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Keine Angst vor großen Gefühlen

21.10.2012 | 18:57 Uhr
Keine Angst vor großen Gefühlen
Begeistert mit toller Stimme, tröstenden Alltagsphilosophien und Charme: Udo Jürgens in der Arena.Foto: Stephan Glagla

Oberhausen. Wenn Männer in ihrer Lebensmitte um die 50 plötzlich Ängste entwickeln, alt zu werden, dann sei ihnen der Besuch eines gut zweistündigen Konzerts des letzten großen deutschen Entertainers, des 78-jährigen Erfolgskomponisten und Sängers Udo Jürgens, empfohlen.

Volle dunkle Stimme, volles dunkles Haar – er tänzelt am Samstagabend leichtfüßig auf der Arena-Bühne, er streichelt die Hände vieler Frauen, er sprüht vor Energie: Da geht noch ganz viel.

Mit Alltagsphilosophien

Der früher oft zu Unrecht in die Schlager-Ecke gestellte Jürgens wärmt 6000 Zuschauern am Samstag mit einer Musikshow im US-amerikanischen Stil Ohren und Herz: Lila angestrahlter Theater-Vorhang, das glasklar spielende 20-köpfige Big-Band-Orchester Pepe Lienhard, die ausgezeichneten Jazzstimmen „The Voices“ als Hintergrund-Chor – beeindruckend und einzigartig in Deutschland.

Und dazwischen kleine Alltagsphilosophien für die Seele: „Menschen brauchen Menschen“, „Glaub an Deine Kraft“, „Keine Angst vor Gegenwind, sonst kann man nicht fliegen“, „Die Liebe ist das größte Gefühl, zu dem Menschen fähig sind“ – Jürgens hat keine Angst vor Pathos und der Nähe zu Kitsch. Was bei anderen wie dürftige Plattheiten klingen würde, nimmt man dem Sänger als Lebensweisheiten ab. Das ist Kunst.

So glaubt man Jürgens gerne, wenn er sagt, bei ihm stelle sich trotz seiner jahrzehntelangen Tour-Erfahrung keine Routine ein („Das ist immer mit Herz und Seele“). Und wie er sich galant entschuldigt, wenn er Geschenke am Bühnenrand entgegennimmt: „Ich eile dann immer zum Klavier, das sieht so aus, als ob ich schnell weglaufe, doch ich weiß: Hinter jeder Blume steht ein Mensch.“

Rauschender Beifall und - na klar - das Bademantel-Finale

Bei seiner Liedauswahl dominieren die Stücke aus dem letzten Album „Der ganz normale Wahnsinn“. Ältere Lieder wie „Glut und Eis“ sowie Ausschnitte aus dem Film „Der Mann mit dem Fagott“ nach seiner Biographie und mit seiner Filmmusik gehören zu den Höhepunkten des Konzerts.

Und natürlich fehlen seine Hits nicht, wobei auffällt: Bei allem swingenden Sound sind die Texte immer wieder überraschend zeitkritisch. Über die totale Überwachung („Du bist durchschaut“), die Einsamkeit des Zuwanderers („Griechischer Wein“), die Doppelmoral („Ehrenwertes Haus“), die Verdenglischung der deutschen Sprache („Alles ist so easy“).

Langanhaltender Beifall am Konzertende mit Bademantel-Finale. Na klar.

INFO: Oberhausen ist für Jürgens in diesem Jahr eine ganz besondere Stadt. Sein Arena-Konzert im Frühjahr bei der „Wahnsinns“-Tournee bescherte ihm mit gut 10 000 Zuschauern die zweitbeste Besucherzahl. 16 Zusatzkonzerte hängt er nun bis 10. November dran. Er startete am 18. Oktober in Saarbrücken, war am 20. Oktober in Oberhausen und endet in Berlin. Im Dezember wird in Oberhausen über mehrere Monate sein Musical „Ich war noch niemals in New York“ aufgeführt.

Peter Szymaniak

Kommentare
24.10.2012
21:15
Keine Angst vor großen Gefühlen
von MKVertreter | #2

"Zu Unrecht in der Schlager-Ecke" ?? Selbstverständlich singt er Schlager und hat das auch immer getan. Auch innerhalb des Schlagers gibt es...
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2012-10-21 18:57
Kunst,Berlin,Saarbrücken,MAN,Angst,Überwachung,Wein,Haus,Herz,Filmmusik
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