heinrich Vogelsang kritisch. Der Vorsitzende der Kreisstelle Oberhausen der Kassenärztlichen Vereinigung hält die Vorschläge seiner KV „für eine Katastrophe, die nur zu Lasten der Kinder geht“.