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Winter

Keine Angst vor neuer Kälte

22.01.2010 | 18:46 Uhr

Energieversorgung hat auch mit tiefstem Frost keine Probleme. Zuspeisung von Frischwärme hält sich in Grenzen.

Dass es bei der Energieversorgung Oberhausen AG einen winterlichen Störfall gegeben hätte in den letzten Jahren, Norbert Schön würde das mit vehement zurückweisen. Norbert Schön ist schließlich ein alter Fahrensmann und erlebt gerade seinen 33. Winter im Dienste der Energieversorgung. Den Störfall, den unsereins meint, nämlich die völlig verquere Tontechnik zur Karnevalsveranstaltung 2009 im EVO-Kasino, hätte er nicht auf der Rechnung – und würde sagen: „Wir Ingenieure haben da einen anderen Sprachgebrauch.”

Was übrigens dazu führt, dass so recht niemand weiß, warum „Frischwärme” so heißt. Wann sie zugeführt werden muss, weiß der Leiter der EVO-Hauptabteilung Energieerzeugung allerdings: „Wir produzieren in unseren Kraftwerken aus Erdgas Wärme und Strom. Wenn wir nur noch Wärme produzieren, dann ist das Frischwärme.” (Das ist verkürzt und vermutlich nicht ganz richtig wiedergegeben, Norbert Schön wird's verzeihen).

Es müssen schon ein paar Bedingungen zusammenkommen, um in den 8760 Stunden, die ein Jahr so hat, die paar Stunden anzuzeigen, in denen der Frischwärme-Fall eintritt. Selbst im gerade überstandenen Winterabschnitt I, Winterabschnitt II könnte kurz vor der Tür stehen, war das höchst selten der Fall. Obwohl: Am kältesten Tag des Winters (es war der 19. Dezember mit einer Tagesdurchschnittstemperatur von minus 9,1 Grad, Tiefststand um 8.30 Uhr minus 11,5 Grad), produzierte die EVO zur Mittagszeit 200 Megawatt, und das ging nur mit „Frischwärme”.

Ausreißer am 19. Dezember

Die 200 000 Kilowatt vom 19. Dezember sind schon ein Ausreißer. Zur Einordnung: Über die Jahre hinweg heißt die Durchschnittszahl für Dezember 110 000 Kilowatt, die Durchschnittszahl fürs Jahr übrigens 54 000 Kilowatt. „In Verlegenheit kommen wir aber nie”, weiß Schön ein technisch intaktes und technologisch ausgereiftes Konzept auf seiner Seite.

Allabendlich übergeben EVO-Experten dem Personal im Kraftwerksleitstand (vier Mann pro Acht-Stunden-Schicht) ein Diagramm, aus dem hervorgeht, wie sie das Kraftwerk „zu fahren” haben – mit mehr oder weniger Abwärme aus der Müllverbrennung und der Ruhrchemie, mit mehr oder weniger (meist ganz ohne) Öl, mit mehr oder weniger Erdgas. „Das wird”, so Schön, „exakt berechnet nach Wetterprognosen, Marktpreisen und weiteren Indikatoren.”

Stören könnte dann allenfalls mal ein berstendes Rohr: „Aber das passiert höchst selten und gefährdet auf keinen Fall die Wärmeversorgung.” Schön, dass wir keine Angst haben müssen.

Gustav Wentz

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